{"id":240,"date":"2017-06-07T14:19:54","date_gmt":"2017-06-07T12:19:54","guid":{"rendered":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=240"},"modified":"2017-06-07T14:20:06","modified_gmt":"2017-06-07T12:20:06","slug":"autobiogrphie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=240","title":{"rendered":"Autobiogrphie"},"content":{"rendered":"<p>Wer sich heute mit dem Gedanken qu\u00e4lt einen Neuwagen anzuschaffen, der muss sich durch nicht enden wollende Zubeh\u00f6rlisten arbeiten, um dann festzustellen, dass der eigentliche fahrbare Untersatz das Preiswerteste an der ganzen Investition ist. Die Annehmlichkeiten und Bequemlichkeiten verlocken zu einem H\u00e4kchen hier und einem Kreuzchen da. F\u00fcr Papa die Sportausstattung, f\u00fcr Mama den Parkassistenten. Sitzheizung und Klimaautomatik sorgen f\u00fcr Wohlbefinden bei jeder Gro\u00dfwetterlage, und die nette junge Dame vom Navi verstr\u00f6mt gro\u00dfes Vertrauen in den Anweisungen zur Fahrtroute. Es gibt nichts was es nicht gibt. Allerlei Angebotspakete und Finanzierungsofferten erleichtern die Entscheidung, anstelle der gerade noch fahrbaren Standard-Ausstattung doch eine exklusivere Variante zu ordern. Der Licht- und Regensensor ist ebenso inklusive wie das Multifunktionslenkrad. Ein lohnendes Gesch\u00e4ft. Und au\u00dferdem: Ein Fahren ohne Tempomat ist zwar m\u00f6glich, aber undenkbar.<\/p>\n<p>Wer erinnert sich eigentlich noch an die guten alten Zeiten? Opel Kadett B, das zweifarbige Coup\u00e9: Unten dunkelrot, oben, ab Unterfensterkante, schwarz. Auch in Nappaleder-Optik ein absoluter Hingucker! Oder in schl\u00fcpferfarbenem Hellblau! Anstelle Xenon- oder LED-Kurvenadaptierumdieeckevollausleuchtung (Puh!) funzelten klassische Gl\u00fchbirnchen in der Dunkelheit herum. Diese konnte man sage und schreiben noch eigenh\u00e4ndig auswechseln! Riesige Halogenscheinwerfer und Breitstrahler sollten Finsternis und Nebelb\u00e4nke aufhellen, brachten allerdings so manche Lichtmaschine an ihr Limit. Ohne Frage: Die gesamten Laternen wurden selbstverst\u00e4ndlich nachtr\u00e4glich auf der Stossstange montiert, die aus Stahl bereits grob gesch\u00e4tzte 50% des KFZ-Gesamtgewichtes ausmachte. Von einer farblich abgestimmten Integration in die Karosserie unter dem K\u00fchlergrill waren sie meilenweit entfernt.<\/p>\n<p>Unweit des Lichterbaums, auf dem Kotfl\u00fcgel, wurden die L\u00f6cher f\u00fcr die Teleskop-Antenne gebohrt. Beim Abstellen des KFZs wurde diese achtsam eingeschoben, und beim Starten wieder herausgezogen. Das machte auch Sinn, weil sie in den meisten F\u00e4llen durch den Kotfl\u00fcgel in den Radkasten ragten, und wo es in Kurven mit den Pneus zu einer Kollision kommen w\u00fcrde. Dies konnte man unmittelbar an den Ger\u00e4uschen erkennen, da die Karosserie als Klangk\u00f6rper die Situation dramatisch wiedergab.<\/p>\n<p>Ohne stromlilienf\u00f6rmige Au\u00dfen-R\u00fcckspiegel im Nierentisch-Design ging gar nichts! Nachtr\u00e4glich montiert, auf H\u00f6he der dreieckigen Ausstellfensterchen, ausschlie\u00dflich manuell verstellbar. Wie bei den L\u00f6chern f\u00fcr die Antenne waren auch hier dem Rost in der Stahlkarosse T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Apropos R\u00e4der. Keine Alufelgen &#8211; Stahlfelgen und Radkappenblender waren vorherrschend, und unz\u00e4hlige dieser Radkappen zierten Stra\u00dfenr\u00e4nder und \u2013Gr\u00e4ben. Vielerorts dienten sie eifrigen Troph\u00e4ensammlern als Blumenschale.