{"id":228,"date":"2017-05-18T10:58:28","date_gmt":"2017-05-18T10:58:28","guid":{"rendered":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=228"},"modified":"2017-05-18T10:58:43","modified_gmt":"2017-05-18T10:58:43","slug":"geschenkte-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=228","title":{"rendered":"Geschenkte Zeit"},"content":{"rendered":"<p>Um Unwissende aber Interessierte auf einen einheitlichen Wissensstand zu man\u00f6vrieren, hier eine kurze Einf\u00fchrung in die Lage. Geburtstagsgeschenke stellen die meisten vor eine kreative Herausforderung. Insbesondere, wenn es sich um runde handelt. Da ist es von unsch\u00e4tzbarem Vorteil, wenn der Zubeschenkende mit seinen W\u00fcnschen schon mal eine passende Richtung vorgibt. So geschehen auch bei Lothars 70er. Sein Herzenswunsch war Zeit. Wir, das hei\u00dft Roswitha, Hubert, Elisabeth und ich, der Chronist, beugten uns diesem Wunsch gerne. Selbstverst\u00e4ndlich war Hiltrud untrennbar mit von der Party. Wir entschieden uns f\u00fcr die Variante \u201eLaufen &amp; Saufen\u201c und w\u00e4hlten eigens daf\u00fcr ein Datum, das uns meteorologisch einen herrlichen Tag bescheren sollte \u2013 den 06. Mai 2017.<\/p>\n<p>Sowohl der Weg, als auch das Ziel war und blieb \u00fcberraschend. Geplanter Start war um 11:00 Uhr mit dem Aufsammeln des Jubilares nebst Gattin, sowie ca. 30 Minuten sp\u00e4ter das Eintreffen in Nonnenweier. Trotz Staus auf der A5, p\u00fcnktlich wie die Maurer, trafen die Fischers und Maiers im W\u00f6rtelweg ein. Nach herzlicher Begr\u00fc\u00dfung und dem Erkunden des allgemeinen Befindens, brachte ein Gl\u00e4schen Sekt die erwartungsvolle Runde recht schnell auf die brisanten Themen der aktuellen Politik, und die anstehenden Wahlen bei unseren Nachbarn und bei die D\u00f6spaddels im hohen Norden. Die Zeit konnte uns nicht davon laufen, wir hatten sie fest im Griff.<\/p>\n<p>Ohne Hektik wurde die Sitzordnung im Camper besprochen, der uns sechs gemeinsam an den Kaiserstuhl bringen sollte. Ein Camper ist nun mal kein Bus und die freien Pl\u00e4tze waren im Nu an Fahrer, Geburtstagskind und die Damen vergeben. Der Chronist sa\u00df die paar Kilometer im wahrsten Sinne des Wortes auf einer A-Backe ab, und Roswitha (offensichtlich mit solchen Situationen vertraut), auf dem Boden kauernd zwischen \u00f6konomisch einwandfreiem, Solarzellen gespeistem Herd und dem Kombiraum Dusche\/Toilette. Vereinzelte kleine Spritzer an der Windschutzscheibe wurden einfach ignoriert.<\/p>\n<p>Programmpunkt Nr.2 war die Eismanufaktur in K\u00f6nigschaffhausen. Wir waren die einzigen G\u00e4ste, lie\u00dfen uns allerdings den Genuss nicht vermiesen. Etwas sp\u00e4ter, als die Eisesk\u00e4lte sich bereits im K\u00f6rper breit macht, wagte sich eine fremde Dame in die Eisbar. Sie begn\u00fcgte sich jedoch mit einem Bollen \u2013 angeblich wegen Geldmangels. Wir \u00fcberredeten sie sich dann doch f\u00fcr die Sorte Orange\/Joghurt zu entscheiden. Sie bedankte sich f\u00fcr diese Empfehlung. Auf dem R\u00fcckweg zum Camper, vorbei an der Fischergasse, st\u00f6rten wir ein Spatzenp\u00e4rchen, das aufgeschreckt seine Paarungsaktivit\u00e4ten auf dem Fensterbrett abbrach und zeternd davon flog.