{"id":418,"date":"2018-07-10T13:57:18","date_gmt":"2018-07-10T11:57:18","guid":{"rendered":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=418"},"modified":"2018-07-10T13:57:22","modified_gmt":"2018-07-10T11:57:22","slug":"mein-schoenstes-ferienerlebnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=418","title":{"rendered":"Mein sch\u00f6nstes Ferienerlebnis"},"content":{"rendered":"<p>Die \u00c4lteren m\u00f6gen sich erinnern \u2013 mit diesem Thema qu\u00e4lte uns der Lehrk\u00f6rper regelm\u00e4\u00dfig nach den Schulferien. Sicher, um wenigstens in den Deutschstunden eine weitere Verl\u00e4ngerung der unterrichtsfreien Zeit zu heimschen. Ich bin mir ebenso sicher, dass mein Deutschlehrer es absolut nicht bemerkt hat, wenn ich Jahr f\u00fcr Jahr \u00fcber dasselbe \u201esch\u00f6nste Urlaubserlebnis\u201c berichtet habe. Nur die Zensuren differierten in einer unergr\u00fcndlichen Bandbreite.<\/p>\n<p>Wie dem auch sein, heute gehe ich wesentlich entspannter an dieses Thema. Teil eins unseres Urlaubes verbrachten wir \u2013 wie immer \u2013 am Comer See. Leider jedoch nicht bei Mario Colombo sondern bei Alex. Colombo hatte sich aufs Altenteil zur\u00fcckgezogen. Ein neues Domizil musste gefunden werden. Neugierig folgten wir einer Empfehlung, nicht ohne einen wehm\u00fctigen Blick auf das geliebte, beliebte Hotel Royal zu werfen. Es wartet noch auf einen K\u00e4ufer \/ Nachfolger.<\/p>\n<p>Der neue rote Roadster forderte allerlei Geschicklichkeit beim Packen der Garderobe. Lie\u00df jedoch gen\u00fcgend Raum f\u00fcr nahezu jede Wetterlage. Und, f\u00fcr eventuelle textile Ergatterungen in den Filialen der Sale-Gruppe in Como, sp\u00e4ter Bozen oder Meran.<\/p>\n<p>Wir starteten bereits in Nonnenweier oben ohne, also offen \u2013 entsprechend dem origin\u00e4ren Sinn unserer Neuanschaffung. Einzige Herausforderung war die Anordnung aller Hebel und Multifunktionsinstrumente exakt entgegengesetzt zum Erstfahrzeug. Sinnvoll, mit dem Lernen des Instrumentariums besch\u00e4ftigt, cruisten wir unserem Ziel entgegen. Auf dem Gotthard lag noch Schnee, eine frische Brise veranlasste uns die Heizung zu testen. Erfolgreich. Im weiteren Verlauf sogen wir, nach einem cabriolosen Jahr, Eindr\u00fccke und D\u00fcfte in uns auf, und begl\u00fcckw\u00fcnschten uns mehrfach zu der spontanen Entscheidung.<\/p>\n<p>Es sollte uns zu denken geben, dass weder Stra\u00dfe noch Hotel im Navi registriert war. Daf\u00fcr allerdings alle Blitzer, vor denen wir rechtzeitig gewarnt wurden. Es war reiner Zufall, dass wir am Zielort das Hinweisschild zu Alex nicht verpassten. Gut, die paar Meter bis zum U-Turn seien verziehen. Was dann allerdings folgte erforderte die totale Erfahrung und den ganzen Mut des Chauffeurs. Eng, enger, am engsten, steil, steiler, am steilsten, un\u00fcbersichtlich, kurvig aber befahren \u2013 so l\u00e4sst\u00a0 sich der Weg zur Herberge nachvollziehbar beschreiben. Eng, un\u00fcbersichtlich und steil war nicht nur der Weg als solches, eine Steigerung bescherte uns die Zufahrt zum hoteleigenen Parkplatz. Trotz der Hitze perlte eiskalter Schwei\u00df auf der Stirn und der Beifahrerin lag es anheim, sowohl auf ausreichend Bodenfreiheit sowie Abstand ringsum abzusichern. Ohne jede R\u00fccksichtnahme, ob wir jemals den Weg retour bew\u00e4ltigen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Nachdem es zum Parkplatz nur steil bergauf ging, ging es zum Hotel nun wieder steil bergab. Diverse Natursteintreppen in Richtung Rezeption. Im Au\u00dfenbereich erwartete uns Alex mit einer munteren Schar wild gestikulierender Italiener. Offen bis heute, ob es ausschlie\u00dflich Familienmitglieder waren, oder auch Freunde und wom\u00f6glich Angestellte. Erneut treppauf erreichten wir unser Zimmer \u2013 sauber und ordentlich, mit epochalem Panoramablick auf See und Berge und \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p>Der kalte Angstschwei\u00df auf der Stirn erw\u00e4rmte sich alsbald beim Entladen und Transport der Kleidung. Selbstredend treppauf, treppab. Danach ein Besichtigungs-Rundgang \u00fcber die verschiedenen Ebenen der Au\u00dfenanlage. Pool und Liegeterrasse, sowie das Restaurant alles Richtung Panorama. Im Schatten eines Feigenbaumes lie\u00dfen wir der Begeisterung dann freien Lauf und kr\u00f6nten sie mit einem ersten Gl\u00e4schen k\u00fchlen Wei\u00dfwein.