scharfsinnig - unsinnig - kurzweilig

Autor: Armin (Seite 21 von 30)

Tide im Teich

Ob ihr es glaubt, oder nicht: In unserem Gartenteich herrscht Tide, also Ebbe und Flut. Also eher nur Ebbe. Seit Monaten! Die Frösche sind schon so gut wie gepökelt, obwohl gar kein Salzwasser den Kalkgehalt  neutralisiert. Für die Flut zeichnete ich persönlich verantwortlich, durch das ständige Nachfüllen auf das gewünschte Niveau. Und nach dem Schuldigen für die Ebbe fahnde ich nun schon seit Wochen akribisch. Den Mondphasen konnte ich bisher keine arglistige Verschwörung nachweisen, blieb die Suche nach einem ganz simplen Leck in den Schläuchen von und zur Filteranlage.

Zunächst lokalisierte ich eine undichte Stelle, die sicher dem harten Winter geschuldet war. Doch wie dichtet man einen Schlauch, dessen Kern mit Metallstreifen an Unebenheit nicht zu überbieten ist? Wie ihr wisst, liegt meine Stärke beim Dichten nicht unbedingt bei Wasserpumpenschläuchen. Hilflos und, zugegeben, ohne festen Plan irrte ich durch die Regalreihen bei Obi. Mein Hobby-Handwerkerstolz ließ es nicht zu, dass ich mir Rat bei einem der Mitarbeiter holte, die in ihren orangefarbenen Leibchen spielend zu identifizieren waren. Schließlich obsiegte die pure Notwendigkeit über den Stolz. Als nächste Hürde stellte sich mir das Vokabular schier unüberwindlich in die Quere, wie ein Doppeloxer beim Springreiten. Ob die für mich unwirklichen neuen Worte und Wortschöpfungen bereits Eingang in den neuen Duden gefunden hatten, halte ich für ausgeschlossen! Ausgestattet mit allerlei Rohren, Krümmern, Muffen und Schellen bahnte ich mir den Weg durch die nicht enden wollende Schar der Schwarzarbeiter zur Kasse.  Ohne goldene Obi-Karte war ich allerdings nur ein Kunde zweiter Klasse. Milde lächelnde Zeitgenossen ahnten wohl schon, dass das Dichtungsproblem damit nicht grundsätzlich zu lösen war. Wie Recht sie doch behalten sollten, diese Schattenwirtschaftler und Steuerhinterzieher.

Stolz wie der Pfau im Lahrer Stadtpark betrachtete ich mein Erstlingswerk. Ein Druck auf die Sicherung der Umlaufpumpen und augenblicklich sprudelte das Wasser munter exakt aus der Stelle, die ich gerade gedichtet hatte. Der Weg zurück zu Obi ähnelte dem Gang nach Kanossa. Das Achselzucken des Orangen verhieß allerdings nichts Gutes. Jetzt musste das vielgepriesene Internet seinen Ruf bestätigen.

Meine Erfahrungen aus den Regalreihen bei Obi erwiesen sich als hilfreich, entpuppten sich jedoch als Kinderkram im Vergleich zu dem reichhaltigen Angebot im weltweiten Netz. Ihr glaubt es nicht, was es alles gibt!  Ich möchte euch eine Auflistung der Artikel ersparen, es würde eure Konzentration jäh beeinträchtigen. Aber, lasst euch geschrieben sein: Der Herr der Leckagen ist fündig geworden!

Man versprach umgehende Lieferung und so scharrte ich bereits am Folgetag mit den Füßen, um den Postboten abzufangen. Eine digitale Unterschrift und die neue Muffe war mein. Flugs eingebaut, Wasser marsch………das Leck hatte verloren. Die Familie versammelte sich tief beeindruckt um den Teich. Die Frösche glotzten dämlich wie immer. Der Ritterschlag zum Fachmann in allen undichten Leitungsfragen war vollbracht. Die Nacht verlief in ausgeglichener Harmonie. Morgens vor dem Frühstück ein prüfender Blick auf das Niveau des Teiches: Ebbe.

Sofort erkannte ich als geadelter Fachmann, dass es ein weiteres Leck geben musste. Musste! Mit all meiner Erfahrung grub ich auch noch den Rücklaufschlauch aus. Und, siehe da, munter rieselte das Wasser aus zwei weiteren, unscheinbaren Löchlein. Bei Obi wurde ich freundlich begrüßt, meine Kollegen von der Schwarzarbeiterzunft schlichen auch bereits wieder durch die Regalreihen. Doch dieses Mal hatte ich einen Plan! Zielsicher hastete ich in die Abteilung HT-Rohre, inspizierte die Maße, legte die  Beute sorgsam in den Caddy und war im Handumdrehen wieder am Ort des Winterschadens. Mit Geschick wurde auch das Leck 2.0 geschlossen, die Pumpen aktiviert, Wasser im Teich geflutet. Die Frösche verstanden die Welt nicht mehr, aber mein Ansehen in der Familie hatte einen absoluten Höchststand, wie derzeit der DAX.

Mich überraschten die Gezeiten am folgenden Morgen doch ein wenig. Es war erneut Ebbe und neben Verzweiflung kamen erste Gedanken an einen Kieslaster auf. Die Lecks dicht, und Ebbe. Ich entschloss mich ein paar Tage abzuwarten, denn gelegentlich behoben sich Probleme von allein. Auf diese Karte setzte ich zuversichtlich – aber vergebens!

Der Zufall sollte jedoch eine entscheidende Wende bringen. Der Rinnstein für das Rücklaufwasser war in dem durchnässten Boden abgesackt, sodass das Wasser nicht in Gänze in den Teich zurück lief, sondern einen Beipaß bildete und die Uferregion zusehends vermoorte. Ein solides Fundament aus Steinen half rasch für Abhilfe. Der nächste Tag zeigte Wirkung: Eine spiegelglatte Wasseroberfläche auf dem gewünschten Pegel, mit 142,26 m über NN.

