{"id":964,"date":"2025-04-14T13:01:34","date_gmt":"2025-04-14T11:01:34","guid":{"rendered":"https:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=964"},"modified":"2025-04-14T13:01:34","modified_gmt":"2025-04-14T11:01:34","slug":"imaginarium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=964","title":{"rendered":"Imaginarium"},"content":{"rendered":"<p>War es F\u00fcgung oder einfach Gl\u00fcck? Auf jeden Fall haben wir mit der Ver\u00e4u\u00dferung unserer Immobilie neue Freunde gewonnen! Gut, man k\u00f6nnte jetzt annehmen, dass wir unsere Immobilie zu g\u00fcnstig verkauft haben. Aber sei`s drum!<\/p>\n<p>Wie dem auch sei, diese neuen Freunde haben sich als echte Bereicherung f\u00fcr unser Leben ergeben. Der eine, ein geschickter Wirklichallesk\u00f6nner, der andere ein Musikus. Beide auf ihre Art haben unseren Horizont erweitert. Menschlich, technisch und musikalisch. Wenn es r\u00fcckwirkend Kindergeld geben w\u00fcrde, st\u00fcnde einer Adoption nichts im Wege!<\/p>\n<p>In die neue Welt der Kl\u00e4nge sind wir, im wahrsten Sinne des Wortes, mit Pauken und Trompeten geraten. War uns bisher ein gewisser Radetzky beim ersten Gedanken als Torwart bei Bayer Leverkusen ein Begriff, mahnte uns, nach tieferer Recherche, \u00a0Radetzky vor Marschmusik, der wir nun wirklich recht wenig abgewinnen k\u00f6nnen. Wahrscheinlich hatte er, Radetzky, seinen Truppen den Marsch geblasen und so vom Gleichschritt zum Gleichklang zu gelangen.<\/p>\n<p>Womit wir beim Thema w\u00e4ren, der Blasmusik. Unser Musikus ist n\u00e4mlich Dirigent. Und, richtig, f\u00fcr symphonische Blasmusik-Orchester. Auf Dauer lie\u00df sich demzufolge der Besuch eines Konzertes nicht vermeiden. Als Jazz- und Ramstein-Fan waren die Erwartungen eher \u00fcbersichtlich. Radetzky marschierte im Hinterkopf! Doch weit gefehlt, mit milit\u00e4rischen Weisen hatte das alles sehr wenig gemein! Das musikalische Panorama erweiterte unsere Sichtweise auf Blasmusik farbig und nachhaltig.<\/p>\n<p>Inzwischen durften wir verschiedene Darbietungen genie\u00dfen. Vor Beginn ein Sektchen oder Feierabendbier im Foyer, in der Pause noch ein schneller Aufguss. Derart gest\u00e4rkt konnte man sich ganz locker fallen lassen, der Harmonie und den Kl\u00e4ngen der Instrumente hingeben.<\/p>\n<p>Ja, auch ich hatte bereits praktische Erfahrungen als Blasmusikant. Als junger Heranwachsender versuchte ein verzweifelter Musiklehrer (Harry Labsch, derzeit schon Fahrer eines 2CV! Und Baskenm\u00fctzentr\u00e4ger!) mir die Fl\u00f6tent\u00f6ne beizubringen. Hohner C! Das h\u00f6lzerne Instrument musste man noch mit den zarten Fingerchen und einem Wechselspiel zwischen Zuhalten und \u00d6ffnen diverser L\u00f6chlein zu h\u00f6rbaren Kl\u00e4ngen animieren. Was mir, nur bedingt gelang. Radetzky war mir bis dato noch kein Begriff. Weder als Marschbl\u00e4ser noch als Torwart!<\/p>\n<p>Mangels Zuneigung, erforderlicher Hingabe und auch anderer, erstrebenswerteren \u00a0Zielen in der Freizeitgestaltung endete meine Karriere ger\u00e4uschlos. Und, ganz ehrlich, wer einmal den Dresdner Christkindlesmarkt besucht hat, und aus jedem Stand mit kindlich naiven Weihnachtsweisen aus h\u00f6lzernen Hohner C beschallt wurde, der kann sicher meine gewisse Reserviertheit nachvollziehen!