{"id":110,"date":"2017-03-25T09:39:42","date_gmt":"2017-03-25T09:39:42","guid":{"rendered":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=110"},"modified":"2017-03-25T09:39:47","modified_gmt":"2017-03-25T09:39:47","slug":"bei-die-doespaddels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=110","title":{"rendered":"Bei die D\u00f6spaddels"},"content":{"rendered":"<p>Zusammengefasst kann man sagen: Jou n\u00e4h. So oder \u00e4hnlich \u00fcberschw\u00e4nglich, blumig w\u00fcrde der geborene Nordfriese seinen wundersch\u00f6nen Urlaub beschreiben. Aber werfen wir einen Blick auf die bemerkenswerten Details: Eine Woche St. Peter Ording (SPO).<\/p>\n<p>Ausufernde Begeisterung &#8211; der Strand. Schier ohne Ende, selbst der Horizont reichte nicht aus, um zu sehen, wohin das Wasser denn eigentlich l\u00e4uft. Respektive woher bei Flut die Flut kommt. Platz genug haben sie ja. Woraufhin sich mir, trotz besseren Wissens, die Frage stellte, ob die Erde nicht doch eine Scheibe sei. Besonders bei Ebbe. Leider reichte die Zeit nicht, um die Frage verbindlich zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Den Pl\u00e4nen, ein paar Tage in SPO zu genie\u00dfen, habe ich bedingungslos zugestimmt, weil ich mich insgeheim r\u00e4chen wollte. R\u00e4chen an der Kirche. Ein Atheist in St. Peter. Sp\u00e4te Rache f\u00fcr seit \u00fcber 40 Jahren gezahlte Kirchensteuer, obwohl ich mich bereits Ende der 60er aus diesem Club verabschiedet hatte. Es war eine Rache, die weder von den Eingeborenen noch von der Schar der Touristen beachtet, noch mit frenetischem Beifall bedacht wurde. Daraufhin habe ich den Ort konsequent in Hans-Peter Ording umgetauft. Um mein Gewissen zu beruhigen. Ich wollte schlie\u00dflich einen erholsamen Urlaub verbringen und nicht st\u00e4ndig an die unfreiwilligen, \u00e4u\u00dferst gro\u00dfz\u00fcgigen Spenden erinnert werden, die ich den Kuttentr\u00e4gern unfreiwillig in die prallen S\u00e4ckel abtreten musste.<\/p>\n<p>Hans-Peter Ording bestand aus 3 Ortsteilen Hans, Peter und Ording. H\u00e4tte man denken k\u00f6nnen. Weit gefehlt. Da haben wir n\u00e4mlich den Intellekt der Nordfriesen deutlich untersch\u00e4tzt. Der Pate der Gemeinde bestand schlicht auf: Dorf, Bad und Ording. Von S\u00fcd nach Nord, f\u00fcr den geographisch minderbemittelten: von Holland nach D\u00e4nemark. Au\u00dfer den Namen unterscheiden sich die Ortsteile dramatisch. Das Dorf macht seinem Namen alle Ehre! Wundersch\u00f6n, enge Gassen, kleine reetgedeckte H\u00e4uschen, schnuckelige Restaurants. Las man eine Speisenkarte, kannte man alle. Matjes, Krabben, Heringe namens Bismarck, Scholle und Kabeljau, zu denen es grunds\u00e4tzlich Bratkartoffeln gab. Selbst die Preise bewegten sich in einer Spanne, differierten maximal in den Stellen hinter dem Komma Punkt. So hat es der Touristen Verband den Besuchern leicht gemacht sich f\u00fcr einen bestimmten gastronomischen Betrieb zu entscheiden. Man konnte sich voll auf den Kampf um die besten Pl\u00e4tze konzentrieren, oder um die Erziehung der ungeduldigen Kinder, oder um weitere vergebene Liebesm\u00fche zur Abrichtung der Betatiere.<\/p>\n<p>Bad hie\u00df wohl deshalb Bad, weil das Baden im Meer besonderen Anlass zur Freude gab. Die Weite des Strandes, die Feink\u00f6rnigkeit des Sandes, die hundefreien Zonen, und die Sicherheit in diesen unruhigen Zeiten. Der Deutsche tat sich seit jeher hervor, wenn es um die Erbauung von Wehranlagen und Burgen ging. Was in Bad V\u00e4ter, Gro\u00dfv\u00e4ter und Heranwachsende erschufen l\u00e4sst die Architekten des Westwalls oder der Maschino-Linie im Grabe rotieren. Ihre Ausrichtung nach UK war seit dem Brexit von elementarer Bedeutung. Unberechenbarkeit wurde nur vom Blanken Hans erwartet. Den M\u00e4chten der Natur, mit ihren unz\u00e4hmbaren Gewalten \u00fcberstanden selbst die monumentalsten Bollwerke lediglich ein paar Zyklen der brausenden See. Puh, ist das nicht heroisch?