{"id":555,"date":"2019-10-20T11:36:39","date_gmt":"2019-10-20T09:36:39","guid":{"rendered":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=555"},"modified":"2019-10-20T11:36:39","modified_gmt":"2019-10-20T09:36:39","slug":"der-berg-ruft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=555","title":{"rendered":"Der Berg ruft!"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Berg ruft \u2013 laut Dieter\nHildebrand ruft er ja nicht mehr, er kommt selbst! Ja, wenn einer eine Reise tut,\ndann kann er was erz\u00e4hlen. Und wer meine Reiseerlebnisse aufmerksam verfolgt,\nder wei\u00df, dass es generell immer absolut merk-w\u00fcrdige Begebenheiten und lustige\nInterpretationen zu berichten gibt. Mit S\u00fcdtirol beenden wir die Reisesaison\n2019. <\/p>\n\n\n\n<p>Perfektes Wetter, mit Bock auf\nechten Cabriogenuss zur Anreise \u00fcber Davos (da, wo`s teuer ist!) nach V\u00f6llan\n(oberhalb von Meran). Wandern war angesagt. Die Waalwege bieten Postkartenpanorama\nund jede Menge Gleichgesinnter. Am Tag 1 stand der Marlinger-Waalweg zum\nAbarbeiten auf der Liste. Zw\u00f6lf Kilometer, mittelschwer, von T\u00f6ll nach Lana.\nSoweit, so gut. Da es kein Rundweg ist, w\u00e4hlten wir den \u00d6ffentlichen\nNahverkehr, der uns unmittelbar zum Einstieg bringen sollte. Dass wir bei dem\nTraumwetter nicht die einzigen waren, die die Natur genie\u00dfen wollten, war uns\nirgendwie schon bewusst. Aber nicht in ihrer brutalen G\u00e4nze.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einem 22 Personen B\u00fcslein\nging es von V\u00f6llan nach Lana. Problemlos! Sofort Anschluss an die Linie 211\nnach Meran. Irgendwie ist es uns unter Einsatz aller Ellenbogen dann doch\ngelungen einen Stehplatz zu ergattern, der uns halbwegs Halt bot. Obwohl,\numfallen konnte eh keiner. Einer und Alle! Es folgten unz\u00e4hlige Haltestellen\nmit weiteren erwartungsvollen Wanderern. Wie es auch immer m\u00f6glich war, auch\nf\u00fcr diese Sportskameraden noch einen Platz zu erpressen, ist der jahrelangen\nErfahrung des Busfahrers zu verdanken. In jeder noch so kleinen Kurve ging ein\ngar j\u00e4mmerliches St\u00f6hnen und Raunen durch den Bus, welches nur noch in\nKreisverkehren zu toppen war und in leichte Panik ausuferte. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach gef\u00fchlt hunderten von\nKreisverkehren und etlichen Spontanbremsungen erreichten die \u00dcberlebenden Meran\nund schwappten, einem Zunami gleich, aus dem Bus. Hier sollte sich die Spreu\nvom Weizen trennen. Sollte! Fakt war, einige entschieden sich zum Shoppen, das\nGros wartete auf den Anschlu\u00dfbus nach T\u00f6ll. Leider gesellten sich deutlich mehr\nNaturfreunde hinzu, als Kauffreudige in Richtung Fu\u00dfg\u00e4ngerzone entfleuchten.\nStrategisch bestens positioniert wurden wir in die Linie 214 gepresst.\n\u00d6lsardinen dagegen fristen in ihren Dosen ein \u00fcberaus bequemes, komfortables Dasein.\nErste Schnappatmungen stellten sich bereits beim Verlassen der Haltestelle ein,\nbegleitet von Schwei\u00dfausbr\u00fcchen und Panikattacken. An den folgenden\nHaltestellen brauste der \u00dcberf\u00fcllte an den entt\u00e4uschten Massen vorbei der\nErl\u00f6sung entgegen. Am Zielort warteten bereits Not\u00e4rzte und Sauerstoffzelte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ihr es nicht\nweitererz\u00e4hlt\u2026.wir haben die letzte Buspassage nicht bezahlt! Genauer nicht\nbezahlen k\u00f6nnen. Der gute Wille war auf jeden Fall da! Allerdings waren wir bei\nweitem nicht die einzigen. Das beruhigte unser Gewissen ungemein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wanderung verlief ordentlich,\nder Beschreibung in den kostenlosen Reisf\u00fchrern entsprechend. Durch die sehr hohe\nWanderverkehrsdichte war unsere volle Aufmerksamkeit gefordert, um nicht mit\nden Entgegenkommenden zu kollidieren, bzw. die \u00dcberholvorg\u00e4nge der Fu\u00df- und\nGeschlechtskranken unfall- und absturzfrei zu \u00fcberleben. Auf einigen freien\nPassagen war es gefahrlos m\u00f6glich, unsere Blicke \u00fcber die pralle Gegend\nschweifen zu lassen. Auch diese stimmte mit den lobenden Beschreibungen voll\n\u00fcberein.