scharfsinnig - unsinnig - kurzweilig

Autor: Armin (Seite 25 von 30)

So ein Glück aber auch

Man soll es nicht für möglich halten, was so ein bisschen Glück alles bedeuten kann. Von Keksen, Zahlen, Tagen, Losen, Kindern, Momenten, Feen, Rädern, Spielen etc. einmal abgesehen. Und selbst Tüchtige soll es geben, die Glück haben. Doch ganz so banal wie es zu sein scheint, ist es eben nicht.

Stell dir vor, du fährst in die Stadt und hast es eilig. Du bist spät dran, und vor dir trödelt ein Opelfahrer. Da, ein freier Parkplatz. Was für ein Glück!

Ist Glück also relativ? Gleichzeitig aktiv und passiv? Glück kann man nicht einfach nur haben. Oder nur sein. Und, muss man zwingend Glück haben, um glücklich zu sein? Wie lange ist die Haltbarkeit vom Glück? Welche Euro-Norm regelt verbindlich das Verfallsdatum? Oder den Mindestgrad der Empathie? Ist das überraschende Finden eines freien Parkplatzes wirklich schon Glück? Oder erst das Finden der Nadel im Heuhaufen? Oder ein Sechser im Lotto? Oder eine Handvoll Reis? Ist Glück international? Gültig für alle Menschen? Für alle Ethnien, Religionen, Veganer oder Kannibalen? Sind Glücksritter glücklicher als Kreuzritter? Glückspilze glücklicher als Kartoffelbovisten? Und sind die Dummen in der Tat glücklicher? Obwohl sie letztlich doch immer die Dummen sind? Und Sonntagskinder?

Sicher ist: Glück ist käuflich! Zu mindestens auf Zeit. „Du hast aber das Glück gepachtet!“ Man besitzt es nicht, bzw. nur auf Zeit. Und von wem kann man es eigentlich Pachten? Wem gehört das Glück? Wenn es also käuflich ist, was kostet es? Wonach richtet sich der Preis? Können sich Hartz IV Empfänger folglich weniger Glück leisten als Manager? Oder Beamte? Alle Menschen sind doch gleich? Aber manche sind wohl doch gleicher. Und damit glücklicher! Oder sind Glückliche gleicher? Fragen über Fragen!

Dein Glück möchte ich haben! Kann ich es mir demnach von dir leihen? Wie lange? Und was geschieht, wenn es sich abgenutzt hat? Muss es regelmäßig gewartet werden? Muss man es füttern, waschen, legen und föhnen? Und wenn ich es von dir geliehen habe, hast du dann Pech? Oder hast du nur Pech, wenn du es nicht mehr von mir zurück bekommst? Ist der Verlust mit einer Rechtsschutz-Versicherung abgedeckt? Kann man es für die Dauer der Leihzeit versichern? So wie eine Reisegepäck-Versicherung? Mit oder ohne Selbstbeteiligung? Bedeuten Unglücke automatisch das die Prämien erhöht werden? Ist die Versicherung des Familienglücks als Paketpreis günstiger? Oder doch die für Singles? Gibt es Rabatte, wenn ich regelmäßig die Glücksshow schaue? Oder einen Glückscent bei mir trage? Oder eine Hasenpfote, oder ein Schwein, oder ein vierblättriges Kleeblatt (sofern man das Glück hat eines zu finden!), oder ein Hufeisen? Wie werden Schornsteinfeger eingruppiert? Wie die Besitzer von schwarzen Katzen? Nur wenn sie von links kommen? Was in Ländern mit Linksverkehr?

In den öffentlich rechtlichen und nichtöffentlich unrechtlichen Sendern schüttet man täglich das Unglück von Menschen über die Fernseher aus. Die GEZ-Gebühren behalten sie allerdings ein. Sie bereichern sich an dem Unglück der Unglücklichen. Ergo zahlen wir doch für das Unglück der anderen – oder? Indirekt jedenfalls. Will heißen: Mit dem selbst finanzierten Konsum dieser Sendungen verdummen wir zusehends. Und werden wir folglich dann nicht auch glücklicher? Oder steckt eine viel größere politische Dimension dahinter? Wenn man die täglichen Nachrichten aufmerksam studiert, liegt der Verdacht sehr sehr nahe!

Die Einen ziehen ein Glückslos, die anderen sind ihr Glück los! Da helfen wirklich nur noch die klassischen Glücksbringer. Sogenannte Talismänner. Nicht Talibanmänner, die bringen weniger Glück! Weniger Glück, das heißt doch aber, ein wenig Glück ist immer noch vorhanden! Die Lage ist nicht aussichtslos!

Der Glücksbringer und der Talis-Mann: Männlich! Was will uns das Schicksal damit sagen? Haben Frauen kein Glück? Oder bringen sie uns kein Glück? Was sagt Alice Schwatzer dazu? Sie hat ja nun wirklich kein Glück gehabt, als ihre Steuer-Unterschlagungen ans genderneutrale Tageslicht gekommen sind. Schadenfreude erzeugt doch besonders prickelnde Glücksgefühle!

Wenden wir uns einer weiteren Modifikation des Glücks zu. Glück kann man haben, es kann gebracht werden, gepachtet – aber nicht holen. Man stelle sich vor es gäbe Abholmärkte für das Glück. Wäre es dort günstiger? Bietet Obi oder Aldi wahres Glück? Gibt es Ende Januar einen Winterglücksschlußverkauf, mit bis zu 50% Rabatt? Lohnt es sich da nicht grundsätzlich auf Sale zu warten, um dann gleich mehr davon zu ergattern? Aber erhält man dann wirklich das 100%ige Glück? Wobei: Ist Glück eigentlich teilbar? Wenn man es mit jemandem teilt? Erhält dann jeder nur ein Stück vom Glückskuchen? Mit Sahne?

Apropos Kuchen: Großer Beliebtheit erfreuen sich auch die Glückskekse (nicht zu verwechseln mit den Scherzkeksen). Bricht man sich beim Verzehr eines Glückskekses ein Stück vom Zahn ab, wie ist dies zu bewerten? Also rein statistisch gesehen. Es beweist jedoch, dass Glück nicht generell überall und immer wirkt. Ein bisschen Restrisiko besteht immer und überall. Nehmen wir z.B. auch Süßigkeiten wie Schokolade. Der Genuss soll ja sprichwörtlich glücklich machen. Auch noch beim Blick auf die Waage? Hm! Seht ihr! Andererseits könnte sich die Bekleidungsindustrie an den Werbekampagnen der Schokoladenhersteller beteiligen, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Beide hätten echt Glück!

