{"id":309,"date":"2017-10-18T12:23:37","date_gmt":"2017-10-18T10:23:37","guid":{"rendered":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=309"},"modified":"2017-10-18T12:23:44","modified_gmt":"2017-10-18T10:23:44","slug":"auf-dem-hohlweg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=309","title":{"rendered":"Auf dem Hohlweg!"},"content":{"rendered":"<p>In einer bisher nie dagewesenen Besetzung haben wir uns auf den Hohlweg begeben. Es war Sonntag, nach dem Kirchgang, wenn den Gesangb\u00fcchern langsam Henkel wachsen, als das Motto hie\u00df: \u201eAuf die Pl\u00e4tze, fertig, L\u00f6ss!\u201c Wenn jetzt ein Raunen durch die Leserschaft geht, dann mit Recht! Ich m\u00f6chte die Unwissenden aber nicht l\u00e4nger auf die Folter spannen. Was will uns das obige Motto sagen? Ganz simpel, es handelt sich um die legend\u00e4ren L\u00f6sshohlrundwanderwege! Wer schon gemutma\u00dft hatte, bei der \u00dcberschrift handelt es sich um einen Schreibfehler, und es sollte \u201eHolzweg\u201c hei\u00dfen, der begab sich umgehend auf denselben! L\u00f6ss ist ein ockergelbes, samtweiches und flaumleichtes Gestein, aus dem der Kaiserstuhl zum Gro\u00dfteil besteht. Dolomitenstaub, sagt man soll es sein. Sagt man. Wie auch immer, in diesen Gesteins-Formationen haben Wind und Wetter Hohlwege gefr\u00e4st, die inmitten der Weinberge einfach so herumschluchten.<\/p>\n<p>Durch eben diese L\u00f6sshohlrundwanderwege wandert man so dahin, bestaunt die Bewohner des samtweichen und flaumleichten Materials, und liest die T\u00e4felchen am Rande, um zu wissen, was ihr jetzt auch wisst. Da die L\u00f6sshohlwege stetig ansteigen liest derjenige laut vor, der noch \u00fcber ausreichend Puste verf\u00fcgt, oder seine Lesebrille nicht vergessen hat. So wie ich. Daf\u00fcr trug ich mein neues Schuhwerk! E-Wanderschuhe, die mich hermesgleich noch oben tragen. Die biodynamische Federung nutzt dabei die Energie des Drucks der Fusssohlen auf die sto\u00df-absorbierenden Einlagen, um sie augenblicklich wieder dem Auftrieb zuzuf\u00fchren. Oder so. \u00c4hnlich einem Perpetuum Mobile, wobei optional noch der Fussschwei\u00df \u00fcber W\u00e4rmetauscher f\u00fcr Frischluft im Goretex-Gel\u00e4uf sorgen soll. Bei mir muss die App f\u00fcr diese Funktion allerdings noch nicht aktiviert worden sein. Wie auch immer.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall startet man an der WG in Bickensohl, weil sich der Ortsname am besten auf Hohl reimt. Wenn man zur Linken auf die Gartenwirtschaft schaut sollte man keine allzu gro\u00dfen Erwartungen und Gel\u00fcste an die Rast nach der R\u00fcckkehr setzen. Wer nach einem k\u00fchlen, erfrischenden Bierchen schmachtet, gerne auch mit einem Schuss Mineralwasser versetzt, der m\u00f6gen seine Erwartungen nicht allzu hoch h\u00e4ngen. Die sch\u00f6ne Gartenwirtschaft ist kein Biergarten, sondern ein Weingarten! Es war zum Weinen, denn unbefriedigter Durst kann die Laune schon ganz sch\u00f6n in die Knie zwingen. Gegen\u00fcber, auf der Terrasse des Rebstocks, gab es zwar Bierchen in allen Gr\u00f6\u00dfen und Verd\u00fcnnungsvarianten, allerdings war der Koch krank, und die Karte auf ein paar Hungerstiller reduziert, die das verbleibende Personal ohne zertifizierte Ausbildung zuzubereiten im Stande war. Die Atmosph\u00e4re der Terrasse glich dem Bahnhofsvorplatz in Castrop-Rauxel.