Wer die Gestaltung der Wasserläufe in unserem Garten kennt, der weiß, dass auf der Terrasse aus einem Quellstein ein Bächlein in drei kleinen Wasserfällen hinab in den Teich plätschern lässt. Der wiederum wird aus dem Teich mit Nachschub gespeist. Kaum hatten wir diesen Quell der Freude aktiviert, zog sich der Wasserpegel ebbenartig  zurück. Ja leck mich doch! Die ersten Frösche sahen sich bereits nach einer neuen, sichereren Bleibe um. Es reichte! Und da ich keine weitere Seite mit diesem unrühmlichen Bericht füllen möchte, schließe ich hier entnervt ab. „Die Staustufen der Wasserfälle müssten neu mit Silikon abgedichtet werden.“ Sagt meine Frau.

 

 

Fussballeer

Die armen Jungs! Stellt euch vor, die Kicker mussten in den letzten paar Wochen zwei Mal in der Woche spielen. Zwei Mal in der Woche 90 ewig lange Minuten. Körperliche und geistige Leere breitete sich dabei epidemieartig aus. Wo sie doch täglich ihr Haarstyling und ihre Schäfchen in Form bringen müssen, und spielen natürlich, da bleibt kaum Zeit die eigene Fitness zu trainieren. Dass bei so manchem die geistige Fitness rasch an ihre Grenzen stößt, erfahren wir vielen Interviews live. Ein Jahrmarkt der Eitelkeiten im „englische Woche-Rhythmus“.

Die stressigen Tourneen der Vereine, zum Beispiel nach Asien, um den Markt dort im Auswärtsspiel zu gewinnen und um die Kassen der Vereine zu füllen, schiebt man geschickt in die offiziellen Ligapausen. Zeit ist eben Geld. Wieder keine Zeit zum Trainieren. Bei genauer Betrachtung, wollen sie doch nur ihre Merchandising-Artikel verkaufen. Unter anderem Trikots für viel Geld an die Fans, die sie für ein paar läppische Kröten unter unerträglichen Arbeitsbedingungen hergestellt haben. Neuzeitliche Brot + Spiele. Stadionwurst + Lattenschuss.

Absurde Gehälter stellen die Jünglinge vor ganz neue Herausforderungen. Absurde Gehälter – die Unerwachsene zu Proleten mutieren lassen. Absurde Gehälter und Ablösesummen, die jeglichen Bezug zur Realität vermissen lassen. Gerade wurde veröffentlicht, dass die Zahl der Obdachlosen in Deutschland um 40% gestiegen ist. Ein bekannter Nationalspieler hat über 650 Paar Schuhe. In einem eigenen Raum.

Und dann das pseudosoziale Blendwerk. Die armen Bubis, die zweimal in der Woche spielen müssen, spenden überaus öffentlickeitswirksam ein paar Tausend Euro in soziale Projekte. Und hinten herum schieben sie ihre  Millionen an der Steuer vorbei in dubiose Briefkästen. Und auf der Südtribüne werden die Buben wie unsterbliche Helden verehrt. Bravo!

Da präsentiert ein Vergewaltiger seine Unterhosen-Kollektionen und wird mehrfach zum Weltfußballer gewählt. Vorbildlich! Ach ja, das mit den Unterhosen, entweder ist es nur ein überaus peinliches Versehen, dass auf die geistige Limitiertheit hinweist oder ein geni(t)aler Marketing-Schwachzug. Ein echter Schuss in die Hose!

Um die irrwitzigen Gehälter der ach so überforderten Akteure bezahlen zu können, müssen die armen Jungs gelegentlich zwei Mal die Woche spielen. Zwei Mal! Dafür können sie nach dem Spiel aber ca. sechs Mal die Schuhe wechseln. Oder zwei Mal jeden Tag. Ein ganzes Jahr. Außer den Kickschuhen selbstverständlich. Hoffentlich bekommt er vom vielen Bücken kein Rücken!

Wie sagte Giovanni Trapattoni doch so treffend: “Flasche leer!“ Ich habe fertig!

Lang lebe der Tod

Nein, nein, die November-Depri hat nicht ihr erstes Opfer gefunden! Der Nach-richter war auf einem Konzert, von dem ich einfach berichten muss. Und meinen Titel habe ich lediglich vom Konzert-Titel abgekupfert. Ja, ich war als sicher ältester Fan ever auf dem Konzert von Casper in der Stuttgarter Porsche-Arena. Freiwillig, auch wenn ich auf der persönlichen Gästeliste des Gitarristen von Casper stand. Jaja, Beziehungen sind einfach alles. Und hoffentlich habe ich noch ein paar Mal Gelegenheit dazu, denn es war richtig klasse!

Casper ist (lt. Stuttgarter Nachrichten) der: „..derzeit wohl erfolgreichste deutsche Pop-Musiker, der die größten Hallen füllt….“ Der Stil, ein Mix aus Hip-Hop, Rock und Pop. Gefällt sicher nicht jedem, aber mir! Egal. Nach-richten-swert ist allemal das Drumherum. Da bin ich als Grufti dann doch nicht mehr so am Start. Obwohl, es waren nicht ausschließlich Zahnspangen unter den ca. 10.000 textsicheren Casper-Fans. Außer mir, soweit geht die Liebe nun doch nicht.

Samstag, am späten Nachmittag nach Stuttgart fahren ist auch nicht gerade prickelnd. Besonders wenn parallel der Zirkus Krone gastiert, die Wasen noch tagt und die Läden bis 24:00Uhr geöffnet haben. Das Christkind lässt bereits grüßen. Von Stammheim bis zur Porsche-Arena haben wir genauso lange gebraucht, wie von Nonnenweier bis zur P.A.. Wir, will heißen, Sohn nebst Freund. Altersgerechte Fans. Als erfahrener Ex-In-der-Weltgeschichte-Rumkommer wusste ich natürlich wo die besten Parkplätze sind. Nur Geduld war angesagt, aber das sollte sich auf der Heimfahrt bezahlt machen. Bezahlt, im wahrsten Sinne des Wortes, denn das perfekte Parken hat seinen Preis. Aber wir haben es ja! Ruck zuck an die Kasse, den Blues abgedrückt, dass wir auf der Gästeliste stehen, Ausweis als Beweis vorzeigen, Top-Kärtchen empfangen – fertig. Die Mädels hinter uns waren schon ganz aufgeregt und wollten wissen, wie man denn an solche Karten kommt. Wir haben mangels besserer Idee den Pressebonus angeführt. Offenbar gaben sich die Mädels damit zufrieden, bewunderten aber weiterhin unser Glück für solche Plätze.