<\/p>\n<p>Ach ja, Bad. Im krassen Gegensatz zum Dorf brandeten hier die Gesehenwerdenwollenden durch die Einkaufsmeile, die ebenso in jedem beliebigen anderen Kaff h\u00e4tte rumstehen k\u00f6nnen. Gesch\u00e4fte mit Angeboten, so \u00fcberfl\u00fcssig wie die Ideen von Thomas de Misere bzw. Ursula von der Leyden. Ich frage mich immer wieder: Wer kauft den ganzen M\u00fcll eigentlich? Und wer entwirft, produziert, vertreibt und verkauft diese Abnormit\u00e4ten an Kitsch? Obwohl \u2013 eine gewisse Affinit\u00e4t mit den Hunderassen lie\u00df sich nicht verleugnen. Sogar die Gesichter der Halter spiegelten sich auf wundersame Weise in denen der Rumgezerrten wider. Oder umgekehrt? Ich werde mich zu gegebenem Anlass wissenschaftlich mit diesem Thema auseinander setzten. Also, eine Kreuzung aus Bad und Dorf w\u00e4re das perfekte Idyll.<\/p>\n<p>Sollte irgendjemand an dem Ortsteil Ording interessiert sein? Nein? Auch gut, denn den kann man getrost ignorieren. Ein paar nette H\u00e4uschen. Zugegeben ordentlich und adrett aber die B\u00fcrgersteige werden nach intensiven Recherchen erst gar nicht nach unten geklappt, um sich das Personal zu ersparen. Ein-Euro-Jobber und bestens integrierte Migranten st\u00fcrzten sich frustriert bereits nach wenigen Stunden von den D\u00fcnen ins offene Meer, um der Tristesse ein j\u00e4hes Ende zu setzen.<\/p>\n<p>Der Altersdurchschnitt entpuppte sich als durchschnittlich. R\u00fcstige Rentner und junge Familien hielten sich die Waage und so pegelte sich der Durchschnitt eben zwischen 40 und 50 Jahren ein. Zur besseren Unterscheidung erkannte man die Unterdurchschnittlichen an den Golden Retrievers oder Labradoren, die R\u00fcstigen eher an undefinierbar getunten Ratten, wie Malti-Poos, Skih Tzus oder Yorkis. Ganz offensichtlich durften diese eine maximale K\u00f6rperh\u00f6he von 20 cm nicht \u00fcberschreiten. Das Gel\u00e4uf derart kurz, dass die Beine nur in Ausnahmef\u00e4llen bis auf die Erde reichten. Meine Bewunderung errangen sie sich dadurch, dass sie, trotz ihrer k\u00f6rperlichen Defizite, ein so lang anhaltendes Gekl\u00e4ffe verkraftet haben. Wer mit wem Gassi ging, bleibt nebul\u00f6s. Gezerrt wurde an beiden Enden der Leine \u2013meist behielten die Zweibeiner die Oberhand.<\/p>\n<p>Das Gepl\u00e4rr der Reproduktionen und das Gekl\u00e4ffe der vierbeinigen Mode-Accessoires hielten sich die Waage. Meist \u00fcbert\u00f6nte beides zeitlich parallel das Rauschen des Meeres. \u00dcber Verbote und Leinenzwang (nicht f\u00fcr die Halter! Leider!) setzte man sich elegant hinweg. Deshalb \u00a0pl\u00e4rrten auch noch die Lautsprechen gegen Brandung, Gepl\u00e4rr und Gekl\u00e4ffe \u00fcber den Strand ohne Ufer. Bezeichnender Weise stand unser Strandkorb unmittelbar neben einem Schicht mit rotem Rand und durchgestrichenem Hund unbekannter Rasse. Ich konnte mich entspannt in der 314 zur\u00fccklehnen.<\/p>\n<p>In der Stra\u00dfe der Eitelkeiten, genannt Fu\u00dfg\u00e4nger Meile, an der sich alle Restaurants und Caf\u00e9s breit machten, standen die St\u00fchle nicht nach dem Stand der Sonne ausgerichtet, sondern nach der Methode bestens Sehen und optimales Gesehen werden. Mit der Faustregel: Je \u00fcbersichtlicher das Treiben zu beobachten war, desto h\u00f6her die Getr\u00e4nkepreise. Zwischen Paaren mit Steuerklasse 1, Gro\u00dfeltern mit Enkeln oder Pinschern und J\u00fcngere mit Ansa Taifun oder Amely Luyanda oder Brokleyn oder wie immer die Bedauernswerten heute benannt werden, und