Nebenbei bemerkt: Wenn man den obigen Gedanken einmal aufnimmt, dann ergeben sich noch weitere sinnvolle Kooperationen von partizipierenden Branchen. Hersteller von Glatt- und Blitzeis mit Kfz-Werkstätten, Leihwagenanbietern, Autolackierern und Abschleppdiensten. Oder auch Betreiber von Triebwagen mit Gruppenreisen ins Rotlichtmilieu. Oder Green Peace mit Rotbäckchen und Lebertran. Oder so. Das sei nur so am Rande erwähnt.

„Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist!“ Wer sein Glück los ist, sollte tunlichst vergessen, dann hat er es quasi wieder. Eigentlich blödsinnig – aber wenn’s denn sein soll. Meinetwegen! Aber: Wo ist das Glück, wenn man es los ist? Liegt es irgendwo rum, wie ein Schirm, den man einfach stehen lässt? Bringt der Finder das Glück in ein Fundbüro? Oder behält er es lieber für sich? Hat er dann doppeltes Glück? Der Verlierer des Glücks setzt natürlich darauf, dass der grundehrliche Finder bereits im Besitz eines eigenen Glücks ist und schickt sich an sein Glück auf dem Fundbüro zu suchen. Dort läge es ja nur unnütz herum, wo er es doch so gut hätte gebrauchen können. Doch wie denkt eigentlich das Glück selbst darüber? Schließlich ist es ja achtlos irgendwo allein, einsam und verzweifelt zurückgelassen worden. Und nun kommt es wieder zurück zu seinem Glückspilz. Ist unglücklich über sein Schicksal, und fragt sich, ob es vor einer ungewissen Zukunft steht. Das Glück hat  in diesem Fall nicht wirklich Glück. Oder? Daraus ergibt sich dann folgerichtig, dass das Glück nicht unbedingt Glück haben muss. Ist aber immer noch Glück. Das sollte man nicht außer Acht lassen. Bei allem Respekt!

Hat eigentlich irgendjemand schon einmal konsequent darüber nachgedacht, woher das Glück kommt? Es muss doch irgendwo herkommen! Oder wächst es einfach so auf Bäumen? In Treibhäusern (Hi)? Dann würden allerdings die Grachtenrutscher postwendend Tomaten=Tomaten und Tulpen=Tulpen sein lassen und es in Treibhäusern treiben lassen. Getreu dem Motto: Glück aus Amsterdam.

Ich bin mir jedoch ganz sicher: das Glück wächst im Wald. Unter der Erde. Man findet es mit Glücksschweinen. Wie mit Trüffelschweinen. Schließlich kann man sowohl Glück, als auch Schwein haben. Ganz ehrlich – Schwein wäre mir sogar lieber! Dann könnte ich mit dem Schwein und etwas Glück weiteres Glück finden. Allerdings würden dann die Holländer weiter Tomaten und Tulpen züchten. Und jetzt erkläre mir bitte einer, was dies nun mit Glück zu tun haben soll!

Wenn ich die ganzen Gedanken einmal zusammenfassen darf, komme ich zu der Erkenntnis, dass es wirklich ein großes Glück ist, wenn man Glück hat. Aber auch, dass es auch die Kehrseite gibt. Das Unglück. So wie Licht und Schatten, wie Bayern und die Sechziger oder Schalke und Dortmund. Und für die politisch Interessierten Ackermann und sein „totes Humankapital ohne Verzinsung“. Mal ganz unter uns: Glück kann sogar berauschen – Glücksgefühle hervorrufen. Möge der geneigte Leser eine Fülle solcher Glücksgefühle sein Eigen nennen! Das wünsche ich ihm: Herzlichen Glückwunsch!

 

Ostern 2017. Kein Glück mit dem Wetter!

 

 

 

 

Reine Glücksache

Bevor ich das Glück in seiner ganzen epischen Vielfalt seziere, und mich von seiner tiefgründigen Breite verführen lasse, möchte ich ein paar Zeilen den zwei Varianten des Glücks widmen, die ich dann später nicht noch einmal in Betracht ziehen werde. Die es aber durchaus Wert sind, genannt zu werden. Es soll hier also keinesfalls der Eindruck vermittelt werden, dass diese separate Darstellung z.B. dem Platzmangel zum Opfer fiel. Nun aber zum Ernst des Themas.

Alles hat seinen natürlichen Gegenpart. Auch das Glück. Mag man es Unglück nennen oder einfach Pech. Und beides ist relativ, und kann sogar in unmittelbarem Zusammenhang stehen. Illustre Beispiele sollen Zeugnis geben, wie eng Glück und Pech miteinander verbandelt sind:

Glück im Unglück.

  1. Bei der Bundestagswahl im Herbst gewinnt die Partei deines Mistrauens, aber Uschi von der Leyen wird nicht Bundeskanzlerin!
  2. Du schlenderst über einen Jahrmarkt und eine Losverkäuferin, die im Körper der russischen Kugelstoßerin Anna Bolika gefangen ist, preist dir sechs Lose für sage und schreibe 5,-€ an. Im Vertrauen auf das Glück ziehst du fünf Nieten und einen Hauptgewinn – einen knallpinken Kuschelbären! Bereits bei der ersten spontanen, flüchtigen Beschmusung finden leichte Hautirritationen und Errötungen im Wangenbereich statt. Nach der Entlassung aus der dermatologischen Klinik leitest du umgehend die Entsorgung des Hauptgewinns ein. Innerhalb von wenigen Tagen recherchierst du im Internet eine Sondermülldeponie in Grosshessenlohe, die das Knallpinkfarbene gegen eine geringe Gebühr und der Übernahme der Transportkosten sicher und nachhaltig entsorgt.

 

Erst kein Glück, dann kam noch Pech dazu.

