{"id":272,"date":"2017-08-01T12:29:55","date_gmt":"2017-08-01T10:29:55","guid":{"rendered":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=272"},"modified":"2017-08-01T12:30:03","modified_gmt":"2017-08-01T10:30:03","slug":"grosswildjagd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=272","title":{"rendered":"Gro\u00dfwildjagd"},"content":{"rendered":"<p>Bitte keine Heldenverehrung! Wenn \u00fcberhaupt, dann ein wenig stille Bewunderung, anerkennende Blicke und geb\u00fchrenden Respekt. Dann soll\u00b4s aber auch gut sein. Zuviel Eigenlob wird gerne auch als \u00dcberheblichkeit oder Eitelkeit interpretiert, und das ist bei Leibe nicht der Fall.<\/p>\n<p>Nachdem das Gejammer der Winzer und Bauern nach dem Fr\u00fchjahrsfrost verebbt ist, und die Ernten voraussichtlich, allen Unkenrufen zum Trotz, doch in der Qualit\u00e4t akzeptabel sein werden, verw\u00f6hnt uns der Sommer mit sommerlichen Temperaturen und den dazugeh\u00f6rigen Gewittern. \u00d6rtlich begrenzte Hagelschauer l\u00e4sst die Agrarier aber bereits wieder in ihren Grundfesten ersch\u00fcttern, und auch die Lieferzeiten von Daimler sind viel zu lang.<\/p>\n<p>Gut, das hat nun wirklich gar nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun, musste allerdings einmal zu Papier gebracht werden! Und die lauen Sommern\u00e4chte bilden den geschmeidigen \u00dcbergang zum Kern des Ereignisses. Es war eine solche laue Sommernacht. Das Morgengrauen k\u00fcndigte sich bereits an, als mich fremdartige Ger\u00e4usche j\u00e4h aus lieblichen Tr\u00e4umen rissen. Zun\u00e4chst nur unklar. Wie aus einer gr\u00f6\u00dferen Entfernung. Sobald sich aber Geh\u00f6r und Verstand auf einem Level bewegten, gestaltete sich die Wahrnehmung deutlich konkreter: Die fremdartigen Ger\u00e4usche waren erschreckend hautnah. Offensichtlich in unmittelbarem Kontakt mit unserem Haus. Da mein absolutes H\u00f6rverm\u00f6gen, welches einseitig ein wenig gelitten hat, und ein wager Ansatz von Tinnitus manch stille Weise zu \u00fcbert\u00f6nen wagt, erhob ich mein Haupt leicht, um mit beiden Ohren eine dreidimensionale Ortung der Quelle zu erm\u00f6glichen. Alsbald wurde diese Quelle lokalisiert \u2013 auf dem Dach unseres Hauses. Ohne jeden Zweifel war dort unter einer Herde Elefanten in eine Stampede ausgebrochen. Eine andere Interpretation lie\u00df die fr\u00fche Morgenstunde nicht zu!<\/p>\n<p>Mit dem eigentlich unn\u00f6tigen Absatz m\u00f6chte ich ein wenig mehr Dramaturgie in die Schilderung bringen. \u00c4hnlich einer k\u00fcnstlerischen Pause bei einem ergreifenden Vortrag \u00fcber die W\u00e4rmed\u00e4mmung von 599mm X 199mm X 150mm Ytong-Steinen.<\/p>\n<p>Es war der zunehmenden Wachheit geschuldet, dass der Verstand dem Geh\u00f6r folgte, und an logischem Denken gewann. Eine Elefanten-Stampede auf dem Dach unseres Einfamilienhauses mit Einliegerwohnung war schlichtweg nur schwer vorstellbar, und weder m\u00fcndlich noch schriftlich zu vermitteln. Augenblicklich schossen mir die t\u00e4glichen Polizeiberichte durch den Kopf, dass osteurop\u00e4ische Diebesbanden ihr Unwesen gerne in grenznahen Regionen aus\u00fcben. Aber auf dem Dach? Die Ratio gewann auch hier die