{"id":538,"date":"2019-08-29T15:11:37","date_gmt":"2019-08-29T13:11:37","guid":{"rendered":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=538"},"modified":"2019-08-29T15:12:35","modified_gmt":"2019-08-29T13:12:35","slug":"muschelschubsen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=538","title":{"rendered":"Muschelschubsen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was w\u00e4re ein Urlaub ohne an-\nbzw. erregende Begebenheiten und h\u00f6chst erquickliche Ereignisse? Dieses Mal\nbetrachte ich die Dinge einmal von einer ganz anderen Seite. Ihr werdet schon\nsehen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einmal im Jahr zieht es uns\nins Epizentrum der Dekadenz, nach Sylt. Aber ohne einen Zwischenstopp in der\nHansestadt Hamburg geht es dann doch nicht. Und von hier berichte ich dann auch\ngleich ein paar unbedingt wissenswerte Erkenntnisse. Ich wei\u00df jetzt wo die\nSelbstmordattent\u00e4ter die ganzen Jungfrauen rekrutieren: Im u.a. Kiez St. Georg\nsowie der Promenade rund um die Innenalster. Bereits hier finden sie sich in\nGruppen zusammen, wie sie sp\u00e4ter zum Tr\u00f6sten der M\u00e4rtyrer abgeordnet werden. Das\ngestrenge Aufsichts-Bodenpersonal observiert dabei die Gruppen rund um die Uhr,\num jedwedes Risiko einer irdischen Entjungferung brachial Einhalt zu gebieten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Geradezu begeistert bin ich\nvon der neu hinzugewonnenen E-Scootermobilit\u00e4t! Die Ecken m\u00f6gen nicht finster\ngenug sein, um nicht st\u00e4ndig Zugriff auf die Relikte der Jugend zugreifen zu\nk\u00f6nnen. Einmal geappt, rauschen sie munter \u00fcber Stock und Stein. Ach, das geht\nja gar nicht, weil die s\u00fc\u00dfen kleinen R\u00e4dchen nicht die erforderliche Stabilit\u00e4t\ngarantieren. Also kurvt man lautlos und geschmeidig durch die Gruppen von\nJungfrauen und Touristen. Gehwege und Promenaden sind ideale Slalom-Rennstrecken,\ndie durch die Passanten die Eint\u00f6nigkeit des Dahingleitens verlieren. Beim\nandauernden Kampf auf den Radwegen mit E-Bikern und Normalos kann man seinen\nWortschatz des vulg\u00e4ren Vokabulars erweitern. Konrad Duden h\u00e4tte seine blanke\nFreunde an dem Beweis, dass die deutsche Sprache eine lebendige Sprache ist. Bis\ndahin v\u00f6llig unbekannte Wortsch\u00f6pfungen lassen mich teilweise begeistert mit\noffenem Mund verharren. Allerdings nicht zu lange, denn man sollte jeden\nWimpernschlag nutzen, um, ohne heranrauschende Gefahren, die Flucht in sichere\nGefilde zu gew\u00e4hrleisten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da selbst inaktive E-Scooter\nexakt auch da liegen, wo man sie der einfachheithalber umfallen gelassen hat, bleiben\ndem traditionellen, konservativen Fu\u00dfg\u00e4nger erhebliche Schwierigkeiten nicht\nerspart. Neben den Solofahrern (nicht Solifahrern!), erfreut sich auch die\nTandemfahrt aller gr\u00f6\u00dfter Beliebtheit. Zu toppen ist dies nur noch durch einen\nh\u00f6heren Promillewert. Besonders j\u00fcngere Konsorten testen die Kurvenlagen und\nBremswege der neu ins Leben gerufenen Verkehrsmittel bis an die physikalischen\nGrenzen. Je h\u00f6her der Pegel, desto eher auch \u00fcber die Grenzwerte hinaus. Dabei\nerweisen sich die Passanten als lebende Airbags. Durch diese Bereicherung der\nInnenst\u00e4dte ergibt sich eine ganz neue Einstufung der Hierarchie aller\nVerkehrsteilnehmer: Fu\u00dfg\u00e4nger (FG) gegen E-Scooter (ES); ES gegen Fahrr\u00e4der\n(FR); ES + FR gegen E-Bikes (EB), ES, FR + EB gegen KFZ. Und <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">schlie\u00dflich alle gegen Busse\nund LKWs. Wie bereits oben erw\u00e4hnt, findet hier eine verbale V\u00f6lkerschlacht\nstatt. Hasstiraden, an denen LKW-Fahrer beteiligt sind, sind