{"id":279,"date":"2017-08-10T18:59:24","date_gmt":"2017-08-10T16:59:24","guid":{"rendered":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=279"},"modified":"2017-08-10T18:59:31","modified_gmt":"2017-08-10T16:59:31","slug":"kunst-und-genuss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=279","title":{"rendered":"Kunst und Genuss."},"content":{"rendered":"<p>\u201eKunst und Genuss\u201c im Lahrer Stadtpark ist ein Event im Stadtpark von Lahr mit Kunst und Genuss. Der Sinn liegt darin begr\u00fcndet, dass es eine Kunst ist, den Genuss auch als solchen zu empfinden. Und wir waren erstmals dabei!<\/p>\n<p>Es lagen keine wirklichen Alternativen f\u00fcr den Samstagabend vor. Die Fernsehanstalten vergeudeten unsere Geb\u00fchren mit dem \u00fcblichen Schwachsinn, wie, inzwischen t\u00e4glichem Fu\u00dfball, Wiederholungen von Krimis, mit denselben Toten und M\u00f6rdern und irrt\u00fcmlich Verd\u00e4chtigen und Hauptkommissarinnen und Hauptkommissaren, und schr\u00e4gen Hauptkommissar-Anw\u00e4rtern, und stets freien Parkpl\u00e4tzen vor den Tatorten, und selbstverst\u00e4ndlich den Ausgeburten einschl\u00e4fernder Quizshows. Die Formate beeindrucken durch ihre niveaulose, kreatiefe Vielseitigkeit, wie: Hyperaktive Kinder gegen Helikoptereltern, Promille-Promis gegen n\u00fcchterne Beamte, Sp\u00e4taussiedler gegen Fr\u00fchaufsteher, Politiker gegen unbescholtene B\u00fcrger, Google gegen Konrad Duden, Veganer gegen Hamburger, Herrenknecht gegen Windr\u00e4der, usw.. Moderiert werden alle Shows grunds\u00e4tzlich durch seine Selbstherrlichkeit Johannes B-Punkt Kerner, und im Rahmenprogramm die unvermeidliche, atemlose Helene Fischer, der nuschelnde Gnom Peter Maffay, und all die anderen abgehalfterten, reanimierten Veteranen aus der Schlagergruft. Also dann doch lieber \u201eKunst und Genuss\u201c!<\/p>\n<p>Ich darf es vorwegnehmen: Uns ist das Kunstst\u00fcck nicht gelungen, den Genuss zu genie\u00dfen. Aber der Reihe nach. Die Anfahrt verlief ohne gro\u00dfe Hindernisse auch nicht vor und in den Kreisverkehren. Trotz fr\u00fchzeitigem Aufbruch waren die Parkpl\u00e4tze bereits belegt. Ohne schlechtes Gewissen habe ich eine weitere Parkreihe er\u00f6ffnet, auf die die \u00f6rtlichen Verkehrsplaner noch nicht gekommen sind. Zugegeben, ein wenig Risiko war dabei. Aber eine kn\u00f6llchenfreie Windschutzscheibe rehabilitierte meine Entscheidung nachtr\u00e4glich. Die Kassenh\u00e4uschen-Insassin wollte partout auf unsere Rentner-Ausweise keinen Nachlass gew\u00e4hren, und auch einen Gruppentarif f\u00fcr zwei Teilnehmer wurde achselzuckend nicht akzeptiert. Das abendliche L\u00fcftchen wehte lau, das Ambiente im Lahrer Stadtpark war berauschend, ein lauschiges Fest harrte unser.<\/p>\n<p>Auf staubigen Pfaden, unter uralten B\u00e4umen, vorbei an Weckgl\u00e4sern mit Teelichtern von Ikea, die urspr\u00fcnglich Glasuff beherbergen sollten, f\u00fchrte uns der Hunger auf den Eventplatz. Noch warteten hier und da Sitzgelegenheiten auf Zweisitzer und so beschlossen wir uns hemmungslos dem Genuss hinzugeben. Die Entscheidung fiel uns schwer, aus dem armhaltigen Angebot unseren Wunschgenu\u00df zu ermitteln. Zwischen Spanferkel mit Bratkartoffeln und asiatischer Nudelpfanne mit H\u00e4hnchenbrust pendelten die Gel\u00fcste. Der Hunger siegte \u00fcber den Geschmack und auch Plastikteller und Plastikbesteck lie\u00dfen keinen spontanen Genuss aufkommen.