Ich reihte mich in die Schlange der Leibesvisitationen ein. Meine Priorität lag auf der Absperrgitter-Allee, an deren Trichter eine nette junge Frau mit geübten Handgriffen nach Was-weiß-denn-ich fahndete. Trotz privilegierter Karte wurde ich in die Absperrgitter-Allee nebenan umdirigiert, wo mich ein grobschlächtiger zwei mal zwei mal zwei Meter Mann aus allen Fantasien riss. #Metoo hatte sich bis Schwaben herumgesprochen und galt offensichtlich auch für das männliche Geschlecht. Mann kann eben nicht alles haben! Jetzt kurzer Rückruf bei unserem Gönner, ein quasi Familienmitglied, und die Warteposition am Fanartikelstand beziehen. Michael, unser Gönner und Gitarrist ließ nicht lange auf sich warten. Mit ein paar Bierchen zur Einstimmung.

„Das ist doch…ist das nicht… schau mal wer da steht…kann ich ein Selfie machen (früher stand man stundenlang für ein Autogramm an), bist du das auf dem Bild hier?, meine Freundin hat dich erkannt…….“ wir verschoben unser privates Gespräch auf das nächste Familienfest in Ostwestfalen. Auch nach dem Konzert war ein Treffen nicht günstig, denn mit fünf eigenen Night-Linern ging es gleich weiter nach Berlin zum nächsten Auftritt.

Wir bezogen unsere Plätze, mussten aber noch die letzten Klänge einer Vorgruppe ertragen. Von herausgehobener Position hatten wir perfekten Blick auf die tosende Masse und die Bühne  sowieso. Allen Unkenrufen zum Trotz, das Konzert begann überaus pünktlich. Kaum wurde das Licht in der Arena gedimmt, verstummte das allgemeine Gemurmel und ein frenetisches Gejohle brach aus. Zeitgleich mit einem Tinnitus-Anfall. Und es war noch keine einzige Note gespielt! Ich hatte irgendwie vergessen, wie durchdringend laut so ein Konzert sein kann. Der Pegel steigerte sich noch einmal drastisch beim ersten Klang der Instrumente und noch einmal als Casper die Bühne rockte. Die Ohrstöpsel von Formel 1 Rennen hätten garantiert für ein wenig Dämpfung gesorgt. Ein wenig!

Casper hatte die 10.000 textsicheren Brüller total im Griff. Er kasperte auf der Bühne von einem Eck ins andere. Und wenn er sie alle hopsen sehen wollte, dann hopsten alle, und streckten den Effe-Finger in die Höhe, wenn er ihn sehen wollte. Zu meiner Überraschung wussten alle welchen der zehn Finger er sehen wollte. Ohne auch nur ein einziges Wort darüber zu verlieren! Überrascht hat mich ebenso, wie viele Zuhörer und Mithopser doch Sitzplätze gebucht hatten, obwohl sie zwei Stunden ausschließlich standen oder eben hopsten. Neben der Lightshow sorgten tausende von Smartphones für ein stakkatomäßiges Blitzlicht-Gewitter. Der dazugehörige Donner prasselte bauchfellbebend unaufhörlich aus den Trommeln und Gitarren. Besonders der Pfänderbass ließ die Mitte des Körpers zwei Stunden vibrieren.

Ein Mix aus den besten Songs aller Alben begeisterte die hopsende Schar. Auch mein Lieblingslied war dabei: Perfekt. Wie der Titel schon sagt. So pünktlich wie es  begonnen hatte, so pünktlich endete das Konzert. Die Ruhe war wohltuend aber irgendwie unerwartet. Der kurze Weg zum Auto war ja geplant, und so gelang es uns vor allen die Landeshauptstadt zügig zu verlassen. Auch A8 und A5 boten freie Fahrt für freie Bürger. Ohne einen Zwischenstopp bei Burger King wären wir noch am Samstag wieder in Nonnenweier gewesen.

Griechisch-Römisch

Um gleich allen Vermutern den Wind aus den Segeln zu nehmen – Griechisch-Römisch hat aber auch gar nichts mit Römisch-Katholisch zu tun, auch wenn es zu meinen Lieblings-Nach-richten-Themen zählt. Griechisch-Römisch ist ein Stil der Sportart Ringen. Und im Moment ringen ja die Jamaikaner um einen Koalitionsvertrag. Man ringt weniger um seine Wahl-Versprechen durchzusetzen, sondern eher um Formulierungen, wie man es den Dummerchen, den Wählern, weiß machen kann, dass ja alles gar nicht so geht, wie man vor der Wahl gedachte hatte. Und auch fixierte Ziele sind eigentlich unrealistisch. Man könne ja fixe Ziele nicht einhalten, dann geht man mit losen Absichten schon gar keine Risiken ein. Für die Farbe der Hoffnung „Grün“ müssen wir uns nun wohl doch eine Alternative suchen.

Es gibt noch weitere Parameter, die mit dem Ringen im Sport als Beispiel herhalten können. Bei Griechisch-Römisch sind ausschließlich Griffe oberhalb der Gürtellinie erlaubt. Im Wahlkampf hingegen ringt man im sogenannten Freistil – also auch unterhalb derselben. Da ist man ja auch noch frei im Stil seiner Aussagen. Oder so ähnlich. Soweit so grün.

Auch bei den anderen Parteien, die ihre Farben zu Jamaika beimischen, gibt es interessante Verhaltensmuster. Unser Phönix aus der Asche, trägt seinen Erfolg mit weithin sichtbarer Arroganz zur Schau. Sie quillt quasi aus allen Poren. Gott sei Dank gibt es noch kein Geruchs-TV, denn Eigenlob stinkt bekanntlich! Es besteht aber auch ein eklatanter Nachholbedarf seit er aus dem Abseits der politischen Bedeutungslosigkeit auferstanden ist. Erfolg vom Scheitel bis zur Sohle. Selbst die Anpflanzungen seines Schopfes treiben aus – bis hin zur Kinnpartie. Bitte schön, da bin ich wieder.