<\/p>\n<p>Tief eingetaucht in ein Blasmusikkonzert blieb mir die Muse, den Akteuren meine besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Mit elementaren Erkenntnissen. Bei der ersten ging mein Weltbild in Sachen Fl\u00f6ten fl\u00f6ten. Die H\u00f6lzernen waren aus Metall. Und, sind ganz offensichtlich, ausschlie\u00dflich der Damenriege vorbehalten, da sie einer gef\u00fchlvollen Handhabung bed\u00fcrfen. Auch die L\u00f6chlein waren gestrig. Die ehernen L\u00f6chlein sind durch kleine Deckelchen verschlossen, die sich lustig, je nach gew\u00fcnschtem Ton, \u00f6ffnen und schlie\u00dfen lassen. Und nur quer! Alle Fl\u00f6ten nur quer! Und nur, von der Nasenspitze aus gesehen, nach rechts. Ob es spezielle Fl\u00f6ten mit Linksanschlag gibt, ist mir leider nicht gel\u00e4ufig. Es ist m\u00f6glich, dass der Rechtsanschlag sich in die Welt der Fl\u00f6tent\u00f6ne eingeschlichen hat, so wie Fahrradst\u00e4nder grunds\u00e4tzlich links angebracht sind.<\/p>\n<p>Die nette Annette an der Klarinette entlockte dem Instrument die T\u00f6ne in althergebrachter Haltung, im rechten Winkel zur Bl\u00e4serin-Mittelscheitel. Ja, auch dieses Instrument findet sich nahezu ausschlie\u00dflich in Damenm\u00fcndern wieder.<\/p>\n<p>Genderm\u00e4\u00dfig \u00f6ffnen sich die Musikanten erst bei den Saxophonen. Der wesentliche, gewichtige Teil der Klangk\u00f6rper ruht zwischen den Oberschenkeln, was auch darauf schlie\u00dfen l\u00e4sst, dass man aus anz\u00fcglichen Gr\u00fcnden, das \u201eck\u201c durch ein \u201ex\u201c ersetzt hat. Was nat\u00fcrlich ebenfalls durch den wachsenden Anteil von spielenden Damen begr\u00fcndet zu sein scheint.<\/p>\n<p>Je gr\u00f6\u00dfer das Instrument, desto m\u00e4nnlicher die Bl\u00e4ser. Hier l\u00e4sst sich eine eigenwillige Einbringung der Luft beobachten. Manche bl\u00e4hen ihre Backen auf, wie Ochsenfr\u00f6sche in der Brunst. Die anderen generieren ihre Puste offensichtlich aus verborgenen internen Speichern.<\/p>\n<p>Keine Blasmusik ohne Schlagzeuge aller Art. Hier dominieren die Herren an den Kl\u00f6ppeln. Auf Trommeln, Bongos, Becken und Gongs wird kr\u00e4ftig eingeschlagen und auch der letzte wegged\u00f6ste Teil der Zuh\u00f6rer schreckt wieder aus seinem Delirium, um den Genuss der Darbietungen aufmerksam weiter verfolgen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mit meinen Gedanken noch auf die Moderatoren zu sprechen kommen. Die einzelnen St\u00fccke werden ausschweifend angek\u00fcndigt. Wer auch immer solche Gedanken in die Noten interpretiert, und, sie dann auch nachvollziehbar erh\u00f6ren l\u00e4sst, dass bleibt mir auch nach diversen Konzerten ein Buch mit sieben Siegeln. M\u00f6ge es doch einen Notenschl\u00fcssel geben, der mir auch noch diese Welt er\u00f6ffnet!<\/p>\n<p>Schlussakkord, Applaus, Zugabe, Sektbar!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>War es F\u00fcgung oder einfach Gl\u00fcck? Auf jeden Fall haben wir mit der Ver\u00e4u\u00dferung unserer Immobilie neue Freunde gewonnen! 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