  1. Bei der Bundestagswahl im Herbst gewinnt die Partei deines Mistrauens, und
  2. Uschi von der Leyen wird Bundeskanzlerin!
  3. Du schlenderst über einen Jahrmarkt und eine Losverkäuferin, die im Körper der russischen Kugelstoßerin Anna Bolika gefangen ist, preist dir sechs Lose für sage und schreibe 5,-€ an. Im Vertrauen auf das Glück ziehst du eine Niete und fünf Hauptgewinne – fünf knallbunte Kuschelbären.

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass Ähnlichkeiten mit lebenden Personen weder zufällig noch unbeabsichtigt sind. Die geschilderten Erlebnisse hingegen sind reine Fiktion.

An meinem Glückstag, dem 13. April 2017

 

Online

Es ist der Gnade der frühen Geburt geschuldet, dass ich an der Entwicklung der indirekten Kommunikation passiv und aktiv teilhaben durfte. Für meine ersten frühkindlichen Erfahrungen mit einem Online-Telefon genügten eine Leine (Schnur) und zwei Weissblechdosen, die ursprünglich kalifornische, geschälte, halbe Pfirsiche beherbergten. Die Reichweite unserer ersten Kommunikations-Anlage war generell verbesserungswürdig, aber ein Anfang war gemacht. Einen wesentlichen Vorteil jedoch hatte sie gegenüber heute üblichen Gerätschaften: Es konnte nur jeweils ein Teilnehmer sprechen bzw. hören. Man musste also seinem Widerpart definitiv Aufmerksamkeit schenken, zuhören. Ausspähen von fremden Mächten und das Mitschneiden der Gespräche durch internationale Geheimdienste gehörte noch in das Reich perverser Fantasien.

Online heute bedeutet, frei übersetzt: an der Leine liegen. Für jeden jederzeit erreichbar – gewollt und ungewollt. Beim Spaziergang, im Kreuzgang, beim Stuhlgang und sogar während des Nachspülgangs! Auf dem Heimweg, dem Radweg oder dem Holzweg.

Die Schlinge der digitalen Fesseln zieht sich durch die sogenannten sozialen Netzwerke weiter erschreckend zu. Die Kommunikation reduziert sich auf max. 140 Zeichen. Was für den Gehalt der Informationen allerdings auch mehr als ausreichend ist. Dennoch nimmt die Sucht diesen ganzen hirnrissigen Müll zeitnah und ungefiltert bzw. unkritisch zu konsumieren exorbitant zu. Es ist sicher leichter sich das Rauchen abzugewöhnen, als auf die ununterbrochenen Nachrichten seiner „Freunde“ und Follower zu verzichten. Besonders eindrucksvoll kann man dies auf Flughäfen beobachten. Kaum gelandet werden in hysterischer Hektik die smarten Phone hochgefahren, in der vagen Hoffnung, man könnte Unwichtiges verpasst haben. Für risikobereite Startupper wäre es doch eine geniale Geschäftsidee Restaurants zu eröffnen, die Astronautenkosten in Schnabeltassen anbieten. Dann hätten die Bedauernswerten eine Hand frei, um ihren Freunden umgehend mitzuteilen, dass sie gerade in einem Restaurant Astronautenkost aus Schnabeltassen konsumieren.

Von unschätzbarem Vorteil sind ohne Zweifel viele Funktionen, die alle möglichen und unmöglichen Daten erfassen. Für wen dies allerdings zum Vorteile gereicht ist zweifelhaft. Wird jedoch auch nicht weiter hinterfragt. Wer wann wo ist bzw. war. Jeder Schritt, die Kalorien, der Puls, der Blutdruck, die Höhenmeter, um nur einige zu nennen. Sinnvoll wäre, neben den Werten für seine sportlich-gesundheitlichen Aktivitäten, auch die Anzahl der gesprochenen Worte und der gefassten Gedanken zu erfassen. Also der sinnvollen Gedanken selbstverständlich!

Dass man die Wetteraussichten, die Staus, die aktuellen Benzinpreise, die Börsenkurse und weitere diverse Nützlichkeiten stets parat hat, zählt inzwischen zu den lieb gewonnenen Informationen. Darüber hinaus erschließen sich aber zukunftsweisende Errungenschaften, die unser Leben dramatisch ändern werden: Die Steuerung und Überwachung der Haushaltsgeräte aus der Ferne! Drei Beispiele sollen genügen, um die unermesslichen Schätze dieser Funktionen bergen zu können:

  1. Der Kühlschrank meldet, dass das Haltbarkeits-Datum der subventionierten Laktose freien Biomilch aus nachwachsenden Steuermitteln abgelaufen ist. Es werden verschiedene Einkaufsmöglichkeiten vorgeschlagen, mit Aktionspreis-Vergleichen, sowie der Ökobilanz des zum Erwerb nötigen Umweges.
  2. Die Waschmaschine meldet den Verlust einer einzelnen Socke. Automatisch liegt die Nachbestellung im Warenkorb eines Lieferanten des Vertrauens. Ein Klick auf „Artikel jetzt kaufen“ und eine logistische Meisterleistung sorgt dafür, dass die fehlende Socke sehr wahrscheinlich vor dir Zuhause eingetroffen ist.
  3. Die Pflegeanleitung der Socke aus fairer Produktion und von zertifiziert veganen Schafen wird unmittelbar an die Waschmaschine übermittelt und gespeichert. Für den manuellen Aufhängvorgang ist bisher noch leider keine App auf dem Markt.
  4. Die vollvisualisierte Rundumvideoüberwachung für den Innen- und Außenbereich von Haus oder Wohnung garantiert 100%ige Übersicht über alle Bewegungen. Unerwartete Besucher, ich denke hierbei nicht zwingend an die liebe Schwiegermutter, werden live übertragen. Es obliegt dem Eigentümer weitere Schritte einzuleiten. Bei Besuchern mit überwiegend unlauteren Beweggründen können die digitalen Aufzeichnungen allerdings nicht als gerichtliche Beweise verwendet werden. Dem Datenschutz vor einer Verletzung der Persönlichkeitsrechte z.B. rumänischer Jugendbanden sei Dank.

Wenn man sich einmal vor Augen führt, dass aller Ursprung in zwei Dosen und einem Stück Schnur zu finden ist, in nicht einmal einer humanen Generation, dann muss uns vor der Zukunft nicht bange sein. Kreativem Fortschritt ist weiterhin Tür und Tor geöffnet!