Am interessantesten finde ich, wie sich dieses Furunkel am politischen Aussitz-Körperteil der Union aufspielt. Mit ihren lächerlichen sechs Prozent (bundesweit) ziehen sie ihren Freistil erbarmungslos weiter durch. Haben sie womöglich noch nicht gemerkt, dass die Wahl bereits gelaufen ist? Und allen voran der  Dobrindt. Ausgerechnet Mauti Dobrindt. Rechnet der sich etwa schon wieder was aus? Schließlich ist aus Vollhorst ja nur noch Halbvollhorst geworden. Oder besser Halbleerhorst? Da geht doch sicher was! Oder?

Bei Mutti ist alles beim alten. Erst mal in Ruhe abwarten und dann geschmeidig anpassen. Wenn sich die anderen verausgabt haben, schlägt Mutti zu. Geübt in diversen Wendemanövern steuert sie ihr Schäflein ins Trockene. Und ihr Generalsekretär ist offensichtlich umgetauft worden: Aus Tauber ist Stummer geworden. Ganz ehrlich: Ist auch nicht das Schlechteste! Na dann ver-handelt mal schön weiter. Ihr hört von mir!

Wo ist Alice?

Es sind zwar schon einige Tage vergangen, aber ich muss doch noch ein paar Worte verlieren, zum: Welttag des Mannes und #metoo. Irgendwie hängt dies ja auf absonderliche Art zusammen. Der Welttag des Mannes degeneriert mittlerweile zu einem besonderen Artenschutztag. So kommt es mir vor, wenn Mann den Medien der letzten Wochen folgt. #metoo drängt den Mann in eine Ecke, in der er entweder versauert, oder reumütig zu Kreuze kriecht. Und da stellt sich mir die alles entscheidende Frage: Wo ist Alice?

Alice Schwarzer, die sonst mit ihren Emanzipations-Tentakel beim Talkshow-Hopping mäandert, und ihre Giftfeile gegen Männer schleudert, ist total untergetaucht. Hat sie sich bei dem Prozess der Causa Jörg Kachelmann hormonell verausgabt? Oder sind es die Millionen, die sie als unbrave Steuerzahlerin hinterzogen hat. Ok, von anzüglichen Avancen kann sie sicher aus persönlichen Erfahrungen nicht mitreden. Obwohl sie sonst davor ja nie zurückgeschreckt hat. Dem Mitreden selbstverständlich!

Welche Frau noch nie Komplimente bekommen hat, für Augen und Aussehen, für Frisur oder Figur, ihr noch nie geholfen wurde, beim An- und Ausziehen, die tut mir aufrichtig leid! Sie verpasst die schönsten Momente menschlicher Nähe. Verpasst das Kribbeln im Bauch. Und schaut euch bitte um – wo wären wir alle ohne die ersten Komplimente? Ausgestorben!

Gute Weine haben in den Flaschen generell einen Bodensatz: Sogenannten Weinstein! Wie im richtigen Leben. Jetzt hat offensichtlich jede Flasche ein Depot. Erst beschränkte man sich auf die Asylanten auf dem Kölner Domplatz (nicht die Schwarzen im Dom!), dann unisono auf die beschränkten Vorgesetzten, und jetzt auf alle Männer. Männer sind Schweine! Jeder Dritte sagt eine Statistik, die ich nicht gefälscht habe. Also du nicht, und du auch nicht, also ich? Ene meme muh und ein Sexist bist du!

Sind Zoten bereits anzüglich? Oder der tiefe Blick in die Augen auszüglich? Ist ein freundliches Lächeln visuelles Grabschen? Sind die Küsschen zur Begrüßung der Anfang vom Ende einer langen Freundschaft? Kommt die Einladung zu einem Gläschen Prosecco dem Griff zu einem Schierlingsbecher gleich? Wenn ich mir einen zur Brust nehme, schiebe ich dann vorher oder nachher Frust? Ich formulierte bewusst „einen“! So, jetzt soll es dann aber auch genug sein. Im wahrsten Sinne des Wortes. In zwei bis drei Wochen wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben.

 

Feiertage für alle!

Man kommt ja gar nicht mehr nach, mit dem Nach-richten! Die Absurditäten erreichen Höchstwerte auf der nach oben offenen Richtens-Skala. Ein begnadeter Noch-Regierungs-Bankdrücker, Thomas de Misere, hatte eine Erleuchtung, und erklärte, man könne doch einen muslemischen Feiertag einführen. Als bekennender Atheist fordere ich jetzt – gleiches Recht für alle – auch einen Feiertag! Im Grundgesetz ist mir nämlich die Religions- respektive Glaubensfreiheit garantiert.

Gestreng nach dem Wortlaut bedeutet Religions- respektive Glaubensfreiheit doch: Frei von Religionen respektive Glauben. Gut, dass Glauben logischerweise Wissen ausschließt, das habe ich schon an anderer Stelle ausführlich behandelt. Und Freiheit von Religionen respektive Glauben ist demzufolge = Atheismus. Und somit fordere ich Gleichberechtigung in Form eines Feiertages zur Befreiung von der Tyrannei von Religionen! So!

Man führe sich einmal vor Augen, was der Menschheit im Laufe der Jahrtausende alles erspart geblieben wäre, wenn es keine Religionen gäbe. Kriege, Unterdrückung, Leid und Elend hätten weniger Nährboden. Ein einziger Blick in die Nachrichten beweist, dass sich diese These bis heute bewahrheitet. Leider! Und man stelle sich vor, welch paradiesisches Leben die unzähligen Jungfrauen führen könnten, wenn sie sich nicht um die zu Hack zerbombten Märtyrer kümmern müssten.

Hungersnöte in der Welt, besonders in der Dritten Welt, wären unbekannt, wenn die Religionsvereine an Stelle „Brot für die Welt“ lieber Lümmeltüten und andere Verhütungsmittel sammeln würden. Dann wäre Brotsammeln überflüssig!