<\/p>\n\n\n\n<p>Man soll den Tag nicht vor dem\nAbend loben. Auch derselbe hielt eine Begebenheit der besonderen Art f\u00fcr uns\nparat. S\u00fcdtirol ist nicht nur f\u00fcr seine Landschaft beliebt, sondern besonders\nauch daf\u00fcr, was K\u00fcche und Keller zu bieten haben. Letzteres hat bei allen\nG\u00e4sten eine sehr hohe Priorit\u00e4t. Am Nachbartisch hatte die Hotelleitung ein\nP\u00e4rchen platziert, das weder wanderte, noch den ausgezeichneten Weinen fr\u00f6nte.\nBegleitet wurde das f\u00fcnfg\u00e4ngige Men\u00fc mit einem Viertelchen Rotwein. F\u00fcr Beide!\nHier bestand akute Gefahr, dass er vor Beendigung des letzten Ganges\nverdunstete. <\/p>\n\n\n\n<p>Der folgende Tag hielt eine\nBegegnung der absurden Art f\u00fcr uns bereit. Die Wetterfr\u00f6sche hatten f\u00fcr den\nNachmittag ein paar Tr\u00f6pfchen vorhergesagt. Unsere Entscheidung eine\nWanderpause einzulegen und daf\u00fcr die Shoppingmeile heimzusuchen erwies sich als\neigentlich genial. Als ein Wermutstropfen erwies sich der Umstand, dass sich\noffensichtlich alle Wanderer des Vortages ebenfalls f\u00fcr eine Atempause\nentschieden hatten und die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone f\u00fcllte sich wie tags zuvor die\nWaalwege. Die Preise in den tollen Gesch\u00e4ften waren der H\u00f6henlage durchaus\nangepasst, trotzdem sah man ebenso viele T\u00fctchen wie Rucks\u00e4cke am Vortag.\nDie&nbsp; Einkaufsmeile s\u00e4umen diverse Caf\u00e9s,\ndie zum Verweilen und Betrachten des schlendernden Publikums einluden. Als die\nersten Tr\u00f6pfchen fielen, war der Bedarf an freien \u00fcberdachten Pl\u00e4tzen exorbitant.\n<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schicksal wollte es, dass wir\nein optimales Pl\u00e4tzchen ergatterten. Direkt daneben sa\u00df ein \u00e4lteres Paar,\noffensichtlich gut situiert, passend zu Meran. \u201eWir haben die Pl\u00e4tze extra f\u00fcr\nsie freigehalten\u201c, so wurden wir freundlich begr\u00fc\u00dft und schwups waren wir im\nGespr\u00e4ch. Gerlinde* und Manfred* hatten bereits ein paar Viertele genossen und\nwaren entsprechend in allerbester Stimmung. Er, Manfred, ein ruhiger, sympathischer,\nangenehmer Ruhest\u00e4ndler, sie Gerlinde, laut, schrill, schr\u00e4g und mit\nausgepr\u00e4gtem schw\u00e4bischem Dialekt, den sie erfolglos zu verbergen suchte. Nach\nden ersten Floskeln, woher, wohin, pr\u00e4sentierte Gerlinde eine ihrer elf Louis\nVuitton Handtaschen, nebst abgestimmten Portemonnaie, ihre Rolex sowie den Schal\nvon Burlington. Ohne ihren Mann Manfred h\u00e4tte sie es sich alles nie leisten\nk\u00f6nnen. Umso erstaunlicher war es, wie sie mit dem Angetrauten umsprang. Der\n\u00c4rmste (nicht monet\u00e4r) erduldete die Blossstellungen geduldig ohne jegliche\nRegung. Beim Nachschenken eines weiteren Viertels forderte er sie auf ihm\nbehilflich zu sein, da er ein wenig zittere. Ob vor Wut oder bedingt durch eine\nKrankheit konnten wir nicht eroieren. W\u00e4re aber nachvollziehbar!<\/p>\n\n\n\n<p>Mit zunehmendem Promillewert\nnahmen auch die vulg\u00e4ren schw\u00e4bischen Ausdr\u00fccke an Intensit\u00e4t zu. Ein Bummler\nzwischen den Gesch\u00e4ften br\u00fcllte einen Hundehalter an, weil dieser seinen K\u00f6ter\nnicht am permanenten Kl\u00e4ffen hinderte. Gerlinde wiederum kl\u00e4ffte den Bummler\nordin\u00e4r \u00fcber die gesamte Flaniermeile hinweg an, weil sie als selbsternannte\nHundemuttertheresa dem armen K\u00f6ter zur Seite eilte. Also verbal nat\u00fcrlich nur! <\/p>\n\n\n\n<p>Der Regen lie\u00df nach, das Stra\u00dfencaf\u00e9\nwollte schlie\u00dfen, die Weinschlepper sehnten sich nach einer Mittagsruhe, uns\nwurde zum baldigen Aufbruch noch eine Karenzzeit von 15 Minuten gew\u00e4hrt. Auch\ndiese Aufforderung wurde mit allerlei schw\u00e4bischen Beschimpfungen begleitet,\nwie S\u00e4ckel, Dackel etc. Kurz vor dem finalen, peinlichen Abgang