<\/p>\n<p>Etliche Informationsschilder weiter verlie\u00dfen wir die Hohlwege, die man jetzt h\u00e4tte auch H\u00f6henwege taufen k\u00f6nnen, und erhielt freie Blicke auf die bunte herbstliche Terrassen-Reblandschaft. Die freien Blicke auf die Terrassen-Reblandschaft wurde bei jeder, ich wiederhole: Jeder, Gelegenheit schamlos ausgenutzt. Mir zwang sich der Eindruck auf, dass es mehr freie Blicke als gewanderte Schritte sein mussten. Und jedes Mal brach die Wandergruppe in schieres Entz\u00fccken aus. Dabei \u00e4nderte sich das Panorama nur in Nuancen, die Bewunderung aber blieb konstant auf dem hohen Level. Ich musste meine neuen E-Wanderschuhe bremsen, um nicht ohne mich davon zu st\u00fcrmen. Bereits auf der H\u00e4lfte der Strecke wurden wir mit der Ausblickbewunderungs-Medaille in Silber ausgezeichnet. Jeder erhielt eine Plakette, die in Wanderstabform gebogen war, incl. zwei Minin\u00e4gelchen aus Messing. Das H\u00e4mmerchen zur Befestigung der Plakette muss hauseigen gestellt werden.<\/p>\n<p>Das Bergfest fand hingegen meine vollste Bewunderung! In den Rucks\u00e4cken der Wandergruppe verbargen sich wahre K\u00f6stlichkeiten: Camembert, zum Dahinflie\u00dfen, ein St\u00fcck Hartk\u00e4se, verschiedene frische Weckle, Salami in Miniformat und mit Pfefferk\u00f6rnern in mundgerechten Scheiben, und: Eine Flasche franz\u00f6sischer Rotwein, der sich alsbald als wahrer Gaumenschmeichler entpuppte. Aus den Tiefen der Rucks\u00e4cke zauberten die durstigen und hungrigen Seelen dann auch noch Weingl\u00e4ser aus Glas, mit Stil. Hat das nicht Stil? Mit jedem Schluck waren die Strapazen der Erklimmungen vergessen, aber der Glanz in den Augen bei den nachfolgenden freien Blicken auf die herbstliche Landschaft der Weinterrassen gewann weiter, durch die Wirkung des Rotweines, an Euphorie.<\/p>\n<p>Wider alle Berauschungen an herbstlichen Farben, Ger\u00fcchen und freien Blicken fanden wir zu guter Letzt noch freie Pl\u00e4tze f\u00fcr Speis und Trank. Muse, um all die herbstlichen Eindr\u00fccke noch einmal Revue passieren zu lassen. Ges\u00e4ttigt und rundherum zufrieden ging es wieder gen Heimat. Die Frage nach dem obligatorischen Absacker wurde ohne lange Bedenkzeit dankend angenommen. Und so klang der sch\u00f6ne Tag mit Koalitionsverhandlungen und Aufarbeitung der Wahlergebnisse, mit den abnormalen Leistungen des Ironman und den unwiderlegbaren Vorteilen des Daseins als Bestager harmonisch aus. Morgen fahren Gattin, geliebte, und ich mit dem Fahrrad zum Kaiserstuhl, um den Kaiserstuhl herum, und wieder zur\u00fcck. Na dann viel Spa\u00df!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer bisher nie dagewesenen Besetzung haben wir uns auf den Hohlweg begeben. Es war Sonntag, nach dem Kirchgang, wenn den Gesangb\u00fcchern langsam Henkel wachsen, als das Motto hie\u00df: \u201eAuf die Pl\u00e4tze, fertig, L\u00f6ss!\u201c Wenn jetzt ein Raunen durch die Leserschaft geht, dann mit Recht! 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