Und man richte, bzw. rechne einmal nach, wieviel wir den Bedürftigen zur Verfügung stellen könnten, wenn die Religionsvereine nicht ihre enormen Einnahmen über Briefkastenfirmen in Steueroasen schleusen würden. Dann gäbe es keine Schleuser, die die ärmsten der Armen und Kriegsopfer sogar im doppelten Sinne, sehenden Auges in den Tod schleusen. Ohne jede Aussicht auf nur eine einzige Jungfrau. Und die Religionsvereine werden zum Dank dafür noch mit hunderten von Millionen vom Staat belohnt. Also von unseren Steuergeldern, die wir brav zahlen.

Apropos Jungfrauen und Jungmänner: Wie vielen Kindern und Jugendlichen beiderlei Geschlechtes wäre seelisches und körperliches Leid erspart geblieben? Was hier noch unter dem Deckmäntelchen (welch unglaublich treffender Begriff!) im Verborgenen schlummert möchte ich lieber nicht wissen. Oder gerade doch. Ich plädiere: Hoch die Kutten!

Und diese ganzen Missetaten sollen wir auch noch gebührend feiern? Nimmt man einmal eine Religion heraus, die unser Leben seit Generationen ausbeutet, die Christen, dann offenbaren sich nun wirklich genug verurteilenswerte Übeltäter statt Wohltäter.

Eine weitere Forderung von mir wäre: Andechser statt Andacht. Freibier für alle. Besonders für Atheisten. Sie sind doch sicher keine Minderheit mehr und fordern Gleichberechtigung. Quotenatheisten in der CDU / CSU. Das wär’s doch! Gerade schießt mir durch den Kopf, es gibt doch auch Satanisten. Wie ich ausgerechnet jetzt, bei dem Thema CSU darauf komme kann ich nicht nachvollziehbar erklären. Es gibt eben Dinge zwischen Himmel und Erde, die sollten wir so hinnehmen, wie sie sind. Punkt, Komma, Amen.

P.S.: Der Liebe Gott, oder Allah, oder Buddha, oder wer auch immer möge mir verzeihen. Aber es wird so viel Schindluder in seinem Namen getrieben, dass es auf keine Kuhhaut mehr passt. Sei sie auch noch so heilig.

Rund um den Kaiserstuhl.

Dreihundertundvierundsechzig Meter hoch ist der aus roten Ziegeln gemauerte Schornstein eines Kohlekraftwerkes in Slowenien! Warum sage ich euch das? Ganz einfach, ich musste mir es auch anhören. Geteiltes Leid ist nun mal halbes Leid! Doch lasst mich von vorn beginnen.

Es war alles gerichtet für die erste gemeinsame Radtour als Rentner-Ehepaar. Zwei Tage Kaiserstuhl: Zum, Drumherum und zurück. Ordentlich wie ich nun mal bin, stand ein letzter technischer Check auf der To Do Liste. Die Satteltaschen waren gepackt, Kartenmaterial griffbereit, vollgetankt und Kette geölt, Lichtlein leuchten lassen (Obwohl keine Nachtetappe geplant war. Aber man weiß ja nie!), Probeklingeln und Luft aufpumpen. Das Schicksal nahm seinen Lauf, als das Ventil am Damenrad vorn die Luft nicht mehr halten konnte. Unter Ausstoßen von Verwünschungen, die nicht kinderzimmertauglich waren und auf eine nachlässige Erziehung schließen ließen, schob ich das Rad zum ortsansässigen Fahrradladen. In der Hoffnung passendes Schlauchwerk erwerben zu können. Der Besitzer, ein ausgewiesener Zweiradgeselle, eine Seele von Mensch, aber eben auch der Erfinder der Slowmotion. Da hätte ich aber großes Glück, dass ich ihn anträfe, er sei gestern erst aus Slowenien zurückgekommen. Und eigentlich physisch und psychisch noch nicht in der Verfassung seinem Handwerk nachzugehen. Als quasi Nachbar, und durch die Kenntnis unseres Reiseplanes bot er augenblicklich seine handwerklichen Fähigkeiten an. Das Damenrad und ich arbeiteten uns schon mal in die Werkstatt vor. Ein schier unglaubliches Arsenal an Schrauben und Muttern, Bremszügen und Lampen, verrosteten Pedalen und Gepäckträgern, Felgen mit Achtern und Ketten, Ketten, Ketten und noch einmal Ketten. Ich fasste sofort großes Vertrauen in den Zweiradgesellen meiner Wahl. Nach Sichtung des Malheurs begann er mit einem ausführlichen Reisebericht aus Slowenien. Wohin, warum, wie lange, Fahrtzeit, Freundlichkeit der Eingeborenen, Höhen von Schornsteinen eines Kohlekraftwerkes etc.. Nur ein flüchtiger Blick auf die Uhr spornte ihn an, sich im Laden, der eine Ewigkeit von der Werkstatt entfernt, vorne an der Hauptstraße lag, um sich nach einem passenden Schlauch mit intaktem Ventil umzuschauen. Nach der glücklichen Rückkehr genehmigte er sich erst einmal eine wohlverdiente Beruhigungszigarette, eher er sich intensiv dem Vorderrad widmete. Flugs war der Reifen von der Felge, der defekte Schlauch entfernt, des Übels Kern ausführlich begutachtet und unter Kopfschütteln in eine Kiste geworfen, in der haufenweise defekte Schläuche ein schlauchunwürdiges Dasein fristeten. Staub wirbelte auf. Nachdem die Sicht wieder frei war, folgte der fachgerechte Einbau des neuen Reifens. In wenigen Minuten war auch der Kompressor hochgefahren. Unter Schnaufen und Stöhnen, aber mit dem erforderlichen Druck wurde der Pneu unerwartet schnell in Fahrbereitschaft versetzt. Irgendwie hielt das Ergebnis dem prüfenden Blick des munteren Gesellen jedoch nicht stand. Bis zu drei Mal wiederholte sich die Prozedur, so dass ich allein vom Zuschauen eine Zweirad-Gesellenprüfung mit Summa Cum Laude hätte abschließen können.