litt Manfred\nunter akuten Notdurftattacken. Er bestand darauf, vor dem Heimweg noch die\n\u00d6rtlichkeiten aufsuchen zu d\u00fcrfen, was ihm die Ruhebed\u00fcrftigen auch nicht\nverweigerten. Wir warteten eine gef\u00fchlte Ewigkeit auf den Erl\u00f6sten. Im\nallgemeinen Tumult auf der Einkaufsmeile h\u00f6rten wir pl\u00f6tzlich Hilferufe, die\noffensichtlich aus Richtung des WC drangen und urs\u00e4chlich von Manfred gerufen\nwurden. Gleichzeitig bemerkten wir eine Hand durch eine stabile Gittert\u00fcr\nverzweifelt winken. Was war geschehen? Die Betreiber des Caf\u00e9s hatten\nungeduldig die T\u00fcr zum Nirwana verriegelt. Manfred war gefangen! Gerlinde\ntobte! Der Erl\u00f6ser erschien als zuf\u00e4llig vorbeikommender Hausmitbewohner.\nDieser deutete auf einen zentralen Druckschalter, dessen Funktion es war, das\nverriegelte, stabile T\u00fcrgitter elektrisch zu entriegeln. Die Verabschiedung war\nknapp aber herzlich und Gerlinde und Manfred torkelten in Richtung\nBushaltestelle. Ich mochte mir nicht vorstellen, welche Dramen sich in einem\n\u00fcberf\u00fcllten Bus abspielen werden w\u00fcrden. In der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone wurde es deutlich\nruhiger und das normale Treiben ging seinen gewohnten Gang.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wanderung am Folgetag, bei wolkenfreiem,\nazurblauem Himmel vers\u00f6hnte uns mit einem Ereignis der ganz anderen Art. Der\nausgew\u00e4hlte Waalweg gen\u00fcgte unseren Anspr\u00fcchen keineswegs und wir entschieden\nuns f\u00fcr einen Abstecher den Berg hinauf entlang der H\u00f6fe. Die Zahl der Outdoorsportler\nreduzierte sich mit jedem H\u00f6henmeter drastisch. Der Zufall wollte es, dass wir\nmit einem gleichgesinnten Paar ins Gerede kamen, die das gleiche Ziel\nanstrebten. Sie schw\u00e4rmten von einem kleinen Hof mit Wirtschaft, in dem\nausgezeichnete, selbstgemachte Speisen kredenzt wurden. Wir schlossen uns den Ortskundigen\nan und wurden aufs angenehmste \u00fcberrascht. H\u00fchner, Enten und G\u00e4nse liefen\numher, die Wirtsleute verspr\u00fchten eine Ruhe und Zufriedenheit, die ansteckend\nwirkte. Besorgnis gab es ob des Esels, der ein wenig kr\u00e4nkelte und alle litten\nmit den Pflegern mit. Wir w\u00fcnschen ihm baldige Genesung! Wir lie\u00dfen uns den\nselbstgemachten Apfelsaft munden und der Kaiserschmarrn war einfach zum\nNiederknien, nebst selbstgekochter Marmelade. Fulminanter konnte der\nUnterschied zum Vortag nicht sein. Leider mussten wir diesen Ort der\nGl\u00fcckseligkeit irgendwann wieder verlassen \u2013 das Abendmen\u00fc rief.<\/p>\n\n\n\n<p>Abends an der Hotelbar kamen wir\nnoch mit zwei P\u00e4rchen ins Gespr\u00e4ch, die schon seit Jahren die Gastfreundschaft\ngenossen und mehr oder weniger zur Familie z\u00e4hlten. Das Highlight dieser treuen\nKunden vertraute man uns nach ein paar <\/p>\n\n\n\n<p>Bierchen zur vorger\u00fcckten Stunde\nvertraulich an. Am Wochenende findet traditionell das K\u00e4schdefescht\n(Kastanienfest) statt. Vor ein paar Jahren hatte das Paar aus dem Raum FfM\nzusammen mit der \u00f6rtlichen Feuerwehr eine neue Spezialit\u00e4t eingef\u00fchrt. Um die\nheimische Bev\u00f6lkerung auch in diesem Jahr damit begl\u00fccken zu k\u00f6nnen, haben die\nRheinhessen 40 (vierzig!) Kilo Saumagen mitgebracht. Na dann Mahlzeit!<\/p>\n\n\n\n<p>Bleibt das Fazit eines abwechslungsreichen\nUrlaubs: Die Tiroler sind lustig. Die S\u00fcdtiroler auch!<\/p>\n\n\n\n<p>*Die Namen hat der Redakteur aus\nDatenschutzgr\u00fcnden ge\u00e4ndert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Berg ruft \u2013 laut Dieter Hildebrand ruft er ja nicht mehr, er kommt selbst! Ja, wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erz\u00e4hlen. Und wer meine Reiseerlebnisse aufmerksam verfolgt, der wei\u00df, dass es generell immer absolut merk-w\u00fcrdige Begebenheiten und lustige Interpretationen zu berichten gibt. Mit S\u00fcdtirol beenden wir die Reisesaison 2019. 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