{"id":550,"date":"2019-09-27T12:41:40","date_gmt":"2019-09-27T10:41:40","guid":{"rendered":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=550"},"modified":"2019-09-27T12:41:40","modified_gmt":"2019-09-27T10:41:40","slug":"nachbar-schafft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=550","title":{"rendered":"Nachbar&#8230;&#8230;schafft."},"content":{"rendered":"\n<p>P\u00fcnktlich wie ein Maurer\nerschien der G\u00e4rtner. Fast h\u00e4tte ich fasten m\u00fcssen, denn wir hatten\nverschlafen. Es reichte aber gerade noch f\u00fcr ein rasches, gluten- und laktosefreies\nFr\u00fchst\u00fcck und so konnte ich ihm gest\u00e4rkt assistieren. Schon seit ein paar\nMonaten waren mir die drei Zypressen ein Dorn im Auge. Die grazilen B\u00e4ume waren\nzu stattlicher Gr\u00f6\u00dfe&nbsp; gewachsen und\nhatten ihre schlanke Eleganz g\u00e4nzlich verloren. Das ganze Gewicht der d\u00fcnnen\nZweige, die mit etlichen schweren Fr\u00fcchten behangen waren, zogen diese\nunbarmherzig nach unten. Die mediterrane Gesamtoptik war dahin. Deshalb war der\nPlan sie in ihrem Wuchs zu b\u00e4ndigen und mindestens das obere Drittel zu kappen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Rentner mit floraler\nVollausstattung an Garten-Utensilien nebst -Equipment sto\u00dfe ich jedoch\nregelm\u00e4\u00dfig an meine Grenzen, wenn es in die H\u00f6he geht! Selbst auf einer Bockleiter\nsch\u00fctteln mich Angstkr\u00e4mpfe, wenn es \u00fcber die vierte Sprosse hinausgeht. Und so\nhatte mir ein Nachbar seine vertikale Hilfe angeboten. Er ist schon\nschwindelfrei auf die Welt gekommen und kannte sich mit allerlei Geh\u00f6lzen\npr\u00e4chtig aus. Meine Aufgabe bestand darin eine dreifachausziehbare Alu-Leiter\nzu sichern. Und, nat\u00fcrlich sp\u00e4ter das Ge\u00e4st zu zerkleinern und zu entsorgen.\nDie nahe Deponie hatte leider nur bis 13:30 Uhr ge\u00f6ffnet und so war Hurtigkeit\nangesagt. Wie Motten ums Licht, so flogen mir die abges\u00e4gten \u00c4ste um die Ohren\nund die schlanke Sch\u00f6nheit der drei Grazien entfaltete sich in wenigen Minuten\nwieder zu ihrer vollen Pracht. Mein Chef, f\u00fcr ein paar Minuten, betrachtete\nsein Werk wohlwollend und \u00fcberlie\u00df mir g\u00f6nnerhaft die Zerkleinerung und\nEntsorgung des Schnittes. Ich m\u00f6chte euch nicht weiter auf die Folter spannen \u2013\nich schaffte es locker bis zu Schlie\u00dfung der Deponie! Allerdings lie\u00df sich eine\ngewisse Ersch\u00f6pfung nicht verleugnen. Ich bin eben auch nicht mehr der J\u00fcngste\nund freute mich auf einen erholsamen Samstagnachmittag im Liegestuhl auf der\nTerrasse, denn die Wetterfr\u00f6sche hatten zum kalendarischen Herbstbeginn diverse\nTiefs prognostiziert. So sollten die letzten Sonnenstrahlen K\u00f6rper und Gem\u00fct\nwieder aufhellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Chronologie eines\nentspannenden Nachmittags verlief jedoch nicht ganz so harmonisch sowie\nruhest\u00f6rungsfrei. Nachbarschafft ist, wenn der Nachbar schafft! Zu meiner gro\u00dfen\n\u00dcberraschung schredderte, hexelte bzw. m\u00e4hte unser unmittelbarer Nachbar&nbsp; ausnahmsweise an diesem herrlichen Tag nicht.