Mit Entsetzen nahm der Reparateur die porösen Stellen des Mantels wahr. Seine Ehre als erfahrener Handwerker ließ es nicht zu, uns mit einem porösen Mantel zur Kaiserstuhlumrundung zu entlassen. Es war Gottes Fügung, dass er ein passendes Exemplar im Laden aus einem Regal aus der Jahrhundertwende kramte. Nach einer obligatorischen Beruhigungszigarette waren der poröse Mantel entsorgt, der neue montiert, die Luft eingeschnauft und der Prüfblick abgeschlossen. Mir blieb verborgen, was ihn zu einem erneuten Anlauf des gesamten Montagevorganges bewegte. Auch dann noch, als sich der Vorgang mehrere Male wiederholte. Ich beschloss nicht nach dem Grund zu fragen, da die gutgemeinten Erklärungen das jähe Ende unseres Planes bedeutet hätten. Irgendwie und irgendwann war das Werk vollbracht. Nur noch rasch das Vorderrad noch einmal ausbauen, die Profilrichtung entsprach nicht der Fahrtrichtung. Oder so. Als absoluter Fachmann für Zweiradtechnik und gemauerten Ziegelschornsteinen von slowenischen Kohlekraftwerken trat ich schließlich den Heimweg an. Ich wäre mittlerweile um eine ganze Schachtel Beruhigungszigaretten froh gewesen. Der Nichtraucher in mir siegte allerdings.

Meine Radelpartnerin und Ehefrau erwartete mich sehnsüchtig, abfahrbereit auf dem Hof. Die Satteltaschen waren im Handumdrehen angebracht. Es konnte losgehen. Es ist müßig zu erwähnen, dass mir die Rolle als Sherpa zufiel. Entgegen der Fliessrichtung des Rheins radelten wir, bei strahlendem Sonnenschein gen Kaiserstuhl. Ich hatte ausreichend Zeit von dem Werkstattaufenthalt zu berichten und die Höhe des gemauerten Ziegelschornsteins eines slowenischen Kohlekraftwerkes exakt verbal zu beschreiben.

Nach ein paar unwesentlichen Umwegen steuerten wir schließlich unser erstes Etappenziel an: Die Eisbude in Königschaffhausen. Die Köstlichkeiten der geadelten Eismanufaktur versüßten uns den warmen Herbsttag zusätzlich. Unweit der Eisbude begaben wir uns auf den Kaiserstuhlradrundweg. Obwohl es ein normaler Werktag war, nutzten offensichtlich diverse Artgenossen den goldenen Herbsttag, um ebenfalls diese Tour zu genießen. Wie Albert Einstein dereinst die Formel (e=mc²) entwickelte, kann ich die Rechte für das folgende Forschungs-Ergebnis anmelden (>60=e+). Mit unseren durch pure Muskelkraft angetriebenen Velos bildeten wir eine geduldete Minderheit. Quasi Relikte aus einer vorgeschichtlichen, akkulosen Ära. Im Schatten eines knorrigen Apfelbaumes genehmigten wir uns ein paar liebevoll gerichtete Schnittchen. Zweites Etappenziel war Breisach. Mit dem Glück des Tüchtigen ergatterten wir im Nu einen freien Platz im Café Ihringer. Die beiden jungen Mädchen störten uns nicht. Sie hatten wichtige Probleme zu klären, etwa welche Schuhe zu dem neuen Kleidchen passen würden. Die sauer gespritzten Biere zischten erquicklich und die Sonne hatte bereits an Strahlkraft eingebüßt, neigte sich langsam in Richtung Horizont. Ohne Eile genossen wir die letzten Strahlen, bevor wir uns aufmachten die letzten sechs Kilometer zum Hotel in Angriff zu nehmen.

Frisch geduscht und mit der Rückkehr des Tatendranges eroberten wir die City von Ihringen. Die Suche nach einem guten Lokal entpuppte sich als nicht ganz so leicht. Montage wurden auch am Kaiserstuhl gerne als Ruhetage genutzt. Wir landeten schließlich in einem Weinlokal (welch Zufall in Ihringen!). Mit einem knackigen Salat, Hechtklößchen, Zander auf der Haut gebraten und auf Weinsauerkraut gebettet, dazu ein ordentlicher Riesling versöhnte uns mit den Erinnerungen an gemauerte Ziegelschornsteine von slowenischen Kohlekraftwerke. Der hochwohlverdiente Erholungsschlaf war nur von kurzer Dauer. Unser Zimmer lag zur Straßenseite. Es erinnerte uns leidvoll daran, dass es ja auch noch eine arbeitende Schicht der Bevölkerung gibt. Das Frühstücksbuffett war im Internet korrekt beschrieben: Reichhaltig.

Der zweite Teil der Route war eindeutig der schönere. Und so radelten wir zufrieden und gemütlich gen Riegel, und von da wieder in Richtung gelobtes Land. Ohne besondere Vorkommnisse erreichten wir wieder Haus und Hof. Nun stand uns nur noch ein Opfergang bevor: Die Reparatur des Damenrades musste noch beglichen werden, da ich ohne Geldbeutel die Tatkraft und den Schlauch mit intaktem Ventil des Zweiradgesellen heimsuchte. An eine derartige Erweiterung der Dienstleistung hatte ich in meinen kühnsten Visionen nicht träumen wollen. Besagter vertraute auf unsere Redlichkeit und stundete uns den Betrag bis zu unserer Rückkehr. Da ich die Geschichten um den gemauerten Ziegelschornstein eines slowenischen Kohlekraftwerkes schon live erlebt hatte, ließ ich gönnend und ganz Kavalier alter Schule meiner Frau den Vortritt, um die offene Rechnung zu begleichen. Leider fand sich offensichtlich keine Zeit für einen ausführlichen Erlebnisbericht. Sonst waren es zwei wundervolle Tage. Eine Neuauflage zur Kirsch- bzw. Apfelblüte wurde schon mal angedacht. Kommt Zeit, kommt Rad.