<\/p>\n<p>Als weiteres optisches Highlight fuhren j\u00fcngere Autobesitzer auf Kunststoffkappen ab, die sie \u00fcber die Radmuttern st\u00fclpten. Ob in Wagenfarbe oder komplement\u00e4r lie\u00dfen sie jede Alufelge vor Neid erblassen. Nicht selten griff man auch zu verchromten Varianten. Blendende Zierde, ohne Zweifel, jedoch splitterte bereits bei der ersten Montage das ein oder andere St\u00fcck aus dem Blendwerk.<\/p>\n<p>Verlassen wir nun das \u00c4u\u00dfere des Schmuckst\u00fcckes und wenden uns dem \u00fcberaus interessanten Innenleben zu. Das Thema Sicherheit stand noch nicht bedingungslos im Fokus \u2013 mit gut gemeinten Attrappen gaukelte man hier gerne Ernsthaftigkeit vor.<\/p>\n<p>Wo heute integrierte Kopfst\u00fctzen keinen Zweifel an sch\u00fctzender Funktion lassen, gab es derzeit, wenn \u00fcberhaupt, lediglich Kopfst\u00fctzen zum Aufstecken auf die R\u00fcckenlehnen der Frontsitze. Das Vertrauen bekam bereits beim Einsteigen einen j\u00e4hen D\u00e4mpfer, wenn sie ohne Ank\u00fcndigung oder erkennbaren Grund nach hinten in den Fu\u00dfraum des Fonds fielen, wo sie weder durch Form, noch durch Funktion \u00fcberzeugen konnten.<\/p>\n<p>Noch abenteuerlicher als die Kopfst\u00fctzen gestalteten sich die Sicherheitsgurte. Wer eine Strangulation nicht scheute, der r\u00fcstete seinen fahrbaren Untersatz mit Hosentr\u00e4ger-F\u00fcnfpunkt-Gurten aus. Allein die Zahl F\u00fcnf beeindruckte, garantierte allerdings keineswegs den erw\u00fcnschten Schutz f\u00fcr Leib und Leben. Rumpf und Beine wurden fixiert, und eine zentrale Fangleine sollte verhindern was bei einem Ungl\u00fcck zu verhindern gewesen w\u00e4re. Die Fangleine wurde fachgerecht hinter der R\u00fcckbank, unter der Hutablage verankert. Die Schrauben mit dem Potentiometer nach DIN knallhart angezogen, und mit einer zweiten Mutter gekontert. Allerdings hielt die Kofferraumabdeckung, an der sich die Mutter klammerte, nicht den ersehnten Erwartungen auf die erforderliche Widerstandskraft. Aber sicher besser als gar nichts.<\/p>\n<p>Das Lenkrad verf\u00fcgte \u00fcber eine zweidimensionale Multifunktion. Man konnte, mit reiner Muskelkraft, also ohne Servo-Unterst\u00fctzung, jeweils nach links oder rechts chauffieren. So, wie es die allgemeine Verkehrssituation erforderte. Eine haptische Aufwertung konnte man durch einen Handschwei\u00df absorbierenden Leder-Imitat-Schoner verwirklichen. Die Folge waren dunkle Flecken an der Zehnnachzehn-, bzw. Zehnvorzwei-Griffstellung. Waren die Befestigungsschn\u00fcre nicht straff genug gezurrt, rutschte es hin und her, was zu manch un\u00fcbersichtlicher Situation, nicht nur auf kurvigen Alleen, f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Ultimativer Bringer war jedoch der \u00d6ldruckmesser auf dem Armaturenbrett! Das konnte nur noch getoppt werden, wenn ein Drehzahlmesser daneben zum Einsatz kam. Selbst das h\u00fcbscheste Paar Beine auf dem Trottoir erlangte nicht ann\u00e4hernd solche Aufmerksamkeit wie dieses P\u00e4rchen innovativer Kontrolltechnik.<\/p>\n<p>Gerne genommen wurden auch Kippschalter. Mehr Kippschalter als denkbare Funktionen wurden dabei von jedem Beifahrer anstandslos akzeptiert. In der Regel bet\u00e4tigte man damit die Funktionen \u201eLicht an \/ aus\u201c, besonders fortschrittliche Karossen auch noch die Scheibenwischer in einer Universalgeschwindigkeit. Nat\u00fcrlich nicht zu vergessen, die zus\u00e4tzlichen Halogenscheinwerfer auf der Sto\u00dfstange!