scharfsinnig - unsinnig - kurzweilig

Autor: Armin (Seite 29 von 30)

Gedopt sei, was hart macht!

Noch einhundert Tage bis Olympia. In mir keimt sofort der olympische Gedanke auf: Nicht gewinnen, dabei sein ist alles! Doch ich wäre nicht ich, wenn ich nicht an der Redlichkeit des Gedankens zweifeln würde. Allerlei Berichte von investigativen Reportern geben uns ja auch berechtigten Anlass zu kritischen Gedanken.

Nicht dass ich etwas gegen den Russen an sich hätte, aber die Frage sein erlaubt: Wer kennt einen russischen Spitzensportler, der nicht gedopt war oder ist? Sogar über fünfzig Prozent der russischen U-18 Eishockey Mannschaft ist überführt worden. DieU-18! Wahrscheinlich bekommen sie bereits mit der Muttermilch automatisch die entsprechenden Wachstumshormone zugeführt, wenn Mama auch eine Aktive war. Der kümmerliche Rest der Zöglinge wächst in Arbeitslagern auf. Oder so.

Die erste Goldmedaille hat sich Adidas schon hundert Tage vor der Eröffnungsfeier selbst um den Hals gehängt. Alle Teilnehmer und Funktionäre werden natürlich komplett eingekleidet. Insgesamt 75 (in Worten fünfundsiebzig!) verschiedene Teile stehen zur Auswahl. Von Fliegengewichtlern bis Superschwergewicht für 450 Athleten und die 300 unvermeidlichen Funktionäre. Ohne die funktioniert ja nix! Schwarz – rot – goldene Fummel für immerhin über neun Millionen Euro. Wenn das Adolf Dassler noch hätte erleben dürfen! Das bedeutet rein mathematisch, das zusammen 450 Aktive plus 300 Passive für durchschnittlich 12.000,-€ / Person Sportkleidung in Rio tragen. Mein lieber Mann, da klingelt in Herzogenaurach aber ordentlich die Kasse! Sicher sind die goldenen Lack-Schühchen mit originalem Blattgold belegt. Gott sei Dank hat man sich für goldige Lack-Schühchen entschieden, und nicht für rote. Damit bleibt für den Papst eine gewisse Exklusivität. Offen ist die Sorge, ob nicht Erdogan Ansprüche anmeldet! Mal Mutti fragen, sie wird sie ihm ja wohl putzen dürfen!

Mit großer Show wurden die Klamotten präsentiert – schon hier wird der olympische Gedanke zur Klamotte. Ich kann allerdings nicht verbindlich bestätigen, ob die Präsi-Kosten in den neun Millionen enthalten sind. Wohl eher nicht. Denn hier verdient ja logisch ein anderer. Die Kosten hätten sicher auch dem Breitensport gut zu Gesicht gestanden. Oder, alternativ, den medizinischen Laboren, um den Dopingfahndern ein paar Schritte voraus zu sein. Damit auch ein paar bessere Chancen auf ein paar mehr Plätzchen auf den Treppchen.

Irritiert bin ich auch von dem Begriff „Outfit“. Sind die Klamotten nun out und die Olympioniken fit? Oder gar umgekehrt? Aber, wie der olympische Gedanke ja nun impliziert, geht es ja ums dabei sein. Hahaha! Scherzle gemacht. Unsere Siegeschancen reduzieren sich lediglich auf die Disziplinen, in denen Russen oder Chinesen oder Kenianer oder was weiß ich, vor Kraft nicht mehr laufen oder springen können. Oder sich erwischen lassen. Nun engagiert sich der deutsche Präsident des Olympischen Komitees ja mit aller Kraft für eine Teilnahme der flächendeckend gedopten Russen, dass spätestens hier der olympische Gedanke endgültig den Bach runter geht.

Und so freuen wir uns alle auf Olympia. Sind stolz auf die deutschen Medaillengewinner, wundern uns über die Athleten von denen man sich aber mehr erwartet hätte und hängen den Funktionären an den Lippen, wenn sie in ihren 12.000,- € wertigen Adidas-Klamotten sowohl Erfolge loben, als auch Misserfolge rechtfertigen. Hoffen wir mal, dass in den chinesischen und bangladeschigen Konzentrations-Nählagern die 75 verschiedenen Outfits rechtzeitig fertig werden. Sonst wird Adidas ein Streifen aus dem Logo gestrichen.

Zu guter Letzt noch eine weitere wirtschaftliche Betrachtung. Bei 38 – 68 zu erwartenden Medaillen sind es im Schnitt 53. Ergo kostet uns (wen eigentlich?) jede Medaillier im Schnitt 169.811,32 €. Logisch, dass jede unerwartete Medaillier den Break even Point drastisch senkt. Hatte ich etwa vergessen zu erwähnen, dass die Kosten für die deutsche Equipe mit An- und Abreise, Aufenthalt etc. nicht mit den neuen Millionen gedeckt sind. Aber das wäre ja kleinlich, und zu kurz gesprungen.

  1. April 2016

Ihr Kinderlein kommet!

Eines der ungelösten Fragen der Menschheit ist die unbefleckte Empfängnis der Jungfrau Maria. Wie haben wir uns dies vorzustellen? Eine unbefleckte Empfängnis setzt medizinisch nicht zwangsläufig die Jungfräulichkeit voraus – das soll aber nicht Thema dieses Versuches einer subjektiven Betrachtung sein. Konzentrieren möchte ich mich lieber auf den reinen Akt der virtuellen Befruchtung.

Gott Vater, als Vorbeter der Heiligen Dreifaltigkeit, hat im Jahre Null seinen Sohn zu den Menschen geschickt, um sie zu erlösen. Sicher standen ihm derzeit die Möglichkeiten per UPS oder DHL nicht zu Verfügung, und die Mär des Klapperstorches war schon damals höchst umstritten. Man entschied sich bekanntlich für eine Leihmutter. Ob man sich einvernehmlich entschied ist selbst vom Vatikan nicht überliefert. Mit der Entsendung des Sohnes, und seinem hehren Auftrag, war diese Sünde ja bereits automatisch mit abgegolten. In wie weit das Austragen fremder Föten für soziale Zwecke rechtlich einzuordnen war, ist heute müßig. Obwohl es ethisch und moralisch doch sehr zweifelhaft war, wird es sich die Dreifaltigkeit sicher gründlichst überlegt haben. Welches Mitspracherecht der Sohn für seine eigene Reproduktion hatte (Befangenheit) bleibt ebenso im nebulösen, wie die eindeutige Anerkennung der Vaterschaft. Wer letztlich die virtuelle Befruchtung vollzogen hat….? Auszuschließen ist sicher Jesus selbst. Warum sollte der Sohn sich selber zeugen? Hier stellt sich nicht nur die medizinische Frage der Inzucht. Bleiben der Vater und der Heilige Geist. Und, ob ein Geist überhaupt zeugungsfähig ist, sei dahin gestellt. Auf jeden Fall: Auch Josef ist raus! Jedenfalls musste er auf die Freuden der Begattung verzichten. Was ihm allerdings die Stiefvaterschaft nicht ersparte. Im Gegenteil.