\nIm \u00fcbern\u00e4chsten Garten jedoch versuchte die Besitzerin, deren Gatte unter der\nWoche in sicherer Entfernung sein B\u00fcro und eine Zweitwohnung hat, mit einer\nAkku-Handschere gef\u00fchlte 12 Hektar Wald zu roden, um ihrem Hausfrauen- und\nSingelleben einen Sinn zu geben. Erstmals war ich dankbar, dass Akkus nur f\u00fcr\neine begrenzte Dauer einsatzbereit sind und der Ladevorgang einem E-Mobil an Zeit\nnichts vormacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Rechten unseres Gartens\nhatte ein neues, mittelalterliches Paar die Zweizimmer-Mietwohnung bezogen. Die\nVerh\u00e4ltnisse bleiben bisher noch im Nebel verborgen. Da sie keine herbstlichen Aufgaben\nim Gr\u00fcnen zu erledigen haben, scheint sich ihr Dasein auf das Herumstehen auf\nder Terrasse zu beschr\u00e4nken und synchron zu rauchen. Nicht unerw\u00e4hnt soll\nbleiben, dass sie hierbei einen ordentlichen Takt an den Tag legen.\nZuverl\u00e4ssige Zeugen sollen sie auch schon n\u00e4chtens dabei ersp\u00e4ht haben. Je nach\nWitterung weht eine tabakschwangere Brise zu uns her\u00fcber. Parallel zum\nNikotingenuss traten drei fast erwachsene Kinder gegen einen Ball, um ihre halbw\u00fcchsigen,\n\u00fcbersch\u00fcssigen Kr\u00e4fte zu b\u00e4ndigen. Fouls und Tore wurden von entsprechendem\nGebr\u00fcll begleitet. Es war nicht zu \u00fcberh\u00f6ren, dass unter Geschwistern nicht\ngenerell famili\u00e4re Eintracht und Harmonie herrscht. Ein Videobeweis stand zur\nKl\u00e4rung umstrittener Szenen nicht zur Verf\u00fcgung. <\/p>\n\n\n\n<p>Im selben Haus, nur auf der\nentgegengesetzten Seite, tyrannisiert ein pl\u00f6tzlicher Deutscher die Bewohner\nseit ein paar Jahren. So wie Putin die Krim annektiert hat, so hat der\neigenwillige Zeit-Genosse die freien Fl\u00e4chen des \u201eGartens f\u00fcr alle\u201c in eine\nprivate Kolchose verwandelt. Am Wochenende steht auch hier Grillen auf dem\nEssensplan. Wer allerdings glaubt, dass dies, wie \u00fcblich, mit einem Webergrill,\nelektrisch, mit Gas oder konventionell mit Holzkohle praktiziert wird, der\nsieht sich arglistig get\u00e4uscht. Palettenreste und andere undefinierbare\nHolzabf\u00e4lle werden regelm\u00e4\u00dfig zun\u00e4chst zu Holzkohle gek\u00f6hlert. Hierzu ist ein\ngewisser Vorlauf von ein paar Stunden notwendig, um die orthodoxe, fetttriefenden\nSchaschlikspiesse und den Bauchspeck bei Zeiten auf den Teller zu bringen.\nZugegeben, diese Ger\u00fcche w\u00fcrde ich dem Zigarettendampf jederzeit vorziehen. Bis\nes allerdings soweit ist, wird zum Verkohlen der Latten sch\u00e4tzungsweise eine\nGallone Alt\u00f6l verwendet, um das Feuer umweltgerecht in Gang zu setzen. In dieser\nPhase verdunkeln dichte Nebelschwaden die Gemeinde und \u00fcbert\u00fcnchen gar den\nTabakduft.<\/p>\n\n\n\n<p>Untermalt wird das ganze\nSzenario von einem permanenten unmelodischen Kl\u00e4ffen irgendeines K\u00f6ters, die es\nin reichlicher Zahl inzwischen nahezu in jedem Haus gibt. Gartenarbeiten und\nSportschau oder entspanntes Chillen erlauben es den Herrchen \/ Frauchen nicht,\nmit ihren nervenden Viechern Gassi zu gehen. Man kann sich eben nicht um alles\nk\u00fcmmern! Ein Problem auf der anderen Seite der Leine!<\/p>\n\n\n\n<p>Und so senkte sich die Sonne\nim Rheintal malerisch hinter den Zypressen und ein erholsamer Samstagnachmittag\nneigt sich dem Ende zu. Das Landleben und eine gute Nachbarschafft haben eben\nauch ihre abwechslungsreichen Seiten. Auch die Zypressen werden es \u00fcberleben. Und\nwenn nicht, dann eben nicht! Eventuell k\u00f6nnte ich dann die morschen St\u00e4mme zum\nGrillen \u2026\u2026\u2026\u2026.!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>P\u00fcnktlich wie ein Maurer erschien der G\u00e4rtner. Fast h\u00e4tte ich fasten m\u00fcssen, denn wir hatten verschlafen. Es reichte aber gerade noch f\u00fcr ein rasches, gluten- und laktosefreies Fr\u00fchst\u00fcck und so konnte ich ihm gest\u00e4rkt assistieren. Schon seit ein paar Monaten waren mir die drei Zypressen ein Dorn im Auge. 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