Oberhand. Blieb eine weitere Variante: Santa Claus versucht durch den Kamin Geschenke unter dem Strau\u00df Sonnenblumen zu platzieren. Da es bis zum Fest des Kaufrausches jedoch noch etliche Monate hin ist, schied auch diese Vermutung vern\u00fcnftiger Weise aus. Schlie\u00dflich entpuppte sich die Stampede der Elefanten als ein blutr\u00fcnstiger, unter Naturschutz stehender, Marder. Normalerweise finden seine Streifz\u00fcge in den Motorr\u00e4umen der Fahrzeuge von Laternenparkern statt. Allerlei elektrisches Kabelged\u00f6ns und Isolierungen sollen sehr schmackhaft sein, auch wenn sie weder ein Biosiegel aufweisen, noch aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt sind. Sei`s drum.<\/p>\n<p>Offensichtlich liebestoll geb\u00e4rdete sich der n\u00e4chtliche St\u00f6renfried von Dachrinne zum First und zur\u00fcck. Die Holzdecke erwies sich dabei eindrucksvoll als hervorragender Resonanzboden! Das Spielchen wollte nicht anfangen aufzuh\u00f6ren, und so fasste ich den mannhaften Entschluss dem Treiben ein Ende zu setzen. Todesmutig, bewaffnet mit einem Indoor-Besen, schlich ich mich elfenhaft in den ersten Stock, um direkt vor Ort den genauen Laufweg des Aufdringlings auszukundschaften. Seine Laufwege waren eindeutig abgestimmter als die der deutschen Frauen-Nationalmannschaft bei der Fu\u00dfball-EM. Im Gegensatz zu ihnen beabsichtigte der Marder die erste KO-Runde zu \u00fcberstehen, und meine ersten zaghaften Klopfger\u00e4usche zu ignorieren. Ich entschied mich f\u00fcr eine h\u00e4rtere Gangart! Mittlerweile wusste ich fehlerlos die Routen auf dem Dach zu lokalisieren, und traktierte das Monster mit gezielten kr\u00e4ftigen Schl\u00e4gen gegen die Holzdecke. Der Resonanzboden erwies sich ab sofort als mein engster Verb\u00fcndeter. Nach wenigen Minuten ertrug offensichtlich das Getier die akustische Folter nicht l\u00e4nger und st\u00fcrmte unter bestialischem Fauchen \u00fcber die Dachrinne zur\u00fcck in die Wildnis. Der Sieg war meiner!<\/p>\n<p>Neben dem Morgengrauen leuchtete inzwischen in allen umliegenden Nachbarh\u00e4usern in allen R\u00e4umen die hellst m\u00f6gliche Licht-Stufe, die man mit dem Dimmer regulieren konnte. Schemenhaft huschten leichtbekleidete Gestalten von Zimmer zu Zimmer, um schlaftrunken und verzweifelt nach dem n\u00e4chtlichen Radau zu fahnden. Ergebnislos, denn ich hatte mich bereits wieder in die ehelichen Gem\u00e4cher zur\u00fcckgezogen.<\/p>\n<p>Am Fr\u00fchst\u00fcckstisch schm\u00fcckte ich dann die Schreckensnacht ein wenig blumig aus, um mich in den bewundernden Blicken der Gattin zu sonnen. Der Tag konnte nicht besser beginnen. Ein Held war \u00fcber Nacht geboren. Immerhin wurde aus dem Elefanten keine M\u00fccke, sondern wenigstens ein Marder. Ist doch auch was. Oder?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bitte keine Heldenverehrung! Wenn \u00fcberhaupt, dann ein wenig stille Bewunderung, anerkennende Blicke und geb\u00fchrenden Respekt. Dann soll\u00b4s aber auch gut sein. Zuviel Eigenlob wird gerne auch als \u00dcberheblichkeit oder Eitelkeit interpretiert, und das ist bei Leibe nicht der Fall. 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