Gegen Ende des Jahres Null wurde also der Sohn geboren, was nicht nur zweidrittel der Dreifaltigkeit freute. Esel, Ochse und drei Könige sind auf jeden Fall aktenkundig. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass Neider sehr skeptisch auf den neuen Erdenbürger schauten. Mit, wie wir heute wissen, schwerwiegenden Auswirkungen auf seinen Lebensweg. Dies lief allerdings alles planmäßig, wenn man sich die o.g. Ausgangslage noch einmal vor Augen führt. Jesus wuchs, im Gegensatz zu den Generationen seiner Stellvertreter auf Erden, ärmlich auf. Im Laufe seines Heranwachsens scharten sich Jünger um ihn, die durchaus auch älter als er sein durften. Leider schlich sich in diese Gruppe von Aktivisten auch ein Maulwurf ein. Ihm war schließlich vorbehalten den göttlichen Plan zu vollenden.

Ohne Große Verzögerungen verlief schließlich die Erlösung der Menschheit. Der Tod hätte sicher humaner ausfallen dürfen. Doch unmittelbar nach der Wiederauferstehung fuhr der Sohn in den Himmel auf – die Dreifaltigkeit war wieder komplett. Gott sei Dank gab es zu dieser Zeit die Deutsche Bundesbahn noch nicht, sonst wäre der Zeitplan garantiert ordentlich ins Stocken geraten. Und natürlich ist dem Herrn auch ein Streik der Lufthansa erspart geblieben. Und da den himmlischen Herrscharen nach dem alten Testament kein Streikrecht zusteht, verlief der Transfer wie geschmiert. Ob wir dann heute womöglich auf einen Brückentag hätten verzichten müssen, bleibt deshalb Makulatur.

Aus der Jungfrau Maria wurde die junge Frau Maria. Irrtümlicher Weise hat sich der korrekte Begriff bis heute nicht nachhaltig durchgesetzt. Sei´s drum.

Zu erörtern wäre noch, wie kommt der Begriff Dreifaltigkeit zu Stande? Haben die Drei Falten? Oder haben sie drei Falten? Oder falten die Drei drei Falten? Wenn ja, wen oder was? Es kann natürlich auch sein, dass es was mit der Krümmung des Raumes zu tun hat. Da ist ihnen Einstein ja bekanntlich auf die Schliche gekommen. Mir bleibt es bisher verborgen. Wir wissen ja, dass es sich bei Gott, Göttern, Götzen und dergleichen generell um Glauben handelt. Und Glauben ist nicht Wissen.

Kurz vor besagter Niederkunft anno 2016

 

 

Jahresrückblick 2016

Präambel  

Zwanzigsechszehn war ein ganz typisches Nicht-Priemzahl-Jahre. Siehe folgenden mathematischen Beweis: Die Quersumme von zwanzigsechszehn ist neun, und damit durch drei teilbar. Ergo: Eine Priemzahl! Und selbst die mathematisch nicht dokumentierte Errechnung meiner individuellen Quersumme ergibt das gleiche Resultat: Zwanzig plus sechzehn ist sechsunddreißig. Geteilt durch drei ist zwölf, wieder geteilt durch drei ist vier. Ergo: Auch eine Priemzahl. So einfach kann Mathe sein! Zwanzigsechzehn war aber auch ein Schaltjahr. Und Schaltjahr ist Kaltjahr! Was gab es sonst noch Erwähnenswertes? Die Russen dopen und bomben nach Belieben. Die britische und amerikanische Jugend verschlief ihre Zukunft zu wählen. Das Erwachen war unerwartet hart. Bei der FIFA und UEFA wurde ein Eigentor nach dem anderen geschossen. Gesiegt hat die Raffgier. Mutti macht´s noch mal. Weitere Rolle rückwärts für die Maut. Neue CD von den Rolling Stones. Die sind einfach nicht zu stoppen. Bittere Überraschung: Auch Helden müssen sterben. Der fidele Castro. Unter einem Türken versteht man eigentlich einen Dummy. Realer Beweis regiert in tausend Zimmern. Aber wenden wir uns nun von den besonders tragischen Fällen den erfreulicheren zu. Zwanzigsechzehn war nicht nur zum Vergessen.

 

 

Januar

Den Reproduktionen hatte man im vergangenen Jahr ordentlich die Flötentöne beigebracht. Eltern und Grosseltern konnten stolz auf ihre Nachkömmlinge sein. Sie bliesen auf Weihnachtsmärkten und Neujahrskonzerten auf Teufel komm raus. Jetzt verschwindet das Hohner „C“ Holzblasinstrument  mit den acht Löchern vorerst wieder in ihrem Velour-Säckchen. Zur großen Erleichterung aller Tinitussen. Auch die letzten Glühweinbuden fanden in unbeheizten Lagerhallen ein trockenes Plätzchen für den Sommerschlaf.

 

Februar

Valentinstag. Wie bemerkte Karl Valentin schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts: „Früher war die Zukunft aber auch besser.“ Übrigens wurde besagter Freier-Tag von den Niederländern erfunden, um ihre Treib-Häuser aus zu Lastern.

Allerlei süße Herzen verlassen die Conchen, werden mit Zellophan umhüllt, und sind die Schlager an den Kassen. Fasten wurde auf später verschoben.

 

März

Panik in den Verbrauchermärkten. Noch immer ist es der Industrie nicht gelungen stapelbare Osterhasen zu entwickeln. Sie blockieren in pappenen Stoppern nach wie vor den Zugang zu den Kassen. Güldene Küken rangieren in der Rennerliste auf Rang drei. Knapp nach den gefüllten Knickebeinen. Eierlikör leider abgeschlagen in der Spirituosen-Abteilung. Zum Dauertiefstpreis letzte Niko-Läuse.

