{"id":631,"date":"2020-07-12T11:56:22","date_gmt":"2020-07-12T09:56:22","guid":{"rendered":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=631"},"modified":"2020-07-12T11:56:22","modified_gmt":"2020-07-12T09:56:22","slug":"flower-power","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=631","title":{"rendered":"Flower Power"},"content":{"rendered":"\n<p>Auch wenn in den fr\u00fchen 70gern die Hippies in OWL noch handverlesen waren, so sprossen die Haare aber bereits lockig auf Schulterniveau. Die Kleider wurden bunter und blumiger, es mangelte allerdings noch an der&nbsp; grunds\u00e4tzlichen Freiz\u00fcgigkeit. Das Klima konnte mit Kalifornien in keinster Weise mithalten und die Baggerseen waren absolut kein Ersatz f\u00fcr Meer und ausufernde Str\u00e4nde. Wir begn\u00fcgten uns derweil mit viel Phantasie, einem T\u00fctchen und ausschweifenden Partys! Soweit das Vorspiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Beginnen m\u00f6chte ich diese Anekdote aus meinem Zyklus \u201eIch, OWL und das wahre Leben\u201c, mit einer analytischen, psychologischen Betrachtung der Eingeborenen. Schotten, Schweizer und Schwaben waren und sind nur armselige Kleinb\u00fcrger gegen die penetrante Pingeligkeit der Lipper. Man sagt den V\u00f6geln nach, dass sie \u00fcber OWL mit dem R\u00fccken gen Boden gewandt fliegen, damit sie das Elend nicht sehen. Pers\u00f6nlich habe ich diese Formation allerdings nie beobachtet, oder bewusst zur Kenntnis genommen. Auch sind sie bis dato ornithologisch nicht best\u00e4tigt.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Sturm- und Drangzeit, nach einer beh\u00fcteten Kindheit, mahnten uns die Hormone zu allerlei freiz\u00fcgigen k\u00f6rperlichen Ert\u00fcchtigungen. Oder besser gesagt, Herausforderungen. Dem stand die Mentalit\u00e4t der konservativen Eingeborenen allerdings geballt, starr und stur entgegen. Wie und vor allem wo sollten wir unsere&nbsp; \u00fcbersch\u00fcssigen Kr\u00e4fte, im Einklang mit der Hippie-Bewegung, ausleben k\u00f6nnen? Es war einem puren Zufall geschuldet, der uns auf eine absurde Idee brachte: Kleing\u00e4rtnerareale! Blumenkinder und G\u00e4rten ergaben f\u00fcr uns den einzig wahren Sinn! Nun ist es allerdings so, dass grunds\u00e4tzlich Kleing\u00e4rtner, auch Laubenpieper genannt, noch einen Tick schrulliger, penibler sind als der Rest der Welt. Sowohl im Allgemeinen und ganz besonders extrem im Lippischen. Der Trend zur eigenen Parzelle war damals lange nicht so ausgepr\u00e4gt wie zu diesen Corona-Zeiten. Wartelisten waren weitgehend unbekannt. Das \u00f6ffnete uns den Weg ins Gr\u00fcne.<\/p>\n\n\n\n<p>Unseren Antrag zur dauerhaften Pacht eines vakanten St\u00fcckchen Gartens stellten wir beim \u201eBezirksverband Lippe der Kleing\u00e4rtner e.V.\u201c in Detmold. Er wurde erstaunlich rasch bearbeitet, eine durchaus erschwingliche Kaution wurde br\u00fcderlich zusammengeschmissen und in bar pers\u00f6nlich \u00fcbergeben. Der Geldbote war mit Bedacht gew\u00e4hlt. Ein vertrauenserweckendes \u201eMitglied\u201c mit dem altherk\u00f6mmlichen Fassonschnitt! Und selbstverst\u00e4ndlich ordentlich gekleidet! Das B\u00fcndel Scheine, die ausf\u00fchrliche Kleingartenordnung, Kleingartenpfortenschl\u00fcssel, nebst ein paar gutgemeinten aber mahnenden Worten wechselten die Besitzer. Die Korona wartete schon feixend hinter der n\u00e4chsten Hecke. Ohne jegliche Verz\u00f6gerung wurde eine erste Inspektion unserer Parzelle, einer