 

Kein Scherz: 01. April 2017

 

 

 

 

 

 

 

 

Saisonstart 2017

So früh waren wir noch nie am Start. Gerade Mal Ende März. Aber die Sonne, und die damit verbundenen Temperaturen locken ins Freie! Es ist früh Frühling, meteorologisch und kalendarisch und biologisch noch dazu. Die Bollen fliegen bereits, obwohl der Wind noch böig seinen kühlen Hauch über Natur und DOB wehen lässt (DOB = Damen Ober Bekleidung).

Dieses Jahr beginnt alles anders. Erstens war ein passender Termin recht schnell gefunden, und zweitens fiel die Antwort auf die Frage nach dem bevorzugten Navi kategorisch negativ aus. Ich wollte dem Navigations-Legastheniker erst gar keine Chance auf vage Möglichkeit einer Irreführung geben.

Nota bene: Dem unkundigen Leser empfehle ich an dieser Stelle, zum besseren Verständnis der allgemeinen Orientierungsfrage die Reportagen der Touren des Vorjahres, bzw. des Vorvorjahres!

Wie nicht anders zu erwarten erschien der Sportkollege etliche Minuten vor der vereinbarten Zeit, was aber nicht zwingend auf ausgeprägten Tatendrang und überraschende Frühform schließen ließ. Es war schlicht und ergreifend der seit Jahrzehnten praktizierten Ungeduld geschuldet. Erfahrene Mitstreiter erahnen das damit verbundene Überraschungsmoment und kontern ihn rechtzeitig. Mit anderen Worten: Ich war startklar, als bereits um 09:39Uhr, anstelle der vereinbarten 10:00Uhr, die vertrauten Grußformeln auf der Terrasse erklangen. Trotz kurz zuvor umgestellter Sommerzeit!

Frohgemut traten wir in die Pedale – ohne Falk, G-Punkt und anderen neumodischen Hilfsmitteln. Zögerlich akzeptierte der Technikversessene auf meine soliden, in iks Touren erworbenen, Ortskenntnisse. Zunächst mit gelegentlichen Nachfragen, mit zunehmender Distanz schwand das Mistrauen, ohne die heimlich gehegte Begeisterung erkennen zu geben.

Die Routenwahl basierte auf unvermeidlichen Einschwüngen in diversen Eisbuden und Bäckereien mit vorzüglichem Plundergebäck. Um die forsche Fahrt nicht unnötig zu behindern wählte ich den ersten ernsthaften Stopp nach ein wenig mehr Kilometern. Nur ein kurzes Labsal ließ uns in einer Apfelpause genügend Freiraum unser Rentnerdasein hochleben zu lassen.  Am Dorfbrunnen in Schuttern bestaunten wir einen Mitarbeiter des Bauhofes beim Aufbringen einer wasserfesten Substanz im Inneren des Brunnens. Es wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass aus dem Kupferrohr kein Trinkwasser floss. Diese Warnung war jedoch überflüssig, da der Brunnen ohnehin ausgetrocknet schien. Zumindest für die Zeit der Malerarbeiten.

Die erste geplante größere Rast entwickelte sich in eine Zweistopp-Strategie innerhalb nicht wesentlich mehr als 200 Metern. Bei Plundergebäck, Rhabarberkuchen (ohne Sahne!) und einem Kaffee bandelten wir mit den Damen des Nachbartisches an, die beim Verzehr eines Salates kalorienbewusst auf ihre Figur achteten. Selbst die Bedienung (weiblich) erkannte uns augenblicklich als weitgereiste, sportliche Fahrensleute und zwang uns in einen unverbindlichen Wortwechsel. Sicher ein ordentliches Trinkgeld vor Augen.

Nach Verrichtung der Notdurft ging es flugs weiter in die ca.200Meter entfernte Eisbude. Während andere Sportskollegen vier Kugeln in Windeseile verschlangen, reduzierte ich mein Verlangen auf gerade einmal drei Köstlichkeiten. Und noch bevor ich mich dem Genuss der knusprigen Eiswaffel hemmungslos hingeben konnte, war auch schon der zweite Eisgang vollendet. Dafür meine Hochachtung!

Als nächste kulinarische Ziele schlug ich die bekannten Eisbude in Grafenhausen bzw. Rust vor. Allerdings wären hier weitere 15 – 20 Kilometer Strecke zu bewältigen gewesen. So fiel die Entscheidung über die anstehende Route einstimmig – also nur mit einer Stimme – für eine kürze Variante aus. Fürs Erste sollte es genug sein. Die Anzahl der konsumierten Eiskugeln erfüllte ja bereits die untere Normgrenze, sodass uns auch keine Repressalien drohten.

Die verbleibenden gut zehn Kilometer radelten wir gemütlich und einträchtig zurück zu Start und Ziel. Die Sonne hatte es gut gemeint, der Weg wurde, bis auf eine Handvoll Meterchen, und gänzlich ohne technische Krücken, fehlerfrei bewältigt. Neue Ziele wurden fixiert, Pläne geschmiedet, Termine wage festgezurrt. Die Radsaison war erfolgreich gestartet.

Ach ja: 47 Kilometer, 2 ¾ Stunden reine Fahrzeit. Pausenzeiten bleiben unberücksichtigt. Summa Samarium: Ein Apfel, zwei Rhabarberkuchen, ein Kirschplunder, ein Stück Blechkuchen, insgesamt neun Kugeln Eis, zwei Kaffee, due Espressi, zwei Liter Wasser (Medium).

Alles am Dienstag, den 28.März 2017

Abseits

Abseits aller gut bürgerlichen Gemeinschaften gedeihen real existierende Lebensformen der besonderen Art: Profifußballer. Sie leben in teamorientierten Gruppen Gleichgesinnter, mit erstaunlich identischen Verhaltensmustern. So entwickelt sich der Hubraum ihrer Autos in der Regel diametral zum IQ. Was durchaus zur Bewältigung ihrer geistigen Anforderungen angemessen erscheint. Bis auf die Abseitsregel sehen sie sich selten mit anspruchsvolleren Aufgaben konfrontiert. Zur Sicherheit werden sie von gründlich ausgebildeten Referees auf die Missachtung der Abseitsregel hingewiesen. Fähnchenwinken in Schulterhöhe und der fangebrülldurchdringende Pfiff des Oberreferees sorgen jeweils für klare Verhältnisse. Trotzdem lassen die so Gemaßregelten es sich nehmen die Geschulten auf einen wo möglichen Irrtum gestenreich hinzuweisen.