 

April

April, April, da kann jeder machen, was er will. Die Großwetterlage kommt dem mit stürmischer Begeisterung nach. Dem trostlosen Einheitsgrau schlagen bunte Rosetten-Aufkleber ein Schnippchen. Von der Prilflasche schwups auf die Küchenkacheln. Die Prilflasche bleibt in unifarbenem Blau im Hauswirtschaftsraum zurück. Beim nächsten Gebrauch schäumt sie vor Gram.

 

Mai

Der Wonnemonat macht seinem Namen alle Ehre. Die Säfte steigen bis in die letzten Verästelungen von Flora und Fauna. Ableger treiben, Bäume schlagen aus und die Damenoberbekleidung wird luftiger. Selbst die Triebwagen der Deutschen Bundesbahn blühen auf.

 

Juni

Erste Paletten voll Holzkohle an den Tankstellen lassen die nahende Grillzeit erahnen. Der Rost hat Rost angesetzt. Und eine Schwalbe macht noch keinen Sommer – sagte der fliegende Holländer, und verwies auf eine mögliche leichte Berührung im Sechzehner. Angeblich soll er für den Oskar in der Judorolle vorgeschlagen worden sein.

 

Juli

Eine Steigerung des Valentinstages wurde am 06.07.2016 begangen: Mit dem „Internationalen Tag des Kusses“. Bei vollem Körpereinsatz! Nur wenige Stunden später meldete die Welt-Gesundheits-Organisation eine grenzenlose Herpes Epidemie. Für den dauerhaften Fortbestand des Face to Face Gedenktages ist ein weltweites Mundschutzgebot erforderlich. Face Book ist zur Speichelung der Daten im Nirwana verpflichtet.

 

August

Auf den Autobahnen stauen sich die Aggressionen auf unzähligen Kilometern. Norddeutsche fahren nach Süden, und umgekehrt. Die Lebensmittel aus der Heimat folgten in Kühlcontainern, damit das Heimweh nicht auch noch den Appetit verdirbt. Knödel zu Scholle Finkenwerder Art, Spätzle mit Matjes oder Salzkartoffeln mit Weisswurschd oder Maultaschen. Kulinarische Integration im innerdeutschen Nahverkehr. Weitere Kreationen im Dialog mit Döner, Falafe, Kichererbsen und Couscous befinden sich bereits in der Brechphase.

Am Rande: Wird vegane Rügenwalder Mühlen-Salami wirklich aus veganen Mühlen hergestellt?

 

September

Start des Oktoberfestes. Tiefe Einblicke in Seidel und Ausschnitte trüben, bzw. reizen die Sinne. Wie die schunkelnde Promillemeute stiegen auch die Preise maßvoll nach oben. Der Aspirin-Umsatz schnellt ebenfalls empor. Noch nie wurden Verpackungsbeilagen häufiger ignoriert, sowie Ärzte und Apotheker weniger konsultiert. Bereits im September servierte der Okt-Ober.

 

Oktober

Die ersten Blätter werden bunt. Die Bunte hingegen bleibt weiterhin farblos im Blätterwald. Schade um jeden Baum, ach was, um jeden Zweig, der sein schattenspendendes Laubdacht opfern musste. Auf dem Altar der größten Unwichtigkeiten. Man muss sich fragen, warum der BUND nicht Bunte und ZDF der Tierquälerei bezichtigen. Die armen Bambis in den Händen von Nichtsnutzen in unnatürlicher Vitrinen-Haltung.

 

November

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist das Unmögliche möglich geworden. Von grotesk bis peinlich fielen die Bewerber über sich her. Lügen und Unverschämtheiten bestimmen das Kopf an Kopf Rennen. Was mag nur in den Köpfen wohl vorgegangen sein. Ausreichend Platz dafür war in beiden Häuptern ja leider vorhanden. Und bekanntlich hat jedes Volk die Politiker, die es verdient.

 

Dezember

Besuch des Weihnachtsmarktes in Offenburg. Der überflüssigste der heimgesuchten in diesem Jahr. Abgesehen vom Glühwein und der sequenziellen Beschneiung der Eisbahn nicht lobenswert. Besonders heraus zu heben sind die Christbäume, die die Innenstadt zieren, und an die Laternenpfähle gekettet waren. Aus Sicherheitsgründen! Nie im Leben habe ich windschiefere, hässlichere Christbäume zu Gesicht bekommen. Wahrscheinlich hat der Kämmerer seine Säckel damit aufbessern können. Ich gehe davon aus, dass für die gesamte Charge der missgebildeten Tannen aus veganer Massenbaum-Schonung ein beachtlicher Betrag von der Forstwirtschaft gezahlt wurde!

Die Holzblasinstrumente mit den acht Löchern verließen ihre Veloursäckchen. Das Rote Kreuz vermeldet zunehmende Tinitusanfälle.

 

Freuen wir uns auf zwanzigsiebzehn. Alles wird gut!

Neujahrsansprache

Liebe Bundesrepublikanerinnen und Bundesrepublikaner.

Als steuer-, kranken-, renten-, und pflegeversicherungs-zahlendes Mitglied unseres einigen, rechtlichen, freiheitlichen Vaterlandes, mit blühenden Landschaften, bleibt es mir unbenommen das neue Jahr gebührend zu begrüßen. Willkommen sind mir alle Mitbürgerinnen und Mitbürger, die ihren körperlichen, geistigen und monetären Beitrag zum Wohle unserer Gesellschaft leisten. Willkommen in 2017!

Von meiner Willkommenskultur ausschließen möchte ich alle arroganten, ignoranten, sowie unverbesserlich Dummen, oder die, die uns für dumm verkaufen wollen. An dieser Stelle sei der FCB stellvertretend herausgehoben.

Ich frage mich jedes Jahr aufs Neue: “Brauchen wir wirklich jedes Jahr ein neues Jahr? Tut es nicht auch ein gutes Gebrauchtes? Die Jahre wachsen nun einmal nicht gerade so auf den Bäumen. Gut, für 2016 könnte ich mich generell schon für einen Wechsel erwärmen. Das hinter uns liegende Jahr war nicht wirklich der Brüller. Und das davor eigentlich auch nicht. Ergo haben wir jetzt schon zwei neue Jahre in Folge verbraucht. Wir sollten hier allerdings sorgsamer mit den Ressourcen umgehen, und an das Erbe unserer Reproduktionen denken, die einen legitimen Anspruch auf weitere gute Jahre haben. Gehören Jahre eigentlich zu den nachwachsenden Rohrstoffen, oder sind sie endlich? Da diese Frage selbst bei Wikipedia nicht hinreichend beantwortet, ja nicht einmal gestellt ist, müssen wir Wohl oder Übel bis zum Jüngsten Tag warten. Erschwerend kommt hinzu, dass 2017 ein ungerades Jahr ist. Aber das ist mir grad egal!