Ja Maika

Die Fleischtöpfe zum Greifen nah, da kann man schon mal die Pinsel klar machen, um die roten Linien zu übertünchen. Zuerst ganz großes Gezeter, brutalst mögliche Verhandlungen und spätestens wenn die Pöstchen paritätisch bzw. nach Proporz verteilt sind, ist alles Friede, Freude, Eierkuchen. Jeder, ich wiederhole: Jeder hat selbstverständlich seine Positionen in den Koalitionsvertrag eingebracht, dabei die roten Linien höchstens tangiert, aber keinesfalls übersprungen! Vielleicht ein wenig verschoben. Na gut, aus politischer Verantwortung. Zum Wohle des Volkes. Wie wahre Samariter zu unserem Wohl. Na dann Prost.

Warum heißen die „roten Linien“ eigentlich „rote Linie“? Sind doch die allseits bekannten, begrenzenden Linien generell in strahlendem Weiß! Auf unseren Straßen, auf Tennis- und Fußballplätzen, selbst auf Spiegeln oder Silbertabletts, bereit von gierigen Näschen aufgesogen zu werden. Aber in rot? Noch nicht einmal die Schamesröte treibt es den Partizipanten ins Antlitz!

Auch der Glanz früherer Abgeordneter ist verblasst. Was tummeln sich heute doch für Charaktere in den Gremien? Aus Jamaika wird das ganze Spektrum eines Regenbogens! Rollstuhlfahrer müssen wahrscheinlich Bankrotteuren weichen, Fremdväter schwören auf die heilige Bibel und sogar Volksvertreter mit frisch gepflanztem Fremdhaar bedienen sich am Kabinettstisch. Wenn man doch auch Hirn verpflanzen könnte! Ganz nebenbei: Und um noch einmal auf Jamaika zurückzukommen, die weißen Linien, die fürs Näschen, sind mir als allererstes eingefallen. Und dann Dreadlocks! Aber nein – das Kopfkino schalte ich jetzt mal schnell wieder aus. Stellt euch mal Mutti mit Dreadlocks vor. Oder Vollhorst. Oder Flintenuschi mit einem gehäkelten Mützchen in Koalitionsfarben über dem blonden Schutzhelm. Oder Kauder mit einem Tütchen im Mundwinkel. Alpträume werden mich verfolgen! Hoffentlich nicht die ganze Legislaturperiode. Bei dem einen oder anderen Mandatsträger könnte man ja schon meinen, dass Joints den Verstand vernebelt hätten. Als ob Jamaika schon vor den Verhandlungen zur Realität geworden wäre. Da schweben einige durch Raum und Zeit und haben jeden festen Boden unter den Füssen verloren. Peter Michael Tauber zum Beispiel. Und Toni Hofreiter hat sich schon beizeiten auf diese Koalition angepasst. Frisurmäßig jedenfalls. Sofern man hier von Frisur sprechen kann! Da ist mein besonderer Freund B.Scheuert schon perfekter zurechtgegelt. Glattes Haar passend zu aalglattem Auftreten.

Ich hör jetzt auf. Zu schreiben. Die Bilder im Kopf überschlagen sich nämlich. Man sieht sich.

 

 

Auf dem Hohlweg!

In einer bisher nie dagewesenen Besetzung haben wir uns auf den Hohlweg begeben. Es war Sonntag, nach dem Kirchgang, wenn den Gesangbüchern langsam Henkel wachsen, als das Motto hieß: „Auf die Plätze, fertig, Löss!“ Wenn jetzt ein Raunen durch die Leserschaft geht, dann mit Recht! Ich möchte die Unwissenden aber nicht länger auf die Folter spannen. Was will uns das obige Motto sagen? Ganz simpel, es handelt sich um die legendären Lösshohlrundwanderwege! Wer schon gemutmaßt hatte, bei der Überschrift handelt es sich um einen Schreibfehler, und es sollte „Holzweg“ heißen, der begab sich umgehend auf denselben! Löss ist ein ockergelbes, samtweiches und flaumleichtes Gestein, aus dem der Kaiserstuhl zum Großteil besteht. Dolomitenstaub, sagt man soll es sein. Sagt man. Wie auch immer, in diesen Gesteins-Formationen haben Wind und Wetter Hohlwege gefräst, die inmitten der Weinberge einfach so herumschluchten.

Durch eben diese Lösshohlrundwanderwege wandert man so dahin, bestaunt die Bewohner des samtweichen und flaumleichten Materials, und liest die Täfelchen am Rande, um zu wissen, was ihr jetzt auch wisst. Da die Lösshohlwege stetig ansteigen liest derjenige laut vor, der noch über ausreichend Puste verfügt, oder seine Lesebrille nicht vergessen hat. So wie ich. Dafür trug ich mein neues Schuhwerk! E-Wanderschuhe, die mich hermesgleich noch oben tragen. Die biodynamische Federung nutzt dabei die Energie des Drucks der Fusssohlen auf die stoß-absorbierenden Einlagen, um sie augenblicklich wieder dem Auftrieb zuzuführen. Oder so. Ähnlich einem Perpetuum Mobile, wobei optional noch der Fussschweiß über Wärmetauscher für Frischluft im Goretex-Geläuf sorgen soll. Bei mir muss die App für diese Funktion allerdings noch nicht aktiviert worden sein. Wie auch immer.

Auf jeden Fall startet man an der WG in Bickensohl, weil sich der Ortsname am besten auf Hohl reimt. Wenn man zur Linken auf die Gartenwirtschaft schaut sollte man keine allzu großen Erwartungen und Gelüste an die Rast nach der Rückkehr setzen. Wer nach einem kühlen, erfrischenden Bierchen schmachtet, gerne auch mit einem Schuss Mineralwasser versetzt, der mögen seine Erwartungen nicht allzu hoch hängen. Die schöne Gartenwirtschaft ist kein Biergarten, sondern ein Weingarten! Es war zum Weinen, denn unbefriedigter Durst kann die Laune schon ganz schön in die Knie zwingen. Gegenüber, auf der Terrasse des Rebstocks, gab es zwar Bierchen in allen Größen und Verdünnungsvarianten, allerdings war der Koch krank, und die Karte auf ein paar Hungerstiller reduziert, die das verbleibende Personal ohne zertifizierte Ausbildung zuzubereiten im Stande war. Die Atmosphäre der Terrasse glich dem Bahnhofsvorplatz in Castrop-Rauxel.