Neben Kondition und überdurchschnittlichem Geschick mit den Füssen stellen sie gutgemeinte Fragen von Sportreportern hin und wieder vor schier unlösbare Situationen. Um sich aus diesen Sackgassen einigermaßen geschickt zu befreien, werden sie von den cleveren Vereins- und Verbandsmuffties in kamera- und mikrofongerechtem Verhalten geschult. Rhetorisch brillieren sie fortan mit einer Handvoll mühsam erlernter Standardsätze. Diese gilt es nur noch in zu den Fragen analogen Reihenfolgen von sich zu geben. Was mittlerweile ordentlich gelingt. Im Prinzip könnten sich die Reporter alle Fragen auch gleich selber beantworten, denn es sind ohnehin grundsätzlich die identischen.

Dem Fachgebiet entsprechend, gibt es außer der Abseitsregel weitere Fachbegriffe, die von den ersten Jungendmannschaften an Gültigkeit ihre haben. Es gibt den Sechser, manchmal auch zwei. Der kann z.B. aber auch die Rückennummer 10 tragen. Nur der eine Sechser natürlich! Jeder Spielermuss zur Unterscheidung eine eigene Rückennummer haben. Ausputzer produzieren gelegentlich Elfer, ihre Gegenspieler gerne Schwalben. Benannt nach Ian Robben, der den Begriff des fliegenden Holländers häufig zu wörtlich nimmt, und schwalbengleich durch den Sechzehner fliegt. Wenn es im Fußball eine B-Note gäbe, wäre ihm ein Platz unter den Besten der Besten sicher! Anmerkend sei gesagt, dass der Begriff des Vollpfostens kein offizieller Sprachgebrauch ist. Bei Unkundigen führt auch der Begriff „Letzter Mann“ nicht selten zu verwirrenden Interpretationen. Z.B.: Heißt dies nun, dass danach nur noch Frauen spielen dürfen?

Absolut identisch gestaltet sich auch die Wahl der Lebensabschnittsgefährten. Hier rangieren die Model unschlagbar auf der Polposition. Bis sie als Staffage der Kicker ihr Leben ausrichten müssen, durften sie die Roben der Haute Couture kostenlos tragen. Einmal gefreit tragen sie die gleichen Hüllen – nur dürfen sie dafür jetzt bezahlen. Ein Seitenblick auf eine nicht minder überbezahlte Sportart sei gestattet: Bei den Tennisspielerinnen möchte der überwiegende Teil nach dem aktiven Sport als Designerin verwirklichen. In Ausnahmen allerdings auch als Schauspielerinnen -oder gar beides. Aber das wirklich nur ganz nebenbei.

Zurück zu den uniformen Verhaltensmustern. Mit der Vollendung des dreißigsten Lebensjahres breitet sich ein innerer, biologisch nicht aufhaltbarer Wunsch drastisch aus: Man muss eine Biographie schreiben – lassen. Schließlich müssen die Verdienste (nicht die monetären!) der Nachwelt erhalten bleiben. Gut, der Horizont beschränkt sich bei den meisten höchstens auf die Strafräume der Republik. Bei Verteidigern bzw. Stürmern selbstverständlich jeweils aus unterschiedlichen Beweggründen. Logisch! Trotzdem gelingt es immer wieder jungfräuliches weißes Papier mit Nichtigkeiten zu füllen. Es soll sogar Menschen geben, die diese Pamphlete erwerben. Ob sie auch gelesen werden bleibt uns ein Buch mit sieben Siegeln.

Aus Abseits verdächtiger Position am 25.März 2017

Talkshows

Ach, was wären doch die gemütlichen Fernsehabende ohne die allseits beliebten Talkshows? Beliebt bei allen Sendern, weil es budgetfreundliche, teils billige Produktionen sind, denen es an Themen und Teilnehmern nie mangelt. Gut, man kann sich an der Bezeichnung stören, die in unserer Muttersprache besser Sprechschau oder Sprechrunde oder gar Brechrunde heißen könnte. Kaum ist die Erkennungsmelodie verklungen, wird anmoderiert. Bereits die Mimik der Mode-Ratorinnen lässt die Wichtigkeit des Themas für die Menschheit erahnen. Lanz nimmt das Ganze dagegen ein wenig lockerer, und man kann ihm sogar einen gewissen Esprit unterstellen, lässt allerdings selten jemanden aussprechen. Was jedoch nicht sonderlich den Inhalt stört. Johannes B. Kerner vereint beide Eigenschaften in sich: Der weltmännische Gesichtsausdruck, die Betonungsdichte seines Geschwalles und die Selbstherrlichkeit seiner Gestik. Wer zu Wort kommen möchte, der muss schon strategisch geschickt eine Atempause erwischen.

Wie der Name schon zu erkennen gibt, sitzt die Gruppe der Themenbeleuchter in einer Runde – der Talkrunde. Manchmal habe ich den Eindruck, sie wandern nach Maischberger zu Illner, und später am Abend noch zum Lanz. Ausnahmen gibt es nur in den Sportsendungen, die eigene Experten-Zirkel nutzen in denen dann Kapazitäten wie Loddar und unser allgegenwärtiges Bobbele ihren überflüssigen Sermon beitragen. Aber irgendwie müssen sie ja ihre Exen und Unehelichen etc. vergüten. Hätten sie lieber besser verhütet statt vergütet!