Mit Sorge betrachte ich ebenfalls die Entsorgung der alten Jahre. Wohin mit dem ganzen Unrat, der aus schlechten Jahren an uns hängen geblieben ist? Gibt es ausreichend Sondermülldeponien für alle Despoten, Idioten und Chaoten? Wie lange ist die Verfallsdauer für Worthülsen, Schwachsinn, Lügen und Talkrunden im TV? In welchen Archiven faulen unberechtigte gelbe bzw. rote Karten, übersehene Abseits Tore, hinterhältige Fouls und alle Schwalben von Ian Robben? Welche Cloud wird mit den Darbietungen von Helene Fischer, Xavier Neindu, Florian Silbereisen, Carmen Nebel, J.B.Kerner, Til Schweiger und Peter Maffei – um nur die unerträglichsten zu nennen – verunreinigt? Fragen über Fragen, die es nachhaltig für dieses noch jungfräuliche Jahre zu klären gilt. Ich wünsche mir, dass uns Kriege, Not und Elend, Hunger und Seuchen erspart bleiben – sowie Heidi Klum, Uschi von der Leyden, Alice Schwatzer, Markus Söder, Be.Scheuert, und eine weitere, leider viel zu große Horde nichtsnutziger Artgenossinnen und Genossen. An die Vielen darf ich hier und heute noch gar nicht denken, welch Unrat und Gedankenschlecht über uns Wähler ausgekübelt wird. Doch wenden wir uns doch lieber dem realen Leben zu, und bleiben wir optimistisch! „Et hät noch ewer jut jejange!“

Unmittelbar nach dem Jahreswechsel beginnt ein tagekurzer Zeitraum, in dem ein Gros der bundesrepublikanischen Bürgerinnen und bundesrepublikanischen Bürger die Zentren der Metropolen, die Tempel des Konsums stürmen. Die Einen wedeln mit beschenkten Gutscheinen freudig erregt vor dem Kassenpersonal, anderen haben Farbe, Größe oder Form ihrer gutgemeinten, im letzten Augenblick erworbenen Weihnachtsgeschenke, nicht zugesagt. Sie starten im Tauschrausch ins neue Jahr. Wieder andere frönen ihrem Erbgut als Sammler und Jäger bei der Schnäppchenjagd. Die Rabatte überbieten sich an Tiefstleistungen, und man fragt sich, ob der Einzelhandel bei den Preisen nicht an den Rand des Ruins getrieben wird.

Ich persönlich bevorzuge eine besonders raffinierte, wenn auch perfide Art den Regeln des Marktes ein Schnippchen zu schlagen. In der Adventszeit lasse ich mich voll vom Konsumterror umzingeln. Erwerbe ein paar gute Stücke für mein gutes Stück und platziere sie stolz unter der Nordmannstanne. Lob, Anerkennung und Freude der ach so Guten dankend entgegen nehmend. Jetzt folgt der taktisch geniale Schachzug, um den zu verstehen es die volle Aufmerksamkeit erfordert: Mit der bewussten Wahl einer erkennbar zu kleinen Größe erreiche ich gleich zwei Effekte: Die Dame fühlt sich überaus geschmeichelt ob der offensichtlich positiven optischen Wahrnehmung. Alsbald wird sich herausstellen, dass der baldige Umtausch eine durchaus vernünftige Lösung darstellt. Und da innerhalb weniger Tage, ja fast Stunden, der Preis des Präsentes erdrutschartig sinkt, erwerbe ich den Artikel, aber eine Nummer grösser, erneut zu einem beachtlich entspannteren Preis und schwupps ist das Budget entlastet. Echt geil! Oder?

In den folgenden Tagen kann man sich nun in aller Ruhe auf die anstehenden Arbeiten konzentrieren. Die artgerechte Entsorgung der freilaufenden Nordmannstanne aus veganer Bodenhaltung, die sichere Lagerung aller bunten Kugeln, Kerzen, Duftkerzen mit Zimtaroma, Teelichter, Lichterketten und diverser Rumstehchen in Kellern, auf Dachböden oder angemieteten Hallen im nahen Industriegebiet. Auch die Holzblasinstrumente mit den acht Löchern müssen wieder sorgsam in die Veloursäckchen verstaut werden. CDs mit Aufnahmen von gemischten- sowie diversen Kinder-Chören unseres Vertrauens verschwinden in den Tiefen der Schubladen, zusammen mit Ausstechformen und Rezepten von allerlei hüftgoldigen Keksen und anderen Kalorienbomben.

Überglücklich sind einige Gänse ins neue Jahr gerutscht, die den Braten bei Zeiten gerochen haben, und sich als Festtagsschmaus rar gemacht haben. Sie selbst, sowie militante Veganer, begrüßen diesen Umstand aufs herzlichste. Ob diese Tarnaktion auch noch im neuen Jahr von Erfolg gekrönt bleiben wird, wird uns die Geschichte nachträglich dokumentieren. Drücken wir ihnen kräftig die Daunen. Allerdings nicht ohne darauf zu verweisen, dass es womöglich zu Ungunsten anderer schmackhafter Leidgenossen ausgehen kann.

Nach gut gemeinten Ratschlägen, nützlichen Tipps und hilfreichen Räten möchte ich allen bundesrepublikanischen Bürgerinnen und bundesrepublikanischen Bürgern alles erdenklich Gute wünschen: Neues Jahr, neues Glück! Nehmt euch mal nicht zu viel vor! Es wird doch wieder nichts damit. Ich spreche da aus Erfahrung.

 

Gehabt Euch wohl!

  1. Januar 2017

 

 

 

 

Offshore

Energie wächst nun mal nicht auf den Bäumen. Und bis Bäume und Pflanzen zu Öl vergoren sind, werden die meisten von uns wohl kaum erleben. Daran zweifeln selbst die kühnsten Optimisten nicht. Abgesehen von den Konsumenten, denen es egal ist, woher der Strom aus der Dose kommt, votiert die breite Masse gegen Atomenergie und für sogenannte nachwachsende Medien. Wind, Sonne, Wasser sind hier die klaren Favoriten. Aber – es gibt sie ja, die ewig gegen Alles Seienden. Windräder, klar, aber Vögel und Fledermäuse sind dann die leidtragenden. Sonne, gut, aber die Photovoltaikanlagen weisen eine miserable Ökobilanz auf. Wasser, natürlich, aber die Fische verschwimmen sich im offenen Meer. Leichen, statt laichen.

