{"id":638,"date":"2020-07-31T11:16:28","date_gmt":"2020-07-31T09:16:28","guid":{"rendered":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=638"},"modified":"2020-07-31T11:16:28","modified_gmt":"2020-07-31T09:16:28","slug":"belle-de-tjour","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=638","title":{"rendered":"Belle de T(j)our."},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neue Woche, neues Gl\u00fcck! Eine weitere sch\u00f6ne Tour! Nach der alpinen Etappe ins Schuttertal letzte Woche, ging, genauer f\u00fchrte die gemeinsame Fahrt durch die Ebene. Nicht, wie man meinen k\u00f6nnte in Holland, vorbei an den drei Gro\u00dfen Ts: Tulpen, Tomaten, Tilsiter, nein, sondern durch die Alleen der Monokulturen der Maisfelder im Elsass. Es war ein perfekter Tag, am absoluten astronomischen Maximum der Sonnenstrahlung. Aber starten wir am Beginn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">P\u00fcnktlich auf die Minute, diesmal wieder mit Helm, eingenordetem Navi und perfekt gestylt, fuhr Schorschi auf den Hof. Von Kopf bis Fu\u00df harmonisch und haarmodisch im Einklang mit dem strahlenden Wei\u00df seines Campers. Wei\u00dfes Rad, wei\u00dfe Packtasche, bl\u00fctenwei\u00dfes, atmungsaktives T-Shirt, wei\u00dfe (RAL 9010), climacoole Socken, mit gesticktem Monogramm, auf dem linken ein \u201eL\u201c, auf dem rechten ein \u201eR\u201c. Diese steckten in gel\u00e4ndeg\u00e4ngigen Sportsandalen. Als Kr\u00f6nung: schlohwei\u00dfes Haar. Beh\u00e4nde war auch mein Rad routiniert versorgt. Wir konnten starten, der Tag war noch relativ jungfr\u00e4ulich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgangsziel war Neu Breisach. Mitten auf dem Marktplatz, einem kostenfreier Parkplatz. Ein eifriger Gemeindekalfaktor blockierte die Zufahrt, um verdorrten Pflanzen die letzte W\u00e4sserung angedeihen zu lassen. Wir umrundeten den Markt-, Parkplatz noch einmal in einer Warteschleife und blockierten dann ungeduldig die Zufahrt zur Zufahrt, bis die Flutung der Blumentr\u00f6ge abgeschlossen war. Ein Hupkonzert der Eingeborenen veranlasste den Sprengmeister ein wenig schneller sein Tagwerk zu verrichten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ansonsten war Neu Breisach menschen- als auch touristenleer. Die historischen Wehranlagen hatten offensichtlich den Besucherstr\u00f6men standgehalten. Es gab keinerlei Anzeichen von Brandschatzungen, Vergewaltigungen oder Parks\u00fcndern. Drei Flics l\u00fcmmelten gelangweilt im Schatten. Es war nicht zu erkennen, auf wen oder was sie harrten. Die R\u00e4der waren flugs entsorgt, Schorschi vergewisserte sich noch einmal gewissenhaft \u00fcber die Funktionsf\u00e4higkeit des Navis, pr\u00fcfte den Reifendruck, Bremsanlage und Beleuchtung, sowie den aktuellen B\u00f6rsenkurs f\u00fcr Ketten\u00f6l auf \u201eKetten\u00f6l24\u201c. Gerade als wir in Richtung Colmar aufbrechen wollten, sprach uns eine Frau mittlerer Altersklasse, aber h\u00f6herer Gewichtklasse, an und erkundigte sich nach der Zufriedenheit mit dem Campers. Bereitwillig gab Schorschi Auskunft. Als Gegenleistung entlockten wir, der offensichtlich ortskundigen Fragenden, den besten Einstieg in die minuti\u00f6s geplante Tour. Sie teilte uns dar\u00fcber hinaus noch ungefragt mit, dass ihr E-Bike zur Inspektion sei. Wom\u00f6glich h\u00e4tte sie sich sonst uns noch anschlie\u00dfen wollen. Mann muss halt Gl\u00fcck haben!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entgegen des Rates der radlosen Radlerin bestand unser Guide darauf dem Navi Folge zu leisten. Nachdem wir allerdings gl\u00fccklich wieder auf dem Marktplatz zur\u00fcck waren, stellte sich heraus, dass wahrscheinlich ein winziger Tippfehler uns innerhalb der Stadtmauern, entgegen dem Uhrzeigersinn und der erlaubten Fahrtrichtung, unbemerkt von den gelangweilten Flics, im Kreise kreisen lie\u00df. Durch eine nadel\u00f6hrgrosse Bresche verlie\u00dfen wir die Feste gen Colmar. Wir durchquerten rasant Appenwihr, weder verwandt noch verschw\u00e4gert mit unserem badischen Appenweier, nach Sundhoffen. Das Navi leitete uns kreuz und quer durch die Gemeinde. Stutzig machte mich, dass wir uns unversehens auf der \u201eRue de Appenwihr\u201c befanden. Ich intervenierte, doch Schorschi vertraute seinem Navi. Es war eindeutig ein Fehler! Gegen all meine Erfahrung als Westmann (Ost-Westfale!). Als wir etliche Kilometer sp\u00e4ter wieder Appenwihr in entgegengesetzter