<\/p>\n<p>Den ersten Sinnesrausch schamlos ausn\u00fctzend beichtete uns Alex, dass am Abend keine normale Karte angesagt sei, sondern ein einheitliches Men\u00fc eingerahmt von Disco inclusive Karaoke. Au\u00dferdem sei das Men\u00fc nicht repr\u00e4sentativ f\u00fcr die K\u00fcche, weil besondere Umst\u00e4nde. Es sollte sich auch so bewahrheiten. Der Wein entsch\u00e4digte, die Musik war ok, Ges\u00e4nge fanden nicht statt und die zahlreich erschienene Dorfgemeinschaft benahm sich sittsam. Nach den Strapazen der Anreise sanken wir ersch\u00f6pft aber gl\u00fccklich ins Linnen.<\/p>\n<p>Ein Trip nach Como, ein Ausflug nach Menaggio und ein Pool-Tag warteten auf uns. Die K\u00fcche war in der Tat deutlich besser als die Disco-Happen, der Wein verlor nicht an Genuss. Allein das Fr\u00fchst\u00fccksbuffet servierte einen eher italienischen Standard.<\/p>\n<p>Herzlich, als ob wir treue Stammg\u00e4ste w\u00e4ren, verabschiedete sich Alex von. Er freute sich schon auf unseren Besuch 2019. Das Auschecken verlief ebenso schwei\u00dftreibend wie bei Ankunft. Die Weiterreise nach S\u00fcdtirol einmal quer durch die Alpen war Lebensfreude pur. Streckenweise fuhren wir mutterseelenallein \u00fcber die sch\u00f6nsten P\u00e4sse. Sogar der Mann am Steuer fand die Muse die Landschaft zu genie\u00dfen.<\/p>\n<p>S\u00fcdtirol, Eppan, ein Viersterneplus Hotel war der H\u00f6hepunkt der Tour des Tages. Der Lift bew\u00e4ltigte die Etagen mit Bravur, Zimmer mit Klima-Anlage statt Ventilator und eine den Sternen angemessene K\u00fcche, nebst Degustation lie\u00dfen Leib und Seele vollends erbl\u00fchen.<\/p>\n<p>Der Tag mit dem Bus nach Bozen verlief unspektakul\u00e4r. Die Temperaturen bremsten Schuh- und Handtaschenk\u00e4ufe nachhaltig, sodass sich das Kofferraumproblem gar nicht erst stellte. Tag zwei avancierte zum Abenteuertag schlechthin. Das baumlose Hochgebirge schied zum Erwandern mangels Schatten aus. Blieb eine schattige Halbhochwanderung unterhalb der Baumgrenze. Gespickt mit einem Abstecher durch die Rastenbachklamm. Gem\u00fctlich ging es zun\u00e4chst dahin. Nach ca. 4km erreichten wir den Einstieg in die Klamm. Ge\u00fcbt in Berganpassagen erklommen wir den h\u00f6chsten Punkt der Klamm. Entlang des munter murmelnden Rastenbachs, vorbei an st\u00fcrzenden F\u00e4llen und \u00fcber gurgelnde Strudel kletterten wir talw\u00e4rts. Es gab immer wieder Gelegenheiten uns in den eisblauen Fluten des Rastenbach abzuk\u00fchlen. Weniger von der Hitze als von der Anstrengung. Wie ein Damoklesschwert hing der R\u00fcckweg \u00fcber uns. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die prognostizierten 500 H\u00f6henmeter wollten noch erklommen sein. Und so kam was kommen musste. Der Aufstieg zur\u00fcck zum Wanderrundweg entpuppte sich als nah der Steigeisengrenze. Wer auch immer diesen Weg als \u201emittelschwer\u201c eingestuft hat, muss mit einer G\u00e4mse verwand sein. Nat\u00fcrlich war es f\u00fcr mich, als geborener Steinbock, keine ernsthafte Herausforderung. Versteht sich von selbst. Eine derartige sollte jedoch noch auf mich warten. Angelangt an einem Punkt, an dem ein geordneter Weg zur\u00fcck sinnvoll w\u00e4re, erblickte ich in einem Steilst\u00fcck voller T\u00fccken oben, in und durch Baumwipfel, eine H\u00e4ngebr\u00fccke. Augenblicklich stellte sich meine gesamte Restbehaarung senkrecht wie die Eiger-Nordwand vom K\u00f6rper ab. Trotz bekennendem, praktizierendem Atheismus bat ich um Beistand, dass diese Kelch in Gestalt einer H\u00e4ngebr\u00fccke an mir vorbei geht. Es war offensichtlich die Rache des Angeflehten, die mein Bitten ins Leere\u00a0 laufen lie\u00df und ich stand, mit vollen Hosen, am Rande des Wahnsinns. Es waren die schrecklichsten Meter meines Daseins und ich m\u00f6chte aus verst\u00e4ndlichen Gr\u00fcnden nicht detailliert darauf eingehen. Eingegangen bin ich nicht, aber! Harmonisch verbrachten wir den Abend bei Speis und Trank und schw\u00e4rmten von unseren glorreich \u00fcberstandenen Abenteuern.<\/p>\n<p>\u00dcber diverse wundersch\u00f6ne P\u00e4sse schipperten wir zur\u00fcck zu unseren verdorrten Pflanzen. Eine gute Woche voller neuer Erlebnisse und Abenteuer. Jetzt warten die L\u00e4den der Terrassent\u00fcren auf meine Schwarzmalerei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00c4lteren m\u00f6gen sich erinnern \u2013 mit diesem Thema qu\u00e4lte uns der Lehrk\u00f6rper regelm\u00e4\u00dfig nach den Schulferien. Sicher, um wenigstens in den Deutschstunden eine weitere Verl\u00e4ngerung der unterrichtsfreien Zeit zu heimschen. Ich bin mir ebenso sicher, dass mein Deutschlehrer es absolut nicht bemerkt hat, wenn ich Jahr f\u00fcr Jahr \u00fcber dasselbe \u201esch\u00f6nste Urlaubserlebnis\u201c berichtet habe. 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