Energiesparen verzögert nur das finale Ende in den Wüsten aus Sand und Eis. Wem das große Ganze also am Herzen liegt, der sollte im Kleinen beginnen. Vorbildlich könnte die Damenwelt modische, ökologische Zeichen setzen! Wo man auch nur hinschaut, kaum ein Damenhaupt ist ohne Sonnenbrille bestückt. Nein, nein, nicht zum Schutz der buntbemalten Augen. Einfach so. Irgendwann hatte ein Mädel mal vergessen die Sonnenbrille wieder auf die Nase zurück zu platzieren, und schwupp nahezu ausnahmslos eiferten die modebewussten Shopping Queens ihr nach. Keine Fragen nach dem Sinn, dem Wert dieses Accessoires. Nun kommt uns dieser Irrläufer menschlichen Daseins unbeabsichtigt zu Hilfe: Die Offshore-Anlage ohne Wenn und Aber hält Einzug auf die Häupter. Human-Ressourcen ist der neue Trend bei den alternativen Energien: Offs-hair – Anlagen vereinen beliebte Kopfdekorationen mit nutzbringender Energiegewinnung. Völlig unabhängig von Haarfarbe, ob natürlich oder gefärbt, von Länge, Locken, vom Gel oder Drei-Wetter-Taft

Die alles entscheidende Frage lautet allerdings: Wie gelangt die Sonnenenergie von den Photovoltaikbrillen ins Netz? Oder besser gefragt: Muss sie überhaupt ins Netzt? Ist nicht die Nutzung am Generationsort, ohne Verluste beim Wirkungsgrad die perfektere Lösung. Exakt so ist es! Und den Kreativen liegt die Welt zu Füssen. Die nachfolgenden technischen Einsatzvarianten verdeutlichen schon das ganze Spektrum deutschen Ingenieurgeistes:

  • Für die Beleuchtung der innenliegenden, ausklappbaren Kosmetikspiegel in den Handtaschen
  • Zur Generation des Akkus der unvermeidlichen Smartphones
  • Zur Generation des Akkus der Notfall-Elektroschocker
  • Zur Generation des Akkus der Navigationsgeräte für das Innenleben von Handtaschen, mit automatischem „Hierbinich-Modus“
  • Zur Generation des Akkus mobiler, befriedigender Outdoorvibratoren

Selbstverständlich erhebt die Aufzählung keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit – soll jedoch Ansporn sein, einmal in die unergründlichen Tiefen der Handtaschen einzutauchen, um sich nach weiteren Machbarkeiten umzuschauen. Gutes Gelingen!

One Day Fly

Widmen möchte ich diese Niederschrift meinem Schatzele, ohne das es nie zu einer derartig fundierten Betrachtung dieses täglichen Phänomens gekommen wäre. Ich bedanke mich für die nicht nachlassen wollende Penetranz mich an das Versprechen einer Aufarbeitung mit Nachdruck zu mahnen. Danke, Schatzele!

 

Die tagaktive Ephemeroptera führt ja nun wirklich ein bedauernswertes Dasein. Kurz, aber an Tristesse nicht zu unterbieten. Jetzt werden sie sicher genau wissen wollen: Wer ist diese Ephemeroptera? Das ist auch ihr gutes Recht, und so möchte ich sie auch nicht länger auf die Folter spannen, oder sie gar nötigen, sich Wikipedia oder dem alt herkömmlich Konrad Duden vorzunehmen, um Licht in das lateinische Dunkel biologischer Abgründe zu erlangen.

Hinter Ephemeroptera verbirgt sich keine Geringere als die gewöhnliche Eintagsfliege. Gewöhnlich – wohl eher außergewöhnlich! Der Name hätte nicht treffender gewählt sein können, denn dem armen Kerbtier ist es nicht vergönnt, wenigstens ein einziges Mal einen Sonnenuntergang zu erleben, oder Carmen Nebel, Florian Silbereisen oder Johannes B. Kerner. Wobei ich, wenn schon zeitlich begrenzt, jederzeit den Sonnenuntergang favorisieren würde. Natürlich überlasse ich diese Entscheidung jeder Ephemeroptera selbst. Bedauerlich ist allerdings, dass eine einmal getroffene Entscheidung zu Gunsten z.B. des Aktuelle Sport Studios nie mehr korrigiert werden kann.

Noch schlimmer als der Verzicht auf eine Talk Runde mit Anne Will ist die wissenschaftlich nachgewiesene Tatsache, dass sie niemals in ihrem jämmerlichen Vegetieren in den Genuss eines One-Night-Stands kommen kann. Die zunehmende Lebenserwartung bremst unmittelbar vor den Sechsbeinern jäh ab. Ganz im Gegenteil: Moderne chemische Mittelchen, die den, in urbanen Stuben unersetzlichen, gelben Klebebändern, wirkungsvoll ersetzen, bereiten ihnen mitunter ein plötzliches Ende. Noch vor Ablauf ihres Lebenszyklus.

Die Eltern der Eintagsfliegen begrüßen die Tatsache, dass ihnen jedwede pubertäre Anwandlungen erspart bleiben. Sofort nach dem Schlüpfen erlangen sie die volle Geschlechtsreife. Während wir Menschen in der Regel gerne festen Boden in Form von allerlei Möbelstücken zum Vollzug der Fortpflanzung bevorzugen, kopulieren die Ephemeropteras im Fliegen. Wer dies, gegen jedes besseren Wissens, ausprobieren möchte, dem sei geraten, sich um eine umfassende Berufsunfähigkeits-Versicherung zu bemühen.

Nach der Paarung pflanzen sie sich mit 1.000 bis 8.000 Eiern überproportional fort. Auf diese Art und Weise ist eine humane Alterszeit mit gesichertem Auskommen gewährleistet. Selbst über Minuten!

Brigitte, und ihre gleichnamige Diät, findet in Insektenkreisen kaum Interessenten. Schlüpfen, Fliegen, Paaren, 1.000 bis 8.000 Eier legen – da bleibt für eine kalorienbewusste Nahrungsaufnahme keine Zeit. Wen wundert es da, dass Vegetarier, Veganer, sowie Laktose- und andere Unverträglichkeiten weitgehends unbekannt sind. Auch unter Mitgliedern artverwandter Flugbegleiter, wie z.B. der Obstfliege oder der gemeinen Schmeißfliege gehören Allergien nicht zur Allminute.