Golden Retrievers oder Labradoren, radelten dann auch noch die Hund- und kinderlosen mit ihren Leihr\u00e4dern. Ein munteres Geklingel schreckt die Passanten aus den seligsten Urlaustr\u00e4umen. Zusammenst\u00f6\u00dfe endeten in der Regel mit verbalen Attacken. Es mangelte neben Einsicht auch an ausreichendem Platz bzw. Alternativen, um die Bedarfe rechtskr\u00e4ftig voneinander zu trennen. In der ganzen Hilflosigkeit der regionalen Amts- und W\u00fcrdentr\u00e4ger hat man die einzige Parallelstra\u00dfe zur K\u00fcste als Einbahnstra\u00dfe ausgeschildert. Jedoch nur f\u00fcr die Autos. Alle anderen Verkehrsteilnehmer streunten munter in alle Richtungen durch den Ort Bad, was zu manch skurrilen Szenen f\u00fchrte. Ordnungsh\u00fcter wurden generell nur auf den kostenpflichtigen Parkpl\u00e4tzen gesichtet, um Unholde mit Kn\u00f6llchen verkehrszuerziehen. Wenigstens ein Anfang.<\/p>\n<p>L\u00e4ge nicht der Gosch in absoluter 1A-Lage, w\u00e4re unsere Urlaubskasse deutlich entlasteter geblieben. Fisch und anderes Meeresgetier zu passablen Konditionen. Daf\u00fcr beste Qualit\u00e4t und frisch aus den Fluten. Bei den Erfrischungen ragte die Schere beim Preis-Erfrischungs-Verh\u00e4ltnis recht weit auseinander. Was uns generell nicht hinderte ein begonnenes Gespr\u00e4ch mit den Tischnachbarn j\u00e4h zu beenden. Diese f\u00fchrte dazu, dass wir an der SB-Theke immer wieder freudigst begr\u00fc\u00dft wurden mit der f\u00fcr den D\u00f6spaddel eigenen Art: \u201eDa bis du ja wieder\u201c. Die Thematiken des Kl\u00f6nschnacks hatten wir in k\u00fcrzester Zeit intus. Wetter, Strand, Verweildauer, Herkunft. Bei l\u00e4ngeren Verbr\u00fcderungen kam auch schon mal der Brexit, Doping, Steuergeschenke vor der kommenden Wahl, Staus bei der Anreise am Elbtunnel, Beruf und \/ oder Hobbies zur Sprache. Bei neuen Tischnachbarn begann nach kurzem Abtasten der Dialog von vorn.<\/p>\n<p>Alles in Allem ein gelungener, herrlicher Urlaub: Jou n\u00e4h!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zusammengefasst kann man sagen: Jou n\u00e4h. So oder \u00e4hnlich \u00fcberschw\u00e4nglich, blumig w\u00fcrde der geborene Nordfriese seinen wundersch\u00f6nen Urlaub beschreiben. Aber werfen wir einen Blick auf die bemerkenswerten Details: Eine Woche St. Peter Ording (SPO). Ausufernde Begeisterung &#8211; der Strand. Schier ohne Ende, selbst der Horizont reichte nicht aus, um zu sehen, wohin das Wasser denn [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[60],"tags":[],"class_list":["post-110","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-g-reportagen","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/armins-nach-richten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/armins-nach-richten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/armins-nach-richten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/armins-nach-richten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/armins-nach-richten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=110"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/armins-nach-richten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":111,"href":"https:\/\/armins-nach-richten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110\/revisions\/111"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/armins-nach-richten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=110"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/armins-nach-richten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=110"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/armins-nach-richten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=110"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}