{"id":378,"date":"2018-03-18T09:21:39","date_gmt":"2018-03-18T08:21:39","guid":{"rendered":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=378"},"modified":"2018-03-18T09:21:45","modified_gmt":"2018-03-18T08:21:45","slug":"vernissage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=378","title":{"rendered":"Vernissage"},"content":{"rendered":"<p>Die Sichtweise auf bestimmte Ereignisse liegt immer im Auge des Betrachters. Da es von mir nicht unbekannt ist, dass ich stets eine spezielle Interpretation bevorzuge, m\u00f6chte ich auch hier und heute meine eigene Reflektion auf die Vernissage gestern zu Papier bringen.<\/p>\n<p>Vorweg bemerkt: <em>Es ist mir ein besonderes Bed\u00fcrfnis ein paar pers\u00f6nliche Worte \u00fcber den Schaffenden zu verlieren. Als Mensch, Freund und K\u00fcnstler kenne und sch\u00e4tze ich Axel Bleyer \u00fcberaus und bewundere seine Arbeit und seine Arbeiten. Die Artefakte seiner aktuellen Ausstellung sind absolut sehenswert. Ein lohnender Blick auf seine beeindruckenden Bilder war uns verg\u00f6nnt. Kreativit\u00e4t gepaart mit perfektem handwerklichem K\u00f6nnen und einem sicheren Gesp\u00fcr f\u00fcr den richtigen Zeitpunkt etwas Au\u00dfergew\u00f6hnliches auszul\u00f6sen. <\/em><\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum eigentlichen Geschehen. Es war eine weise Entscheidung ein wenig eher die Galerie aufzusuchen, um in Ruhe die Werke betrachten zu k\u00f6nnen. Trotz TV-Primetime fanden sich bei Zeiten Familie, Freunde und eine gro\u00dfe Schar kulturaffiner B\u00fcrger in der St\u00e4dtischen Galerie ein. Der und die ein oder andere hatten sich pr\u00e4chtig herausgeputzt, einige wenige h\u00e4tte wenigstens ihr Schuhwerk putzen k\u00f6nnen. Aber die Kunst ist f\u00fcr alle da. Auch f\u00fcr, die sehen und nicht nur gesehen werden wollen.<\/p>\n<p>Zur Begr\u00fc\u00dfung hatte sich die Oberb\u00fcrgermeisterin pers\u00f6nlich auf die Einladung setzen lassen. Ich war angenehm \u00fcberrascht, welch` passende Worte sie gew\u00e4hlt, dem erwartungsvollen Publikum darbot. Jaja, die Sprache der Kunstaffinen ist beileibe keine gel\u00e4ufige. Es stellte sich jedoch alsbald heraus, dass die passenden Worte buchstabengetreu so in der Einladung zu finden waren. Wahrscheinlich von des Meisters Hand h\u00f6chstpers\u00f6nlich verfasst. Augenblicklich geisterte mir Karl-Theodor zu Guttenberg durch den Kopf, dem einstigen Haargel- und Hoffnungstr\u00e4ger der unchristlichen unsozialen Union. Der Adel war ohnehin im deutschen Parlament unterrepr\u00e4sentiert. Mir fallen im Moment lediglich Alexander Sebastian Leonce, Freiherr von Wenge Graf Lambsdorff, kurz Graf Lambsdorff, Konstantin von Notz, Beatrix von Storch und M. von W\u00fcrselen ein, und nat\u00fcrlich der Hochadel aus Niedersachsen: Flinten Uschi, Ursula von der Leyen. Die Herrin \u00fcber ein Heer von Freiwilligen und dem gr\u00f6\u00dften milit\u00e4rischen Schrotthaufen aller Zeiten. Das Gerede fand trotz meiner gedanklichen Fremdg\u00e4nge seine Fortsetzung und die Frau OB reichte das Wort sinnbildlich an Herrn Prof. Dr. Dingenskirchen weiter. \u00dcbrigens schneller als im weiten Rund bef\u00fcrchtet.<\/p>\n<p>Dem Lehrk\u00f6rper der Staatlichen Akademie der Bildenden K\u00fcnste Karlsruhe widme ich zwei eigene Abs\u00e4tze. Als beredeter Laudator lie\u00df er es sich nicht nehmen darauf hinzuweisen, dass er gerade an einem Buch arbeitete, welches sich \u00fcberraschend mit dem Thema Kunst besch\u00e4ftigte. In Karlsruhe bereitet er seine Studenten auf ein Leben als K\u00fcnstler, Laudatoren oder Taxifahrer vor. Er ergriff sogleich beherzt das dargebotene Wort. Ohne gro\u00dfen Prolog kam er direkt zum Thema und auf die staunenden Besucher regnete ein Schatz von bisher ungeh\u00f6rten Worten nieder. Deren M\u00fcnder wuchsen in Dimensionen, die einer Zahnbehandlung zur Ehre gereicht h\u00e4tten. Andere zogen sich gekonnt in ihr inneres Ich zur\u00fcck, was erfahrungsgem\u00e4\u00df mit geschlossenen Augen nahezu perfekt gelang.<\/p>\n<p>Normalerweise reicht dem erwachsenen Erdenb\u00fcrger im Alltag ein Wortschatz von ca. 400 W\u00f6rtern. Der durchschnittlich gebildete Sprecher verf\u00fcgt \u00fcber ein Depot von 4.000 bis 10.000 W\u00f6rter und Johann Wolfgang von(!) Goethe gar von 80.000. Andererseits kommt ein amerikanischer Pr\u00e4sident spielend mit 280 Zeichen aus! Die Wortgewalt des Prof.Dr.Dingenskirchen hingegen \u00fcbertraf alle Erwartungen. Mein zun\u00e4chst gehegter Gedanke, die Unbekannten sp\u00e4ter zu googeln, scheiterte bereits zu Beginn des zweiten Absatzes mangels ausreichend Speicherkapazit\u00e4t. Ich lie\u00df es einfach geschehen und fand mich mit der Schmach ab, als Unwissender unter der staunenden Menge mein j\u00e4mmerliches Dasein zu fristen. Pl\u00f6tzlich und unerwartet f\u00fcr alle Anwesenden endete die Laudatio. Waren ihm die Worte ausgegangen? Oder zeigte er ein Einsehen mit den offensichtlich hoffnungslos \u00fcberforderten Kleingeistern?<\/p>\n<p>Wie dem auch sei. Jetzt schlug die Stunde der \u00fcblich verd\u00e4chtigen Intellektuellen. Im Nu fand sich der Kreat\u00f6r und Wortsch\u00f6pfer umringt von Bewunderern (ich erspare mir die beiden verbleibenden, politisch korrekten Genderansprachen. Man m\u00f6ge es mir verzeihen!), die ihn umgehend mit intelligenten Fragen l\u00f6cherten, um ihren schier unendlichen Wissensdurst zu l\u00f6schen. Der Gro\u00dfteil der kunstaffinen Anwesenden l\u00f6scht dagegen seinen Durst am Buffet(t) mit einem Gl\u00e4schen Prosecco.<\/p>\n<p>Zu guter Letzt: M\u00f6ge dem kunstschaffenden Lichtbildner der kreative Blick erhalten bleiben, damit er uns noch viele bildsch\u00f6ne Artefakte pr\u00e4sentieren kann!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sichtweise auf bestimmte Ereignisse liegt immer im Auge des Betrachters. 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