Die ohnehin kostbare Zeit der Eintagsfliegen wird bei ihrem penetranten Flug um Lampen und dem ständigen Anfliegen von Fensterscheiben, sinnlos verschwendet. Ohne eine Entwicklung der Lernkurve nach oben wird deutlich, dass der Besuch einer ordentlichen Kerbtierschule sowohl kostenlos, als auch umsonst war. Besonders wissbegierige Exemplare sind beim ABC nicht über das Ypsilon hinaus gekommen, da sie, abgelenkt durch didaktisches Material, vorzeitig einer Klatsche zum Opfer erlegenen sind.

Was auch immer die heutige Zivilisation prägt, die Eintagsfliege kennt weder den Drei-Tage-Bart, noch Mario Bart. Weder die Menstruation-Tage, geschweige denn die Wechseljahre. Ihr Aufenthalt in Stundenhotels hat ebenfalls keinerlei Auswirkungen auf ihre Lebenserwartung, sowie der Erwerb einer Monatskarte bei der Deutschen Bundesbahn. Sie interessiert keine Wetterkarte und keine Stauinformation. Weder DAX noch Wahlprognosen beeindruckt bzw. beeinflusst ihre Kreise um Leute und Lampen. Der Sinn ihres Lebens scheint darin zu bestehen, sich irgendwann selber zu überholen. Bei so manch ehrgeizigem Yuppie erkenne ich ähnliche Verhaltensmuster. Sei`s drum.

 

  1. April 2016

 

 

Mädchentraube

MÄDCHENTRAUBE, die

Erlesenes aus Handelsketten: weiblich, lieblich.

Es gibt nicht sonderlich viele Erlebensmittel, die ihre ganze exotische Elegance und Reife erst mit der Zeit entfalten. Hinreichend bekannt für allerlei Potential sind klassische Rebsäfte. Sie reifen bis zu einer betörend verführerischen Vollkommenheit, deren überlieferte, sagenumwobene Eigenschaften sich äußerst hilfreich beim Erstürmen von Herzen, und anderer begehrenswerter erogener Zonen, als sehr hilfreich und als Erfolgsgarant erwiesen haben.

Als angenehmer Nebeneffekt werden auch seine Wertsteigerungen dankend in Kauf genommen. Sozusagen als monitäre Befriedigung, sollte es zu keinem erfolgreichen Höhepunkt bei einer Erstürmung kommen.

Im Laufe der Jahre tendieren die rudimentären körperlichen Freuden der Fleischeslust beim Homo Sapiens mehr und mehr gen kulinarischer Reize des Gaumens. Umgangssprachlich bekannt als „Sex des Alters“. Im Zuge dieses Lustverlustes sehnt sich das maskuline Verlangen nach altersgerechter Ersatzbefriedigungen. Dass dabei, neben den fruchtigen Gewächsen aus Frankreich, Italien und anderen südlichen Ländern, auch solche aus Regionen mit deutlich eingeschränkter Pressefreiheit erquicken können, haben wir den hinreichend bekannten Einkaufsketten, u.a. einem schwerreichen Brüderpaaren, zu verdanken, die uns al-di großen Gewächse fiskal erschwinglich anpreisen. Lediglich Möchtegern- und Pseudoliebhaber verschmähen diese gaumenschmeichelnden, geistigen Genüsse, obwohl in ihnen ebensoviel hochprozentige Wahrheit liegt, wie in artverwandten Traubensorten südlicherer Gefielde. Die Freien Demokraten wäre stolz und glücklich, wenn sie um die 12% Vollumen in ihrer Vita manifestieren könnte. Liegt ihnen das Interesse der Wirtschaft doch im doppelten Sinne der Worte exorbitant am Herzen. Im umgekehrten Verhältnis, wer wollte schon einen Wein kredenzen, der mit unter 5% jede Aussicht auf erotischen Erfolg ins Unerreichbare katapultiert.

Eine in der Männerwelt millionenfach geprahlte Güteklasse besagt, dass die Quote der Eroberungen dem reziproken Wert der Ökslegrade entspricht. Wem allerdings mit zunehmender Erlebenserfahrung Wein und Weib und Gesang mental und physisch zu sehr in die Glieder fährt, dem ist nicht nur aus medizinischer Sicht ans Herz zu legen, doch zunächst den Gesang an den Nagel zu hängen. Und sei er noch so trobadurenhaft, vokal dahinschmelzend, und herzzerreißend interpretiert. In Kombination mit Okulele, Triangel, Blockflöte und Alphorn hat bereits ein gewisser Herr Eskolab dringend von der dauerhaften Nutzung abgeraten. Insbesondere in geschlossenen Räumen. Unter Aufsicht von pädagogisch ausgebildeten Lehrkörpern (Pfandflaschen), mit dem absoluten Gehör, können hier und da Ausnahmen aus therapeutischen Zwecken, nur gegen Rezept, heilsame Wirkung haben.

Als weitere Nagelprobe bietet sich nach dem Gesang, schicksalhaft das Weib an. Diese Überlegung ist einzig und allein logischer und ökonomischer Regeln geschuldet. Während der Wein im Alter an Klasse und Wert gewinnt, steigen beim Weib die Kosten exorbitant. Dieser Schritt verlangt jedoch ein gerüttelt Maß an Charakterfestigkeit – auch mit Blick auf das Widerstehen unverhofft aufflammender Triebe. Hier birgt im Besondern der Frühling mannigfaltige Versuchungen. Diese sind aber garantiert nicht von Dauer, und können verwirrende Auswirkungen auf jegliche klare Gedanken nach sich ziehen. Ein positiver Ausgang ist erfahrungsgemäß seltenst voraussehbar. Dafür allerdings die ahnungsschwangeren, urbanen Folgen menschlicher Zweisamkeit.