Zurück zur Runde, denn die Talkrunden hiesse nicht Talkrunde, wenn sich nicht auch die fachkundigen Aussagen im Kreise drehen würden, bzw. gutgemeinte Räte die Runde machten. Bewundernswert, wie nichtssagende Statements immer wieder in einer neuen Fassung dramaturgisch einwandfrei vorgetragen werden können. Nur einer gibt sich keine große Mühe: B.Scheuert leiert seine Hasstieraden gegen alle und alles, was nicht CSU-like ist, gebetsmühlen-artig herunter. Vollhorst wird’s ihm schon eingeflüstert haben. Damit sind wir auch schon bei der gerne genommenen Auswahl der Experten. Allen voran sei die Schar der Politiker genannt. Dicht gefolgt von allerlei Lobbyisten und Verbandsprofis. Hier kann man aus einem schier unerschöpflichen Arsenal alle Arten sogenannter Spezialisten rekrutieren Zu guter Letzt Journalisten, Dichter, manchmal auch Denker, Autoren und Musizierende die ihre Neuheiten anpreisen. 0hne Zweifeln bereichern gelegentlich Menschen mit außergewöhnlichen, atemberaubenden Erlebnissen die Runde, meist mit ergreifenden Abenteuern. Selbstverschuldeten oder überraschenden, Hauptsache sie passen irgendwie zum aktuellen Thema.

Sezieren wir die verbalen Absonderungen der Runden, dann kommen wir unter dem Strich zum gleichen Resultat: Irgendwer ist immer schuld. Egal wer was sagt oder tut – wir sind dagegen! So, wie beim Fußball: Erst nach der Blutgrätsche folgt die gelbe oder rote Karte. Dabei erweist sich die runde Startaufstellung wiederum als sinnvoll, weil sich die Probanden viel leichter gegenseitig auf die Schultern klopfen können. Quasi eine Art Belobigungspolonaise im Sitzen. Aber das nur nebenbei. Besonders beliebt sind auch apokalyptische Szenarien. Wenn sich die entspannungssuchenden ahnungslosen Zuschauer um seine Zukunft betrogen fühlen, dann herrscht Frieden in der Redaktion. Sorry, dass auch hier wieder B.Scheuert als alles überstrahlendes Beispiel gepriesen werden muss.

Als ich vor wenigen Tagen, von der Mühsal des Tages ermattet, auf dem Sofa eingeschlafen bin, da war die Mattscheiben-Welt noch in Ordnung. In meinen Träumen diskutierten Amelie Fried, Roger Willemsen und Elke Heidenreich mit er- und belesenen Gästen. Man hatte was zu sagen, und hörte aufmerksam zu. Doch dann kam das böse Erwachen: Unmittelbar vor Augen Johannes B. Das logisch folgende Kopfkino hielt, über das Einschlummern hinaus, Einzug in meine Träume. Eine unruhige Nacht. So hart kann das Leben sein

An einem regnerischen Montag, dem 06. März 2017

Wenn die Tulpen teurer werden.

In diesem unserem Lande haben sich im Laufe der Jahre seltsame Bräuche eingeschlichen, da muss man sich echt fragen: Geht es eigentlich?

Neben dem grotesken Halloween möchte ich hier und heute nachträglich auf den Valentinstag zu sprechen kommen. Ein Schelm wer glaubt, dass Karl Valentin seine Finger im Spiel hat. Mit Nichten. Einzig und allein die Holländer sind schuld! Aber sie werden schon sehen, was sie davon haben!

Betrachten wir einmal die Auswirkungen im Detail. Tausende von männlichen Homosapiens stürmen an besagtem Tage nach Feierabend in die floristischen Outlets der niederländischen Blumenzüchtermafia. Umwege, in der Regel mit dem Auto, bedeuten jedoch einen Mehrverbrauch endlicher Rohstoffe, sowie ein Mehrausstoss schädlicher Abgase. Die Abgase sind es auch, die der Umwelt zu Leibe rücken. Eine süße Alternative zum Sträusslein sind Herzen aus Schokolade, die der Liebsten dasselbe höher schlagen lassen sollen. Einerseits des Umweges wegen, andererseits der Abgase der Rindviecher wegen, die für die Herstellung von Schokolade öfter gemolken werden müssen, und sich, für die erhöhte Produktion, Platz im Inneren verschaffen müssen. Klar, auch die Versorgung der Outlets selbst zieht an diesem überflüssigsten aller „Feiertage“ zusätzliche Transportkapazitäten nach sich. Mit den bekannten Folgen.

Da wir gerade bei den Folgen sind: Für die Erfinder des schnittfesten Wassers (Tomaten!), haben diese Exzesse exorbitante Folgen. Die globale Klimakatastrophe macht vor ihren Deichen nicht halt. Schmelzen dann die Pole weg, ist im Deich ein riesen Leck! Die Nieder-Lande werden geflutet! Ok, sie können dann kein Fußball mehr spielen, aber das konnten sie bisher ja auch nicht wirklich. Jedenfalls steht den Tomaten- und Tulpenzüchtern schon bald das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals. Und so viel Wasser kann selbst ein erfahrener Grachtenrutscher in kürzester Zeit nicht schnittfest machen! Da wir ihnen auch kein Wasser abkaufen, sondern eben Tulpen und Gurken und so, ist da in naher Zukunft kein Land mehr zu sehen. Für innige Liebesbezeugungen sollten wir also wieder auf sinnliche Streicheleinheiten zurückgreifen. Sie erwärmen das Gemüt und kühlen die Kappen. Sie sind erheblich preiswerter und erfüllen unter anderen Umständen sogar bevölkerungspolitisch einen belebenden Zweck.

Wie sagte Karl Valentin doch so treffend: Früher war die Zukunft aber auch besser!

Valentinstag 2017

Ostern, kannste den Hasen geben!

Die Heiligen Drei Könige haben soeben den Kalorien-Bomben Terror ohne Gewichtsverlust überstanden, und sahen sich wieder einmal keinen Angriffen der Gleichstellungsbeauftragten ausgesetzt. Selbst Alice Schwatzer wurde nicht von Schokoladen Nikoläusen angetanzt. Diese jedoch fanden sich kurzer Hand in der Ramschecke der Kassenzone wieder. Ihnen zur Seite standen die Original Dresdner Christstollen. Die weltweit agierende Handelskette “Sale“ schleuderte sie zu Dumping-Preisen auf den Markt. Ein unchristliches Ende der besinnlichen Zeit.