<\/p>\n<p>Programmpunkt Nr.3 war der Abmarsch vom Parkplatz in Burkheim. Altersgerecht spazierten wir einen seichten Anstieg hinauf auf eine Terrasse zwischen den Reben. Der Rundweg war mit einer gelben Raute gekennzeichnet. Aber das nur nebenbei. Wie im Fr\u00fchling nicht anders zu erwarten, erwachte die Vegetation zum Leben. Der Weg war ges\u00e4umt mit allerlei Kr\u00e4utern und Unkr\u00e4utern. Augenblicklich begann man mit der Bestimmung derselben und Ratschl\u00e4gen f\u00fcr welche Wehwehchen sie n\u00fctzlich seien, bzw. welche Aromen in Salaten oder Kr\u00e4uterbuttern besonders schmackhaft. Der Outdoor-Naturkunde-Unterricht setzte sich mit der angestrengten Identifikation des Vogelgezwitschers fort. Dabei wurde des gesamte Arten-ABC bem\u00fcht: Von A, wie Amsel oder Ammer bis Z, wie Zaunk\u00f6nig oder Zeisig. Zur Sprache kamen Namen, die ich mein Leben lang noch nicht geh\u00f6rt hatte und bei den Ges\u00e4ngen reichte meine Kenntnis gerade einmal f\u00fcr Taube, Kuckuck und K\u00e4uzchen. Aber meine Stunde sollte noch kommen.<\/p>\n<p>Die Gespr\u00e4chsthemen gingen nicht aus, und mit stets wechselnden Laufpartnern war allerlei Kurzweil angesagt \u2013 schlie\u00dflich waren irgendwann alle Kr\u00e4uter und Laute identifiziert. Immer wieder gerne genommene Themen der BestAger sind gesundheitlicher Art und, mit welchen Pl\u00e4nen man gedenkt in den n\u00e4chsten Wochen und Monaten dem Lieben Gott die Zeit zu stehlen. So marschierten wir durch Gottes freie Natur, bis die Wetterfr\u00f6sche Recht behalten sollten und der vorhergesagte Mairegen an Intensit\u00e4t zunahm. Regencapes und \u2013Schirme wurden aus den Rucks\u00e4cken gezaubert und die Wegstrecke besonders aufmerksam studiert, um ja nicht auf einer glitschigen Baumwurzel auszurutschen und wom\u00f6glich einen Oberschenkelhalsbruch zu riskieren. Irgendwie sehen Wanderer mit Schirmen bl\u00f6d aus! Aber noch bl\u00f6der tropfnasse Radfahrer ohne Schirme.<\/p>\n<p>Die Wanderung endete dort, wo sie begonnen hatte: In Burkheim. Bei der Suche nach etwas Schutz und W\u00e4rme landeten wir im Art Caf\u00e9. Wir frotzelten noch \u00fcber den Namen, und ob der Kaffee wohl eher eine Art von Kaffee sei. Leider war der Name Programm. Auch die ersehnte W\u00e4rmestube war komplett besetzt und wir mussten, zwar bedacht aber mehr oder weniger im Freien, Platz nehmen. Notdurftm\u00e4ssig jedoch 1A-Lage, unmittelbar am Eingang zur Unisex-Toilette. K\u00e4lte und Kaffee sind immer Garant f\u00fcr \u00fcberproportionalen Harndrang, und so durften wir uns \u00fcber ausreichend Abwechslung erfreuen. In einer kleinen Stauphase gesellte sich ein h\u00fcbsches junges M\u00e4dchen zu unserer Gruppe. Sie konnte ihre Herkunft aus einem zentralafrikanischen Land nicht verbergen, und ihr Teint erinnerte mich irgendwie an die Sorte \u201eZartbitter\u201c aus der Eismanufaktur in K\u00f6nigschaffhausen. Die Unaufmerksamkeit des h\u00fcbschen jungen M\u00e4dchens nutzte ein anderes M\u00e4del schamlos aus, und schl\u00fcpfte aufs WC obwohl sie noch nicht an der Reihe war. Wir machten sie auf ihr Vergehen sofort nach Verlassen des \u00d6rtchens aufmerksam. Es war allerdings f\u00fcr ein R\u00fcckg\u00e4ngigmachen zu sp\u00e4t und sie bedauerte die Tat zutiefst.<\/p>\n<p>Nach schlechtem, teils kaltem Kaffee aber ordentlichem Kuchen stromerten wir durch die romantischen Gassen von Burkheim zur\u00fcck zum Camper. Der Mairegen nahm sich eine sch\u00f6pferische Pause, sodass wir trockenes, sauberes Schuhwerk anlegen konnten und mit einem Blick in den R\u00fcckspiegel auch einen ordnenden Strich durch das verbliebene Haupthaar machen.