Was nachhaltig als verlässlicher Bestand bleibt, ist der Wein. Also zurück zu den Perlen kultivierter Naturprodukte. Den Roten sagt man, in Bezug auf Ihre Eroberungseigenschaften, mehr erfolgversprechende chemische Verbindungen nach, als ihren weißen Mitstreitern. Unerfahrene und Erfolglose wollen ihr pubertäres, unerfülltes Balzgehabe ohne jegliche wissenschaftliche Grundlage, allein auf die Farbe reduziert wissen. Voller Ignoranz gegenüber der Farbe der Liebe. Dem ist in ihrer Schlichtheit nichts hinzuzufügen. Übersehen sollte man allerdings nicht, dass die Klassifizierung der Farben bei den sogenannten Weißen gerne zu nachlässig gehandhabt wird. Nuancenreich changieren die Töne eher in die Spektren nach RAL 1018 bzw. HKS 1N. Hier sollte man sich durch die winzergenossenschaftlichen Marketingstrategien nicht blenden lassen. Die Für und Wider bei der erfolgversprechensten Wahl aus der Farbpalette sollte jederzeit zielorientiert ausgerichtet sein und bleiben. Selbst bei betreuten stürmischen Attacken, respektive bei der Jagd nach „freien Radikalen“, haben sich die Roten als kleine Wunder vollbringende Künstler bewiesen.

Ungarn, eben nicht nur bekannt durch seine würzigen Gerichte, wilde Pferdehatzen und die eingeschränkte Pressefreiheit, sondern, ALDI sei Dank, auch durch seine Lieblichkeiten und erlesenen Raritäten, rückt zunehmend in den Focus männlicher Eroberungsstrategien bei alleinerziehenden Mütter, renitenten Vegetarierinnen, bekennenden Zölibatbefürworterinnen, zahlenden „Mit“gliedern des „Blauen Kreuzes“, Mauerblümchen und andere Artgenossinen sowie anziehenden Frauenzimmern. Überlieferungen weisen allerdings nachdrücklich darauf hin, dass nahezu alle Feldversuche mit militanten Feministinnen und Mitmenschen, die zur Gleichgeschlechtlichkeit neigen, als klassische Fehlversuche zu verbuchen sind. Leider aber nicht als Werbungskosten steuerlich absetzbar. Nehmen wir als einleuchtendes Beispiel die hinreichend zur Abschreckung prädestinierte Alice Schwarzer. Angesichts Derer wird jeder Fehlschlag umgehend offensichtlich!

Wer also Wert auf beständige Werte legt, legt sich diese allerliebsten vergorenen, gekelterten Fruchtsäfte in 0,75 Ltr. Einwegflaschen ins Depot. Parallel dazu empfiehlt sich die Investition in 12er Packs Asperin oder vergleichbaren Produkten aus Leverkusen, um vor den Spätfolgen spontanem, respektive übermäßig hemmungslosem Zuspruch gewappnet zu sein. Vernebelungen des Durchblicks, sowie eine sichtbare Beeinträchtigung der Sehschärfe könnten sich unversehens einstellen, und sich wie bei Parallelen mathematisch beformelt erst im Unendlichen treffen. So ist auch auf längere Sicht eine ungetrübte Hingabe der Tanine und Pestizide ohne nachhaltige Schäden an Laib und Seele gewährleistet. Genussvolle Freuden und bisher unbekannte Geschmacksexplosionen durch die Vielfalt der Aromen schmeicheln dem Gaumen mit nachhaltigem Abgang. Mag man Rote oder Weiße favorisieren, Brünette oder Blonde, vermag man das Körperliche, Geistige oder Fiskale zu bevorzugen, mit Frauentrauben aus Ungarn wird jeder Tropfen zur uneingeschränkt sinnvollen Investition.

 

Na dann: Zum Wohl!

 

Spötterdämmerung

Es quält mich schon länger die Frage aller Fragen: „Wer um Himmels Willen hat den Satan erschaffen?“ An seiner Existenz ist wohl kaum ernsthaft zu zweifeln. Wie sonst wären die globalen schlechten Nachrichten, Kriege, Verbrechen und Katastrophen und die täglichen Fernsehprogramme zu erklären? Das kann der Herr bei der Erschaffung doch nun wirklich so nicht gewollt haben. Am siebten Tag, an dem er ruhte, muss ihm der Teufel ins Handwerk gepfuscht haben. Und sogleich bekamen es die unschuldigen Adam und Eva zu spüren. Eva muss Vegetarierin gewesen sein, denn das Cleverle aus dem Hades lag mit dem Apfel goldrichtig. Andere Erklärungen wären Obsttag oder Brigitte Diät, wenn das vegane Gedankengut sich noch nicht bis ins Paradies herum gesprochen haben sollten.

Nach erfolgreicher Versuchung machte sich der Pferdefuß umgehend an weitere kleine und große Nadelstiche für die Menschlein, um ein Zusammenleben in sozialer Harmonie nachhaltig zu stören. Als Minuspol zum Paradiesgarten Eden schuf er u.a. die Oasen Panama, Cayman Inseln, Luxemburg etc. und die Briefkästen. Und aus dem Schattenreich etablierten sich weitere dunkle Gesellen der Unterwelt: Schwarzseher und Schwarzseher, Schwarzfahrer, Schwarzwurscht, Schwarzmarkt, Schwarzarbeit, Schwarzgeld und schwarze Kassen, Alice Schwarzer, Raben und einzelne Schafe, dem schwarzen Mann, Schwarzmaler, Druckerschwärze und die CSU.

Der Konter vom Lieben Gott ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Gleich am folgenden Montag antwortete er mit himmlischen Alternativen: Dem Weißen Sonntag, der Berliner Weißen, Hennes Weissweiler, Mayonnaise, und der weißen Weste, mit Weisheitszähnen und Weisswurscht. Albinos waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Produktionsplanung.

Doch seit der Ratifizierung der 40-Stundenwoche kam seine Heiligkeit mit dem Konterfahren nicht mehr nach. Mephisto übersäte die Menschheit flächendeckend mit Versuchungen en gros. Til Schweiger, Helene Fischer, Peter Maffay, Xaver Neidoo, Ursula von der Leyen, Uschi Glas, Markus Söder, Uli Hoeness, Mario Bart, Barbara Schöneberger, den Kastelruther Spatzen, Florian Silbereisen, Carmen Nebel, um nur ein paar krasse der überflüssigsten Beispiele zu nennen. Verblödet, falschen Göttern huldigend vegetieren die Menschlein nun vor sich hin. Immer mehr erlagen der Versuchung schlechthin, dem Apfel. Sie verbilden sich mit Bunte, Frau im Spiegel, der Aktuellen, Apotheken Umschau und Bild. Vegetarier, Veganer und bekennende Ver(z)ehrer von Stadionwürsten liefern sich mediale Wortgefechte um Nährwert und Mehrwert von Bratlingen aus Tofu. Den Spöttern dämmert es so langsam – die Sommerzeit ist schuld und die Seite voll. Toll!