Richtung zum wiederholten Male durchquerten, erkannte Schorschi, dass sein Navi wohl wieder ein Eigenleben entwickelt hatte. Der Vorteil war, wir kannten jetzt die Strecke. Bis ins Zentrum nach Colmar mussten wir leider unseren Radweg mit diversen P- und LKWs teilen, sodass wir nur aufgereiht wie die Erpel dahinradeln konnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Hunger und Durst im Gep\u00e4ck, sowie mit Wissenshunger und -durst nach den Sehensw\u00fcrdigkeiten der Altstadt, schauten wir uns nach einem sicheren Standplatz f\u00fcr unsere Velos um. Einige zum \u201eU\u201c geformten Chromstahlrohre signalisierten, dass sie sowohl von Radlern, als auch von Hunden regelm\u00e4\u00dfig heimgesucht wurden. Nein, die Hunde nicht zum Abstellen ihrer R\u00e4der! Per Pedes gingen wir auf Entdeckungsreise, durch die Altstadt, durch die Markthalle bis ins \u201eKleine Venedig\u201c. Irgendwo im Get\u00fcmmel der Urlauber ergatterten wir ein schattiges Pl\u00e4tzchen mit allerbestem Blick auf die vorbeitrollende Menge. Das Panache war perfekt, der Flammkuchen war ebenso hauchd\u00fcnn wie belegt. Wir h\u00e4tten ihn zusammengerollt mit ein \u2013 zwei Bissen problem- und ger\u00e4uschlos verschlingen k\u00f6nnen. Die Alternative w\u00e4re Schweinebauch, W\u00fcrstchen und Sauerkraut gewesen. Na dann Prost, Mahlzeit!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit quasi leerem Bauch und Portemonnaie machten wir uns schlie\u00dflich auf die Suche nach einer Eisbude. Der Franzose an sich, und der Els\u00e4sser im Speziellen, sind wohl eher ausgewiesene Eisverweigerer. Deshalb dauerte es diverse Gassen und Str\u00e4\u00dfchen, bis wir eine Eisbude unseres Vertrauens entdeckt hatten. Zwei \u20ac die Kugel, zwei Kugeln 3,90\u20ac. Wir haben nicht weiter recherchiert, bei welcher Anzahl von Kugeln wir den bundesdeutschen Kugelpreis erreicht h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl ich f\u00fcr das Wiederauffinden unserer R\u00e4der im Vorfeld bereits ein bis zwei Stunden kalkuliert hatte, schafften wir es deutlich innerhalb k\u00fcrzerer Zeit. Dabei muss ich gestehen, dass mir der direkte Weg doch ein wenig aus dem Kompass geraten war. Schlie\u00dflich wusste sich Schorschi zu erinnern, dass eine zu Stein erstarrte, bis zur Unkenntlichkeit geschminkte Strassenk\u00fcnstlerin uns den richtigen Weg zeigen w\u00fcrde. So sie denn nicht ihre Position signifikant, dank \u00fcppiger Spenden, ge\u00e4ndert h\u00e4tte. Ihr Hut war, Touristen sei Dank, noch sp\u00e4rlich bem\u00fcnzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die R\u00fcckfahrt, immer entlang am Rhein-Rhone-Kanal, verlief streckenweise im Schatten. Ohne P- und LKWs aber mit sehr entgegenkommenden Horden von radelnden Familien und anderen Aktivisten. Zur\u00fcck auf dem kostenfreien Marktplatz zeigte sich, dass es sich gelohnt hatte, den Verlauf der Sonne voraus zu berechnen und in der Konsequenz, am Nachmittag, einen schattigen Parkplatz zu erhaschen. Den einzigen Schatten weit und breit warf jedoch unser Camper. Das astronomische Maximum hatte seine volle Wirkung entfaltet und wir suchten k\u00fchlende Zuflucht in einer Confiserie, f\u00fcr deren Geb\u00e4ck sie weit \u00fcber die Grenzen des kostenfreien Parkplatzes hinaus ber\u00fchmt war. Mit einem T\u00e4sschen Kaffee und einem St\u00fcckchen Kuchen beendeten wir die Belle de Tour. Der Kuchen konnte \u00fcbrigens mit seinem vorauseilenden Ruhm nicht schritthalten! Die mittelalterliche Frau vom Morgen ist wohl bei anderen Camper-Besitzern heimisch geworden. Und ob ihr E-Bike wieder flott war? Wir wissen es nicht!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch eine ganz kniffelige Quizfrage: Warum steigen nahezu alle Radfahrer generell von der linken Seite auf und ab? Richtig! Weil sich dort der St\u00e4nder befindet!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">R\u00e9sum\u00e9: 56,7 Km \/ 2,45 Std. schiere Fahrzeit \/ Durchschnitt 20,6 Km\/Std. Voila!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Woche, neues Gl\u00fcck! Eine weitere sch\u00f6ne Tour! Nach der alpinen Etappe ins Schuttertal letzte Woche, ging, genauer f\u00fchrte die gemeinsame Fahrt durch die Ebene. Nicht, wie man meinen k\u00f6nnte in Holland, vorbei an den drei Gro\u00dfen Ts: Tulpen, Tomaten, Tilsiter, nein, sondern durch die Alleen der Monokulturen der Maisfelder im Elsass. 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