ohne\nosteurop\u00e4ischen Sprachschatz allerdings unverst\u00e4ndlich. Damit die Wirkung im allgemeinen\nhektischen Durcheinander jedoch nicht verpufft, wirken sie allein durch\nLautst\u00e4rke, Intensit\u00e4t sowie durch Gestik und Mimik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angesichts der zuvor\ngeschilderten Bedrohungslage ist man reif f\u00fcr die Insel und es ist die pure\nWohltat sich sicher und entspannt zwischen majest\u00e4tisch dahingleitenden Acht-\nund Zw\u00f6lfzylindern zu bewegen. W\u00e4hrend ich keinem einzigen E-Scooter entrinnen\nmusste und ich die Disziplin aller Radler bewunderte, taten sich ganz neue,\nlebendige Stehimwege auf. Man geht nicht mehr ohne Hund. Also nicht Gassi,\nsondern einzig und allein zur Zurschaustellung. Ihr k\u00f6nnt getrost davon\nausgehen, dass nach dem Ausgehen zum Gassigehen Daheim die Hundenanni wartet.\nOder, in &nbsp;respektvollem Abstand mit\nT\u00fctchen die Hinterlassenschaften der Verh\u00e4tschelten einsammelt und unauff\u00e4llig\nartgerecht entsorgt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da wir schon bei besagter\nKlientel sind, die Urlauber und Zweithausbesitzer lassen sich grunds\u00e4tzlich in\nverschiedene Kategorien einteilen. Junge Eltern mit ihren Spr\u00f6sslingen, B\u00e4nker,\nReeder, Hipster und Erben, mit entweder abgrundh\u00e4sslichen Modek\u00f6tern oder\n\u00fcberdimensionalen Mutationen. Dann die gr\u00f6\u00dfte Gruppe der Rentner und\nPension\u00e4re, gerne auch mit H\u00fcndchen oder gelegentlich auch mit Enkeln, denen\nsie jeden Wunsch von den Augen ablesen. Nachschub f\u00fcr die Selbstmordattent\u00e4ter\nist mir nicht begegnet! Bei starkem Wind tr\u00e4gt man Kaschmirm\u00fctzen statt Kopft\u00fccher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser Hotel war\/ist ein\nun\u00fcbertroffenes heimeliges Schmuckk\u00e4stchen! Seit Generationen\neigent\u00fcmergef\u00fchrt, herzlich und in jeder Beziehung au\u00dfergew\u00f6hnlich. Schon beim\nBetreten der Lobby (ca. 4 \u2013 6 qm) entschleunigt das gem\u00e4chliche Ticken der\nStanduhr. Pr\u00e4chtig renoviert, bietet man den Entschleunigten alles, was einem\nden Aufenthalt so angenehm wie m\u00f6glich macht. Zwei Beispiele m\u00f6gen f\u00fcr erlesene\nGastlichkeit Zeugnis geben: Gegenverkehr am Fr\u00fchst\u00fccksbuffet? Mit Nichten und\nNeffen! Es wurde\/wird serviert! Vorab reichte man frisch gepressten Orangen-\noder Pampelmusens\u00e4fte. Man konnte aber selbstverst\u00e4ndlich auch mineralisches\nWasser w\u00e4hlen, mit, mit ohne oder nur mit ein wenig mit. Mit Prickeln stand\nauch eine Flasche Champagner im Eisk\u00fchler, der jedoch in SB zu beschaffen war.\nMit der Reichung der S\u00e4fte konnte auch die gew\u00fcnschte Eierspeise gew\u00e4hlt\nwerden, incl. der schweinischen oder vitaminischen Einarbeitungen. Schlichte\nweich- oder hartgekochte Varianten waren nat\u00fcrlich keine Herausforderung f\u00fcr\ndie K\u00fcche. Die Zusammenstellung der M\u00fcsli mit frischen Fr\u00fcchtchen und\nMilchprodukten mussten pers\u00f6nlich individuell von Hand zusammengestellt werden.\nWenn die gute Fee zum zweiten Mal nahte, kredenzte sie uns das t\u00e4glich\nwechselnde, frische K\u00e4se- und Wurstsortiment. Die dreistufige Etagere\nbeherbergte von oben nach unten: feine Salate oder ger\u00e4ucherten Lachs oder\nKrabben, garniert mit Tomaten, Paprika, Gurken oder so, darunter drei\nverschiedene Wurstsorten und auf dem untersten <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tableau drei verschiedene\nK\u00e4searrangements. Hausgemachte Konfit\u00fcre, Honig, Meersalz, Kaffee oder Tee, in\nmir bis dahin auch unbekannten Sorten, und diverse frische, knackige Br\u00f6tchen\nund Brotscheiben waren ebenso obligatorisch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Widmet