Etliche Informationsschilder weiter verließen wir die Hohlwege, die man jetzt hätte auch Höhenwege taufen können, und erhielt freie Blicke auf die bunte herbstliche Terrassen-Reblandschaft. Die freien Blicke auf die Terrassen-Reblandschaft wurde bei jeder, ich wiederhole: Jeder, Gelegenheit schamlos ausgenutzt. Mir zwang sich der Eindruck auf, dass es mehr freie Blicke als gewanderte Schritte sein mussten. Und jedes Mal brach die Wandergruppe in schieres Entzücken aus. Dabei änderte sich das Panorama nur in Nuancen, die Bewunderung aber blieb konstant auf dem hohen Level. Ich musste meine neuen E-Wanderschuhe bremsen, um nicht ohne mich davon zu stürmen. Bereits auf der Hälfte der Strecke wurden wir mit der Ausblickbewunderungs-Medaille in Silber ausgezeichnet. Jeder erhielt eine Plakette, die in Wanderstabform gebogen war, incl. zwei Mininägelchen aus Messing. Das Hämmerchen zur Befestigung der Plakette muss hauseigen gestellt werden.

Das Bergfest fand hingegen meine vollste Bewunderung! In den Rucksäcken der Wandergruppe verbargen sich wahre Köstlichkeiten: Camembert, zum Dahinfließen, ein Stück Hartkäse, verschiedene frische Weckle, Salami in Miniformat und mit Pfefferkörnern in mundgerechten Scheiben, und: Eine Flasche französischer Rotwein, der sich alsbald als wahrer Gaumenschmeichler entpuppte. Aus den Tiefen der Rucksäcke zauberten die durstigen und hungrigen Seelen dann auch noch Weingläser aus Glas, mit Stil. Hat das nicht Stil? Mit jedem Schluck waren die Strapazen der Erklimmungen vergessen, aber der Glanz in den Augen bei den nachfolgenden freien Blicken auf die herbstliche Landschaft der Weinterrassen gewann weiter, durch die Wirkung des Rotweines, an Euphorie.

Wider alle Berauschungen an herbstlichen Farben, Gerüchen und freien Blicken fanden wir zu guter Letzt noch freie Plätze für Speis und Trank. Muse, um all die herbstlichen Eindrücke noch einmal Revue passieren zu lassen. Gesättigt und rundherum zufrieden ging es wieder gen Heimat. Die Frage nach dem obligatorischen Absacker wurde ohne lange Bedenkzeit dankend angenommen. Und so klang der schöne Tag mit Koalitionsverhandlungen und Aufarbeitung der Wahlergebnisse, mit den abnormalen Leistungen des Ironman und den unwiderlegbaren Vorteilen des Daseins als Bestager harmonisch aus. Morgen fahren Gattin, geliebte, und ich mit dem Fahrrad zum Kaiserstuhl, um den Kaiserstuhl herum, und wieder zurück. Na dann viel Spaß!

 

Wind von vorn!

Der Herbst hat auch seine schönen, bunten Seiten. Blättermäßig. Aber auch seine grauen Seiten. Auch blättermäßig. Und allzu gerne gehen das welke Laub und die herbstlichen Winde Hand in Hand übers Land! Grad zu leid aller Baum- und Buscheigner. Und wer schon einmal Laub gerecht hat, der weiß wovon ich spreche. Ganz nebenbei fällt mir völlig ungeplant auf – ob man Laub überhaupt rechen kann? Was hat es angestellt, außer Wege, Vorgärten, Nachgärten und sonstiges Gelände zu verunreinigen. Da erkenne ich keinen Grund jemanden zu rechen. Höchstens am Baum, der sich auf hinterhältige Art und Weise seiner bunten Pracht entledigt hat. Aber sonst?

Wer jetzt denkt: „Na warte, die Rache ist mein!“, dem sei mal gleich der Herbstwind aus den Segeln genommen: „Ätsch, war pure Absicht!“ Es bot sich halt phonetisch geradezu an. Aber zurück zum Thema.

Man recht also gemütlich so vor sich hin, scharrt ein colouriges Häuflein gelber, beiger, orangener und roter, sowie braunen Blätter zusammen und erfreut sich der Farbenpracht. Und dann? Dann bläst einer dieser blöden Herbstlüftchen in den Haufen, und die ganze Mühe ist eben nicht im Eimer! Der Wettlauf beginnt von vorn, bevor es: A) dunkel wird, und B) sich das Blattwerk in der gesamten Nachbarschaft herumtreibt. In der Regel wiederholt sich dieses Spielchen mehrfach, und die Freude über das ganze Farbspektrum kann zusehends kippen. Erste Rachegefühle keimen. Womit wir wieder beim Thema wären! 

Der Wind, der böse, bläst den Rechern ein übles Schnippchen. Er, der Wind, ist also ein unberechenbarer Laubbläser, wenn man es mal so betrachten will! Und damit kommen wir zum Kern des Berichtes: Dem Laubbläser an sich. Während der meteorologische Laubbläser ausschließlich blasen kann, können die elektromechanischen Laubbläser auch saugen. Sie müssten folgerichtig dann auch Laubsauger oder laubsaugende Laubbläser heißen, oder auch umgekehrt. Jeder wie er will. Ich persönlich bevorzuge Laubsauger, weil Laubbläser nicht den besten Ruf genießen. Obwohl es unter dem Strich ja eigentlich Wurscht ist.

 Ich weiß genau, dass jetzt ein Aufschrei durch die Gemeinde geht, aber ich bin bekennender Laubsauger! Die nachbarschaftlichen Proteste überhöre ich einfach – schon wegen der beeindruckenden Lautstärke meines Viking. Den Gurt lässig über der Schulter, den Auffangsack für das gehäckselte Laub unter dem Arm, wie bei einem Dudelsack, lasse ich Saugen. Bis das letzte Blatt, in unzählige kleine Blattstückchen zerfetzt im Sack ist! Und damit trotze ich allen Winden, egal aus welcher Richtung sie auch wehen. Ein wahrer Fels in der stürmischen Herbstbrandung.

 

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