Neue Kollegen machen sich im Renner-Areal breit. Hasen und Hühnchen stehen sorgsam aufgereiht zwischen Kühltheken und Kassenterminals. Unerfahrene Rentner verlieren sich gerne zwischen den mannshohen Hasentürmen. Erschöpft, abgemagert aber glücklich werden die meisten von ihnen gefunden und zurück in den Schoss ihrer Familien gebracht. Die Fastenzeit war nicht gerade hilfreich für eine baldige Genesung. Beim nächsten Einkaufsbummel wird Opa mit einem mobilen Navi ausgerüstet. Auch der Akku des Notfall-Telefons wird auf Funktion überprüft. Hiermit wird bei Verlust automatisch eine digitale Nachricht durch den chryptischen Tunnel an die Kassenterminals gesendet, die umgehend eine Lautsprecher-Durchsage zwischen die Verbraucher-Informationen quatscht: „Der rüstige Rentner Willi kann an der Käsetheke abgeholt werden!“

Ostern ist aber auch nicht mehr das, was es einmal war. In glorreichen Zeiten von Knickebein-Eiern wusste man als Kind genau, wonach man suchen musste. Ein paar neue Kniestrümpfe waren das Highlight der Hasenjagd. Bei schlechtem Wetter durfte sie jedoch noch nicht getragen werden – erst das nächste Hoch erlöste sie aus der Warteschleife.

Ostern, das war auch die Zeit der neuen Fahrräder. Alle paar Jahre, wenn die Kniescheiben sich an der Lenkstange des alten Rades abgearbeitet hatten, stand ein neues Rad ins Haus. Nicht 24 Gänge, nein 3 waren das Oberste der Gefühle. Wenn überhaupt. Der Rahmen selbstverständlich vorausschauend zwei bis drei Nummern auf Zuwachs geplant. Bei den Jungfernfahrten musste nicht selten ein Bein unter der Querstange seinen Dienst antreten, bis sie schließlich lang genug waren, um aus den Höhen des Sattels heraus die Pedale zu erreichen. Pflaster für maledierte Schienbeine und Knie hatten Hochkonjunktur. Freihändiges Fahren führte gerne zum Verlust der Vorderzähne. Da es altersbedingt bereits die Zweiten waren, hatte es leider sehr nachhaltige Auswirkungen. Bei Opa Willi an der Käsetheke sähe dies hingegen durchaus freundlicher aus.

Kaum haben sich die letzten Staus auf der A5 aufgelöst, drängen die Pfingstochsen in die freien Gänge bei Real, Edeka, Netto, Aldi etc. Herr Sale befestigt neue Preisschilder an den geschlechtsneutralen Hasen und Hühnchen. Nimm drei, zahl zwei. Bleibt die Frage aller Fragen: „Wie erkläre ich es meinem Weight Watcher?“

Aschermittwoch

Frohe Kunde im Lande: Die Narren haben ihre Schuldigkeit getan. Leider nicht alle. Wenn man die Tageszeitungen aufschlägt, sind die Seiten voller Verrückter. Es dominieren partiell natürlich die Hästräger, aber die Anzugträger gewinnen zusehends wieder die Oberhand. Sie sind im realen Leben leider nicht am Aschermittwoch zu begraben, oder als Hexen zu verbrennen. Der Wunsch bleibt Vater des Gedanken.

Paradox, dass sich sogar in der sogenannten fünften Jahreszeit die Narren über die Narren lustig machen, und die Narren über die hintergründigen Witze und Zoten der Narren lachen. Der Unterschied zwischen Narren und Narren ist folgender: Die wahren Narren müssen wir nur über einen definierten Zeitraum ertragen. Sie sind nach einem genauen, festen Zeitplan verrückt. Sie tragen Strumpfhosen und rote Schühchen (wie der Papst!), trinken unmäßig Alkohol, hopsen wie aufgezogene, trommelnde Spielzeughasen herum, quälen uns mit mehr oder weniger gelungenen Reimlingen, schneiden den Anzugträgern die Krawatten ab, plärren merkwürdige Schlachtrufe, ziehen mit Händen auf den Schultern der Vorderleute durch Gemeindehallen, und bewerfen sich mit bunten Papierschnipseln. Ist der Spuk vorüber werden Heringe gegessen und anschließend gefastet.

Die dauerhaften Narren erhöhen erst einmal ihre Diäten, kaufen sich neue Krawatten, ihre Büttenreden reimen sich nicht – man kann sich sogar keinen Reim darauf machen. Sie sind inhaltslos und man kann so gar nicht darüber lachen. Manchmal wünsche ich mir, dass sie lieber auch eine Polonaise durch Bundestag und Europarat veranstalten, dann wären sie wenigstens sinnvoll beschäftigt. Achtung: Kopfkino! Jetzt, so kurz vor den Wahlen werfen sie anstelle von Kamellen verbal virtuelle Steuergeschenke unters Volk. Irgendwie auch olle Kamellen. Aber diese Drops sind wieder schnell gelutscht. Wenn am Wahltag die Lokale schließen hat jeder gewonnen, und die Steuergeschenke waren eben nur Versprechen. Kann ja mal passieren. Kommt erst in vier Jahren wieder vor. Versprochen!

Spontan kommt mir ein Gedanke: Könnte man nicht die beiden Narrengruppen gegeneinander austauschen? Mal auf Probe! Wäre doch einen Versuch wert. Die einen könnten so viel Blödsinn reden wie sie wollen, und die anderen sind ja ohnehin schon in den Rathäusern. Man könnte anstelle der PKW-Maut eine Maut auf die Polonaisen erheben. Ein kräftiges Prost auf eine Promille-Steuer. Schlechte Reimlinge sollten mit Haft in einem Narrenkäfig geahndet werden. Das Dreigestirn wird für sondierende Gespräche in die USA, die Türkei, nach Ungarn und Polen entsandt, um den größten Narren den Orden „Wider den demokratischen Ernst“ zu verleihen. Alle Lobbyisten sollten an den Pforten des Bundestages Lollies statt Zuwendungen verteilen. Ach, wie schön könnte der politische Alltag doch sein! Buntes Treiben statt grauer Tristesse. Hästräger statt Hosenträger. Papierschlangen statt Papierstapel. Motivwagen statt Dienstwagen. Törö statt Trara.