<\/p>\n<p>Voller Vorfreude steuerten wir auf den einzigen Weinstand zu, deren Winzer uns so fremd war, wie \u00e4gyptische Hieroglyphen auf Grabtafeln in Pharao-Pyramiden. Da sich das Gros der Kunst- und Genu\u00dfsuchenden dem Mahl hingaben, war die Reihe schnell an mir. Umgehend f\u00fchrte das Kopfkino in meinem Kopf Regie, und spielte mir Szenen vor Augen, wie es wohl ablaufen w\u00fcrde, wenn mehr als zwei Trinkfeste gleichzeitig ihr Ansinnen \u00e4u\u00dfern w\u00fcrden. Das Kopfkino war eine schamlose Untertreibung der Realit\u00e4t! Wer mit viel Gl\u00fcck, starken Nerven und einer ordentlichen Portion Stehverm\u00f6gen ein Viertele ergattert hatte, dem sei zu raten gewesen sich umgehend erneut einzureihen, bevor ihm der Durst und nicht die Promille Fatamorganen vorgaukelte. Der Spuk erreichte in B\u00e4lde weitere, himmelschreiende Dimensionen. Die Gl\u00e4ser waren ausgegangen. Was allerdings nicht so schlimm war, denn es gab ohnehin keinen Wein und keine Cocktails mehr. Die Polizeibeh\u00f6rde der Ortenau l\u00f6ste augenblicklich ihre Kontrollen auf, da mit zu beschlagnahmten F\u00fchrerscheinen an diesem Abend nicht zu rechnen war. M\u00fc\u00dfig zu erw\u00e4hnen, dass der Wein, so noch vorhanden, sowohl untrinkbar als auch hoffnungslos \u00fcberteuert war. Insofern hatte der Mangel auch sein Gutes! Zusammen mit dem Glaspfand zog es mir nahezu den finanziellen Boden unter den F\u00fc\u00dfen weg.<\/p>\n<p>Ges\u00e4umt wurden die Pl\u00e4tzchen und Wege von Ausstellern von allerlei nutzlosem Zeugs, wie man es nur von Jahr- bzw. Wochenm\u00e4rkten in Regionen mit \u00fcberwiegend l\u00e4ndlicher Struktur antrifft. Glasperlen und geschliffene Steine, wie man sie in der Jungsteinzeit zum Tauschen verwendete, h\u00fcbsche gedrechselte Holz-Rumstehchen, gebatikte, luftig leichte T\u00fccher, Lakritze in Stangen- oder Schneckenform &#8211; die Kunst hat sich haupts\u00e4chlich in k\u00fcnstlichem Schnickschnack pr\u00e4sentiert. Ich muss gestehen, dass wir uns eher weniger intensiv mit den gutgemeinten Auslagen besch\u00e4ftigt haben.<\/p>\n<p>Ein Schw\u00e4tzchen hier, ein Hall\u00f6chen da, viele durstige Seelen suchten alsbald ergiebigere Trinkst\u00e4tten auf, die auf mehrere G\u00e4ste eingerichtet waren. Und so pl\u00e4tscherte der Abend dahin und wir sehnten uns nach einem gem\u00fctlichen Abend mit einem Gl\u00e4schen Rotwein, einer langweiligen Quizshow und der einschl\u00e4fernden Berieselung durch Johannes B-Punkt Kerner.<\/p>\n<p>Ach ja, die Live-Musikdarbietungen im Lahrer Stadtpark waren echt um Klassen besser als Fischer, Maffay und Co.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eKunst und Genuss\u201c im Lahrer Stadtpark ist ein Event im Stadtpark von Lahr mit Kunst und Genuss. Der Sinn liegt darin begr\u00fcndet, dass es eine Kunst ist, den Genuss auch als solchen zu empfinden. Und wir waren erstmals dabei! Es lagen keine wirklichen Alternativen f\u00fcr den Samstagabend vor. 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