scharfsinnig - unsinnig - kurzweilig

Martinimarkt

Die Weihnachtsmärkte werfen ihre duftenden Schatten voraus. Winterzauber, Adventsträumchen oder eben Martinimarkt. Typisch Deutsch, denn erst ab einem definierten Datum dürfen Weihnachtsmärkte Weihnachtsmärkte  heißen. Warum auch nicht? Andererseits, in den Einkaufszentren blockieren die Lebkuchenstapel, Schokoladenriegel, Weihnachtsmänner, Plastiktannen und LED-Lichterketten bereits seit Wochen die natürlichen Laufwege der Kunden. Insiderinformationen zufolge scharrt die Generation der Osterhasen 2019 schon mit den Pfötchen in der Versandzone der Confiserien.

Unser Besuch des Martinimarktes wurde bewusst auf den frühen Samstagmittag gelegt. Ein strahlender Novembertag, an dem samstags, wie jeden Samstag, erst die Gehwege gefegt werden müssen, bevor ein vergnügliches Wochenende eingeläutet werden kann. Das eröffnet den vorweihnachtlich gestimmten Besuchern des Martinimarktes die einmalige Chance zwischen den Massen auch einmal einen flüchtigen Blick auf die Auslagen der Buden links und rechts der Schubstrecke zu werfen. Eigentlich ist das auch nicht zwingend erforderlich, aber es eröffnet einem dann doch Einblicke in eine ansonsten unbekannte, verborgene Erlebniswelt.

Zugegeben, es gibt auch gebrannte Mandeln und Mohrenköpfe oder Negerküsse, die nicht mehr Mohrenköpfe oder Negerküsse genannt werden dürfen, und jetzt offiziell als Schaumküsse angeboten werden. An zwei von grob geschätzt zweihundert Buden! Die restlichen einhundertachtundneunzig erkennt man schon auf einige Meter am Geruch. Wie die gebrannten Mandeln auch. Allerdings animieren diese Düfte nicht wirklich die Geschmacksfäden zu einer höheren Produktion. Ledergürtel, Geldbörsen, geklöppelte Tischläufer, gestrickte Biosocken, Leggins, gehäkelte Mützen, aus der Mode gekommener Modeschmuck und Flaschenbürsten entfalten ein unvergleichliches, aber für Martinimärkte typisches Aroma. Die Palette der Düfte pendelt zwischen Bayer Leverkusen und Kläranlage oder einem harmonischem Mix der Konglomerate. Auch winterfeste Baumwoll-Reizwäsche für die neblig trüben Stunden vor dem TV bei der Carmen Nebel-Show reizt die urbane Käuferschicht zu Spontankäufen. Döner und fettige Bratwürste verbreiten alternative Düfte. Die wenigen Glühweinstände erden die Besucher wieder. Gott sein Dank! Denn ohne ein paar Tässchen der Winzer-Köstlichkeiten wäre der Samstagnachmittag eine böse Bescherung geworden.

P.S.: Wer hinter dem Sinn des Martinimarktes eine Hommage an gleichnamiges Lieblingsgetränk eines gewissen J.Bond vermutet, der wird bitter enttäuscht werden. Weder gerührt noch geschüttelt. Also, man ist von den Darbietungen keinesfalls gerührt, eher geschüttelt!

2 Kommentare

  1. Eva

    Und der Glühwein war echt aus richtigem Rotwein?? Gibt’s doch recht schon fertig mit allen Gewürzen.

    • Armin

      Liebe Eva, ob der Rotwein richtiger Rotwein war, dafür möchte ich nicht meine Hand ins Fegefeuer legen!
      Es standen da so viele Tetrapack rum. Gehe also vom Schlimmsten aus. Auf jeden Fall war der Betäubungsfaktor
      ausreichend – auch für die Düfte. Dufte, nicht?
      Apropos: Ich bevorzuge mittlerweile weissen Glühwein. Das ändert allerdings nichts an der körperlichen Gesamtgefährdung.

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