Nun kommen wir wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Schade. War gerade so schön im Flow. Saure Herringszeit ist angesagt. Wenigstens verschwinden die Pappnasen aus der Presse. Jetzt bleiben uns nur noch die anderen Narren. Hm.

Obwohl, uns beglückt ja gelegentlich eine weitere Gattung von Maskenträgern. Die selbsternannten Prominenten. Auf dem roten Teppich zum Oskar ließen sie sich bestaunen wie die Affen im Zoo. Magersüchtige Damen, zum Teil in Naturdarm gepresst, wandeln auf dem Catwalk der Eitelkeiten. Ein wahres Botoxfestival. Ein Schaulaufen für Silikonprodukte vorn und hinten. Garantiert unbiologisch gehaltene, freilaufende Klamottenständer aus natürlich nachwachsenden Rohstoffen. Hofnarren der Verblödungsindustrie. Hofiert von vernarrten Fans und Sponsoren.

Uns bleibt aber auch nichts erspart. Narri!

Aschermittwoch 2017

 

 

Integration Zwo Punkt Null

Wenn ich das leidige Thema noch einmal unter Fittiche nehme, dann aus einem guten Grund: Es sind zu viele Emotionen im Spiel! Man sollte, bei aller Empathie, nicht von Gefühlen leiten lassen, sondern sollte den Verstand walten lassen. So, wie es eigentlich schon in dem Begriff enthalten ist: Integ-ratio-n.

Mathematisch betrachtet treffen sich Parallelen im Unendlichen. Warum können sich dann nicht Parallelwelten auch irgendwann, irgendwo treffen? Die deutsche Nachkriegsgeschichte lehrt uns ja erste Erfolge. Die Italiener gehören ohne Zweifel zu unserer Kultur. Man mag sich erinnern, dass sie es waren, die uns Spaghetti, Pizza und Co. mit- und beigebracht haben. Es ist also keine typisch deutsche Hausmannskost!

Was bei den Italienern so vorbildlich gelungen ist, hapert bei den Bayern leider ganz bedenklich. Haxen und Knödel sind zwar eine willkommene Bereicherung des Speisenplanes, allerdings lässt die soziale Kompetenz doch sehr zu wünschen übrig. Hier driften die Kulturen nach wie vor ordentlich auseinander. Mit viel Zuwendung und dem Willen auch mal ein Auge zuzudrücken halte ich die Chancen auf Eingliederung durchaus weiter für gegeben.

Bei den weiteren Parallelwelten sehe ich größere Aufgaben für viele Generationen. Beispielsweise haben wir in einem zarten ersten Schritt den Döner akzeptiert. Natürlich müssen wir den gesamten Verdauungstrakt anpassen. Die Darmflora wird jedoch in den kommenden Wachstumsperioden evolutionäre Entwicklungen vollziehen, um länger Abgehangenes kurzfristig besser zu verdauen. Ähnlich wie bei den Bayern wird die soziale Einbindung noch erhebliche Anstrengungen erfordern. Hier treffen kulturell weit auseinander gelebte Welten aufeinander. Wie man alles unter einen Hut, bzw. ein Kopftuch bekommen soll ist  eine offene, ungelöste Frage. Dass kann der Döner in einer Generation kaum kitten.

P.S.: An dieser Stelle kann ich mir, auf Grund aktueller politischer Ereignisse, diese Interpretation nicht länger verkneifen: Wer in diesem unserem Lande seinen wirtschaftlichen Wohlstand erarbeitet, und unsere freiheitlich rechtliche Gesellschaft genießt, aber hier diktatorische Idioten, Chaoten und Despoten bejubelt, die genau diese Freiheiten missachtet, die sollen umgehend ihre Alditüten packen und aus unserem Land verschwinden! So schnell, und so weit wie möglich! Aber alle! Sofort!

Was ursprünglich als kleinste Herausforderung prognostiziert wurde, erwies sich im Nachhinein als eine Sisyphus-Aufgabe. Um den plötzlichen Deutschen eine nahtlose, harmonische Integration zu ermöglichen, drückten ihnen unsere Politiker reichlich

Euro in die Hände. Diese Weitsicht sollte sich schon bald als gewinnbringende Investition erweisen. Bereits bei der nächsten Wahl zahlte es sich aus – die Stimmen der Aussiedler wanderten zu Gunsten der Gebenden in den Urnen. Doch wir leben in einer Demokratie in der Wahlen frei und geheim sind. Unheimlich jedoch die jähe Wende der o.g. Ankreuzenden. Sie entschieden sich radikal gegen ihre Gönner, ignorierten die ganzen monetären Wohltaten, und stimmten, überraschend untereinander abgestimmt, für einen rückwärtsgewandten Pöbel. Ungeahntes Leben war in der Parallelwelt herangewachsen, unbemerkt, oder als nichtig erachtet. So kann es gehen! Gleich den Gästen vom Bosporus, verbindet die plötzlichen Deutschen die Linguistik. Beide sprechen perfekt eine Fremdsprache! OK, in der Muttersprache tun sich erhebliche Defizite auf. Auch bei den kulinarischen Spezialitäten konnte sich bisher, außer dem Wodka, kein Gericht signifikant etablieren. Obwohl sie uns den Genuss des Selben eindrucksvoll vorleben, will sich das erfrischende Getränk in unseren Breitengraden nur in kleinen Schlucken dosiert einverleiben.

Es gibt da noch eine „Gruppe“ von Menschen, die in unserem Land Schutz sucht. Schutz vor Unversehrtheit und dem Leben. Die sind uns herzlich willkommen! Ihre Beweggründe sind redlicher Natur. Sie sollten wir integrieren und nicht die, die aus niederen Beweggründen in unserem freiheitlichen Rechtsstaat schmarotzen, und unsere demokratische Überzeugung ausnutzen, um für ihre menschenverachtenden Systeme zu werben. Was ist aus unserer Welt geworden? Eine Welt in Freiheit, Wohlstand und Frieden. Was haben unsere  Politiker versäumt, respektive aus Selbstzweck offensichtlich sogar gefördert, um uns alle in eine derart desolate Unwelt zu manövrieren? Sie müssen sich nicht wundern wenn sich Parallelgesellschaften bilden und Populisten Macht gewinnen. Tut etwas dagegen.

Sonntag, 05. März 2017

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