<\/p>\n<p>Das Heck der Fahrzeuge pr\u00e4sentierte sich hingegen etwas aschenputtelig. Der schlichte, einrohrige Auspuff war lediglich durch eine Doppelrohrattrappe aufzupeppen. Sie hing meist schief, ohne jeglichen sicheren Halt in der Landschaft herum. Neben den Radkappen ziert sie weitaus mehr Stra\u00dfenr\u00e4nder und \u2013gr\u00e4ben als Auspuffrohre. Erfinderisch, wenn auch ein wenig illegal, stellten sich die akustischen Soundtunings dar. Un\u00fcberh\u00f6rbar sorgte bereits ein kleines L\u00f6chlein im Auspuffrohr f\u00fcr Aufsehen. Manipulationen am sogenannten Topf garantierten Fehlz\u00fcndungen und in besonders gr\u00fcndlichen Eingriffen sogar f\u00fcr Stichfl\u00e4mmchen, die dann auch f\u00fcr den Verlust der Doppelrohrattrappe verantwortlich.<\/p>\n<p>Alle Pseudo-Rallye-Amateurpiloten fahren auf das absolut ultimative Tuning ab. Nur f\u00fcr die echten Cruser geeignet, f\u00fcr die Bekenner des reinen Heckantriebs, ist wenige Zentimeter schr\u00e4g-gestellte Motorraumhaube. Spezielle Halter mit Gummiklammern sollen f\u00fcr zus\u00e4tzliche Bel\u00fcftung des Motorraumes sorgen. Die sportliche Optik \u00fcberwiegt allerdings bei weitem. Oberaffen turbogeil ist dann nur noch der au\u00dfen liegende \u00d6lk\u00fchler. Ein Gerippe von Lamellen, durch die angeblich das Motor\u00f6l gepumpt wird, um bei extremer Fahrweise das \u00d6l auf geschmeidigster Betriebstemperatur zu halten. So, wie es f\u00fcr jeden ambitionierten Citticruser unabdingbar erforderlich ist, da sich in den engen H\u00e4userschluchten die Hitze ins uferlose staut.<\/p>\n<p>Am Rande erw\u00e4hnenswert nach all den technischen Highlights sind lediglich noch die schm\u00fcckenden Aufkleber: Atomkraft, nein danke! Stoppt Tierversuche, nehmt Opelfahrer! Etc. Gott sei Dank waren derzeit solche Abarten wie: Sven an Board! CannABIs auf Rezept! Oder Kinder und M\u00fctter zuerst in die Boote! noch nicht im freien und fairen Handel zu erwerben.<\/p>\n<p>Mal ehrlich, das war doch noch Autofahren pur! Herrscher \u00fcber PS statt KW. Keine Servolenkung, kein ABS, kein Bremskraftverst\u00e4rker, keine R\u00fcckfahrkamera, kein Allrad, kein Navi, keine ZV, keine Verkehrsschilder-Erkennung, keine Multifunktion und Sprachsteuerung \u2013 aber jeden Samstag waschen, f\u00f6hnen, polieren.<\/p>\n<p>P.S.\/K.W.: Fast h\u00e4tte ich die Romantiker der Chauffeure vergessen. F\u00fcr diese Klientel entwarfen die Designgurus die Vase to go. Per Saugnapf ans Armaturenbrett fixiert, und der Angebeteten baumelte eine Plastiknelke aus der Schie\u00dfbude vor der Nase herum. Theoretisch h\u00e4tte es auch ein leibhaftiges Gew\u00e4chs in der f\u00fcllhornf\u00f6rmigen Vase gut gehabt. Bei einer innigen Liebesbezeugung jedoch bestand die latente Gefahr einer Neigung \u00fcber 90\u00b0, was der Liebesbezeugung nicht unbedingt f\u00f6rderlich gewesen w\u00e4re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer sich heute mit dem Gedanken qu\u00e4lt einen Neuwagen anzuschaffen, der muss sich durch nicht enden wollende Zubeh\u00f6rlisten arbeiten, um dann festzustellen, dass der eigentliche fahrbare Untersatz das Preiswerteste an der ganzen Investition ist. Die Annehmlichkeiten und Bequemlichkeiten verlocken zu einem H\u00e4kchen hier und einem Kreuzchen da. F\u00fcr Papa die Sportausstattung, f\u00fcr Mama den Parkassistenten. 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