10.04.2016

Suppenkasper

Heute auf der Bundes-Tages-Karte: Diäten-Menü mit Berliner-Worthülsen-Eintopf und parlamentarischem Windbeutel. Garantiert frei von jeglichen Inhaltstoffen. Bunter, genderneutraler Beilagesalat, fair serviert.

Verbindliche Pöstchen-Reservierungen sind beim Koalitionsausschuss einzureichen. Für parteiübergreifende Absprache-Galas werden abhörsichere Separees zur Verfügung gestellt. Fraktionszwänge sind gegen Erhalt einer proteinreichen Ausgleichszahlung an der Garderobe in Empfang zu nehmen. Vitaminreiche Zuschüsse beim Aussitzen von cholesterinarmen Debatten, und mit Mammon angereicherte Sahnestückchen stehen jederzeit am Selbstbedienungs-Büfett zur freien Verfügung.

Mein Rezept für erfolgreiches Überstehen der Legislatur Perioden: Man nehme: Eine ordentliche Aus- bzw. Einbildung zum Administrationsbrei. Rühre eine gehörige Portion Unverfrorenheit und Schamlosigkeit darunter, und verfeinere die Masse mit einer nichtssagenden Prise Gedankengut. Geschmacklos abgerundet wird das Gericht durch satte Pensionen und reichhaltige Zuwendungen. Dem Zubereiter sei geraten – keine Scheu weitere Nuancen in die Suppe einzubrocken, da er sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie selber auszulöffeln hat.

Kredenzen möchte ich jetzt das filigrane Parlament-Süppchen im Dialog mit dem Polit-Kasper. Polit-Kasper findet man in jeder Fraktion. Besonders gerne bedient man sich ihrer in den Opposition-Parteien. Vom Wähler mit Stimmen nicht so reichlich bedacht, suchen sie grundsätzlich in jeder Suppe ein Haar. Und wenn sie es auch persönlich einfliegen müssen, sie finden es! Wider manche Vernunft sind derer Fettaugen zu viel oder zu wenig. Entgegen jedem besseren Wissen, schwimmt generell die falsche Nudel oben. Mag die Geschmacksnote noch so harmonisch sein, grundsätzlich ist es zu viel der Würze oder es fehlt gar an Schärfe. Manch Kasper liest aus der Buchstabensuppe den Niedergang des Abendlandes. Auch wenn die Rhetorik und Argumentation schon schimmlig ist, sie wird gebetsmühlenartig immer wieder frisch serviert. So lange, bis niemand mehr exakt weiß, ob die Aufklärung nun brutalst möglich, die Entscheidung alternativlos und die eigene Meinung vorher nicht eine entgegen gesetzt andere war. Realpolitik eben.

Wer sind also nun die Polit-Kasper? Die, die die Suppe einbrocken oder auslöffeln? Die, die sie kochen oder verwässern? Oder alle? Oder gar die Grandler an bayrischen Biertischen? Oder Ursula von der Leyen, die bisher weder noch hat? Gut, die Frisur sitzt. Da kann kein Oppositioneller auf ein loses Haar hoffen! Und genau an dieser Stelle stellt sich die Frage: Wie heißt eigentlich der weibliche Gegenpart zum Kasper? Ich finde, wenn schon Gleichberechtigung, dann konsequent!

Freitag, der 13. Mai 2016

Tag der Arbeit

Ist es nicht ein Widerspruch in sich, dass ausgerechnet der Tag der Arbeit ein Feiertag ist? Allerdings wäre es umgekehrt unserem Bruttosozialprodukt auch nicht gerade förderlich. Den internationalen Kampftag der Arbeiter haben wir von den Amis übernommen. Wie so viele weitere, zum Teil höchst überflüssige Dinge. Aus den Frikadellen wurden Hamburger und die Plage McD, aus St.Martins-Umzügen Halloween, aus Körperertüchtigung Aerobic, aus Hosen Blue Jeans, aus der Prinz-Heinrich-Mütze die Baseballkappe und aus der Lindenstraße unzählige Daily Soaps.

Und was ist aus den guten alten Demos der Arbeiterklasse geworden? Ein paar ewig Gestrige, diverse Altsechziger, ein kümmerlicher Rest Gewerkschaftler – finito! Die blauen Bänder des Eduard Mörike changieren für den einen Tag in rote Fahnen, und es reicht eine Handvoll Hästräger, um die Demo in geordneten Bahnen zu halten. Die 1.Mai-Demo ist als Klassiker der großen Prozessionen, wie die Walpurgisnacht, der Laternenumzug an St. Martin oder Pegida, im Ranking deutlich ins Abseits geraten.

Am 1.Mai trifft sich die Arbeiterklasse beim Mai-Hock und trinkt Mai-Bock. In den Wohnstuben wird eine Mai-Bowle angesetzt. Favoriten sind hier Waldmeister und natürlich Erdbeere. Ananas rangiert auf Platz drei. Die örtlichen Vereine bessern mit dem ersten Outdoor-Grillen ihre maroden Vereinskassen auf, selbstgebackene Kuchen und welke Salate bereichern das Angebot. Vegane Gerichte oder eine Rücksichtnahme auf Laktose Unverträglichkeiten müssen an diesem Tag hinten anstehen. Sie haben schließlich mit dem Kampf um bessere Arbeitsbedingungen, gerechten Lohn und gleiche Bezahlung für Frauen nichts zu tun!

Schon lange bevor die Dämmerung hereinbricht, brechen die ersten Mai-Opfer zum Heimweg auf. Für heute ist genug gekämpft! Der Mai-Bock hat gewonnen. Später dann, wenn die ersten Mai-Käfer um die schweren Häupter schwirren, stimmt der ein oder andere dann doch noch ein altes Kampflied an, und auf den Bierbänken werden die Reihen fest geschlossen. In diesem Jahr werden die Hocks wohl dem Mai-Regen zum Opfer fallen. Die Kassen bleiben leer, die Würste und Schnitzel wandern in die Tiefkühltruhen der Vereinsmitglieder und die Kuchen werden unter den Helfern aufgeteilt. Der Wonnemonat tut sich schwer seinem Namen alle Ehre zu machen. Selbst der Mai-Regen verfehlt seine legendäre Wirkung. Morgen ist wieder Maloche angesagt!

 

01.Mai 2016

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