gr\u00fcnen Oase, unternommen. Die Ordnung der Wege und Beete war atemberaubend, die Korrektheit der Rasenfl\u00e4chen h\u00e4tte<\/p>\n\n\n\n<p>den Greenkeepern von Wimbledon die Schamesr\u00f6te ins Gesicht getrieben. Lineal und Geodreieck geh\u00f6rten ganz offensichtlich ebenso zu den Gartenutensilien, wie Spaten und Rasenm\u00e4her. Fr\u00f6hliche Paraden von Zwergen mit Laternen, Sch\u00e4ufelchen und K\u00f6rben lie\u00dfen auf diverse Fein- sowie Doppelrippler in unmittelbarer Nachbarschaft schlie\u00dfen. Kleing\u00e4rtner zeichneten sich auch durch Nachbarschaftshilfe und Kleinkariertheit aus. Auf beginnende neue Freundschaften und Verbr\u00fcderungen legten wir deshalb nur bedingt wert. Die einzige Gemeinsamkeit bestand im Konsum eines Bierchens. Oder auch zwei.<\/p>\n\n\n\n<p>In Ermangelung von kleingartengerechtem Ger\u00e4t, aber auch der echten Bereitschaft, die Kulturen jahreszeitengerecht zu s\u00e4en, zu pflegen und zu ernten, bestand unser einstimmiges Credo darin, dass wir der Natur freien Lauf lassen sollten. Heute w\u00fcrde man es Renaturalisierung nennen. Ja, wir waren unserer Zeit echt um Jahrzehnte voraus! Einziges Problem, aus unserer Sicht, war die fachgerechte K\u00fchlung der Getr\u00e4nke. Und, dass die Kofferradios nicht \u00fcber die gew\u00fcnschte Freiluftphonzahl verf\u00fcgten. Den Fein- \/ Doppelripplern allerdings reichte diese bereits.<\/p>\n\n\n\n<p>So war es nur eine Frage der Zeit, bis der Kleingartenparzellenwart an unsere Pforte klopfen w\u00fcrde. Im \u00fcbertragenen Sinne nat\u00fcrlich. Die Situation gewann an Dynamik, als sich alle neuen e.V.-Mitglieder, am ersten Samstag unserer jungfr\u00e4ulichen Pachtzeit, zum Stelldichein einfanden. Tische, St\u00fchle, Liegen und ein ausreichender Vorrat Alkoholika lieferte ein Jungmitglied, dass sich seine Aufnahme durch die Beschaffung eines 7,5-Tonner-Pritschenwagens erkaufte. Noch heute qu\u00e4lt mich ein Hustenreiz, wenn ich an die Staubfahne denke, die der 7,5-Tonner im Schlepptau hatte, als er das hei\u00df ersehnte Material zur Mittagszeit lieferte. Kaum war das erste Bierchen ge\u00f6ffnet und hatte sich der Staub gelichtet, stampfte der Parzellenwart, mit einer Horde streits\u00fcchtiger Fein- \/ Doppelrippler im Gefolge, heran. Die tragbaren Kofferradios spielten \u201eCalifornia Dreamin`\u201c von The Mamas and the Papas. &nbsp;Ohne erw\u00e4hnenswerten Prolog, sprach, leicht erregt, der Parzellenwart und gleichzeitig Schriftf\u00fchrer des Detmolder Vereins eine fristlose K\u00fcndigung unseres Pachtvertrages aus. Der Pseudoversuch auf Erf\u00fcllung des Vertrages zu pl\u00e4dieren und doch erst einmal ein Bierchen zur Beruhigung mit uns zu trinken, erwies sich als nicht wirklich zielf\u00fchrend. Der Kl\u00fcgere gab nach und so wurde das ersehnte Flower-Power-Dasein bis auf unbestimmte Zeit vertagt.<\/p>\n\n\n\n<p>P.S.: Der Auszug aus unserem Kurzzeitdomizil verlief ebenso spektakul\u00e4r wie der Einzug. Unter den messerscharfen, stechenden Blicken der Kleinkarierten wurde noch einmal final mit dem 7,5-Tonner-Pritschenwagen viel Staub aufgewirbelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch wenn in den fr\u00fchen 70gern die Hippies in OWL noch handverlesen waren, so sprossen die Haare aber bereits lockig auf Schulterniveau. Die Kleider wurden bunter und blumiger, es mangelte allerdings noch an der&nbsp; grunds\u00e4tzlichen Freiz\u00fcgigkeit. 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