<\/p>\n<p>Nachdem wir die bekannte Sitzordnung wieder eingenommen hatten, ging die Fahrt in Richtung Abendmahl. Auf der Fahrt aus Burkheim heraus eskortierte uns ein St\u00fcck des Weges eine Rotte blutjunger M\u00e4dels im heiratsf\u00e4higen Alter. Offensichtlich die letzte Gelegenheit f\u00fcr eine aus ihrer Mitte, das Singleleben z\u00fcnftig abzuschlie\u00dfen. Trotz des Mairegens schauten sie ein wenig niedergeschlagen ins Wetter.<\/p>\n<p>Programmpunkt Nr.4, dem abschlie\u00dfenden H\u00f6hepunkt des Tages \u2013 ein Abendessen in der Kellerwirtschaft in Oberbergen. Allen Unkenrufen zum Trotz befindet sich die Kellerwirtschaft nicht unten, sondern oben. Unten, in der Vinothek, verk\u00f6stigte sich eine Busladung Hobby-Sommeliers aus dem kulinarischen Niemandsland. Mit fachkundiger Mine begutachtete man Farbe und Struktur des Weines, erschn\u00fcffelte die Duftnoten des Bouquets und diskutierte \u00fcber die Nachhaltigkeit des Abgangs am Gaumen. Wir \u00fcberlie\u00dfen die Laienweinkenner ihrem Schicksal und stiegen erwartungsvoll empor in die Kellerwirtschaft. Dem Anlass entsprechend hatten wir einen Tisch mit Ausblick reserviert. Dieser jedoch unterschied sich lediglich nur in Nuancen von dem Sichtbeton-Mauerwerk. Wir konzentrierten uns deshalb mehr auf Gerichte und Weine. Nun war meine Stunde gekommen! Die Wahl der begleitenden Weine wurde vertrauensvoll in meine H\u00e4nde gelegt. Ohne gro\u00dfes Eigenlob \u2013 die Wahl des Wei\u00dfen und Roten konnte nicht besser sein. Zum Start jedoch lie\u00dfen wir M\u00e4nner uns nicht irritieren und orderten im Weingut Keller erst einmal ein Sturzbier.<\/p>\n<p>Das Essen war ausgezeichnet, und es kam nur noch einmal wenig Unruhe unter der Weiblichkeit auf, als eine Schar junger M\u00e4nner die Lokalit\u00e4t betrat, denen man durchweg eine gewisse Attraktivit\u00e4t nicht absprechen konnte. Ausgleichende Gerechtigkeit! Man wandte sich schon bald wieder den Ehem\u00e4nnern zu, man wusste schlie\u00dflich zu sch\u00e4tzen, was man an ihnen hatte. Nachdem die Teller geschleckt, und die Flaschen geleert waren entschloss man sich f\u00fcr die Heimfahrt und einen Scheidebecher im W\u00f6rtelweg. Lothar empfand, dass der Salat ziemlich fettig gewesen sein soll. Mit einem Klaren konnte kurzfristig f\u00fcr Erleichterung gesorgt werden.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst schien es so, als ob der Jubilar der Runde zum j\u00e4hen Aufbruch animieren w\u00fcrde. Eine sch\u00f6pferisch geistige Schw\u00e4chephase wurde rasant \u00fcberwunden. Beim Stichwort \u201eMutti\u201c erwachten die Lebensgeister zusehends und so konnte die Zeitreise mit komplettem Teilnehmerkreis zu einem gl\u00fccklichen Ende gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Auf eine baldige Wiederholung!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um Unwissende aber Interessierte auf einen einheitlichen Wissensstand zu man\u00f6vrieren, hier eine kurze Einf\u00fchrung in die Lage. Geburtstagsgeschenke stellen die meisten vor eine kreative Herausforderung. Insbesondere, wenn es sich um runde handelt. Da ist es von unsch\u00e4tzbarem Vorteil, wenn der Zubeschenkende mit seinen W\u00fcnschen schon mal eine passende Richtung vorgibt. 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