man sich dem\nGegenteil der Nahrungsaufnahme, selbst wenn es ein nicht so ganz appetitliches\naber allzu menschliches Thema ist, welches in der \u00d6ffentlichkeit nicht gerade\nzur t\u00e4glichen Unterhaltung z\u00e4hlt, m\u00f6chte ich es dennoch erw\u00e4hnen, weil\nbezeichnend. Es war das weichste Toilettenpapier ever! Selbstverst\u00e4ndlich\nhandgesch\u00f6pft mit Nordseewasserzeichen, fair gehandelt, biologisch abbaubar\naber nur mechanisch zu verwenden. Daf\u00fcr ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Dekor. Die\nAnmutung spiegelte die t\u00e4gliche Tide wider und die Pr\u00e4gungen verliefen sich wie\ndie Priele im Wattenmeer. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt folgt mir bitte zum\nStrand, denn es gibt auch hier berichtenswertes. Beginnen m\u00f6chte ich mit der\nFeststellung, dass junge V\u00e4ter und M\u00fctter die mit Abstand besten Sandburgenbaumeister\nsind, die an bunten Sch\u00e4ufelchen ihre ganze Erfahrung aus gl\u00fccklichen\nKindheitstagen ausleben k\u00f6nnen. Die staunenden Reproduktionen dienen entweder\nals Beschaffer von Nordseewasser, portionsweise in farbigen Eimerchen, oder\nganz simpel als Staffage. Das Wasser dient im \u00dcbrigen nicht der Abk\u00fchlung oder Reinigung,\nsondern zur Stabilisierung der sandigen Wehranlagen gegen die erbarmungslose rhythmisch\nheranrauschende Flut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Herren der Sch\u00f6pfung\ntrugen zu meiner gro\u00dfen Verwunderung entweder wei\u00dfe oder hellblaue\nBusinesshemden, die bei frischer Brise oder zum Sundowner mit dunkelblauen, respektive\nhellgrauen Kaschmirpullovern kombiniert wurden. Alternativ konnte man noch Westen\nvon Moncler, ohne Naser\u00fcmpfen zu ernten, tragen. Unten herum herrschte jedoch noch\ngr\u00f6\u00dfere Uniformit\u00e4t. Nur einfachere Sandler begn\u00fcgten sich mit Shorts von\nLacoste, die Norm sind schwimmf\u00e4hige Beinkleider von Vilebrequin (der Einfachheit\nhalber von mir Villeroy und Boch genannt)! Dazu passt eine Begebenheit, die ich\nim Shop der \u201eBuhne16\u201c pers\u00f6nlich erleben durfte. Eine junge, offensichtlich gut\nsituierte Mutter mit ihrer Prinzessin, betrat den Raum. Das verw\u00f6hnte Balg\nfragte: \u201eMama, was machen wir hier?\u201c Die unkommentierte Antwort: \u201eShoppen! Merk\ndir diesen Begriff gut!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit w\u00e4ren wir auch schon\nbei der Garderobe der Damen angelangt. Die M\u00e4dels waren gewandet in wallenden,\nseidigen F\u00e4hnchen mit einem Dekor, welches mich unweigerlich an \u201eDelfter\nKacheln\u201c erinnert. Neben den niederl\u00e4ndischen Blaut\u00f6nen gab es sie auch in rot\nund schwarz. Blau dominierte. Die Kombination mit Kaschmirpull\u00f6verchen zu\nvorger\u00fcckter Stunde geh\u00f6rt selbstredend zum Standard-Outfit, vereinzelt stellte\nman auch farblich harmonierende Kaschmirschals zur Schau.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abschlie\u00dfend muss ich\ndokumentieren, dass die mir Angetraute sich todesmutig in die Fluten der Nordsee\ngest\u00fcrzt hat! Bei Ebbe. Das leicht angew\u00e4rmte Gew\u00e4sser polaren Ursprungs\nschwappt periodisch vom nordischen Eismeer an die Nordseek\u00fcste. Ich habe in der\nZwischenzeit die Rettungsgasse freigehalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was w\u00e4re ein Urlaub ohne an- bzw. erregende Begebenheiten und h\u00f6chst erquickliche Ereignisse? Dieses Mal betrachte ich die Dinge einmal von einer ganz anderen Seite. Ihr werdet schon sehen! Einmal im Jahr zieht es uns ins Epizentrum der Dekadenz, nach Sylt. Aber ohne einen Zwischenstopp in der Hansestadt Hamburg geht es dann doch nicht. 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