{"id":421,"date":"2018-07-16T16:52:36","date_gmt":"2018-07-16T14:52:36","guid":{"rendered":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=421"},"modified":"2018-07-16T16:52:42","modified_gmt":"2018-07-16T14:52:42","slug":"la-lago-go","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=421","title":{"rendered":"La Lago go!"},"content":{"rendered":"<p>Alles begann mit einem Telefonanruf. Die ausl\u00e4ndische Vorwahl entpuppte sich als italienische. Mit der Begr\u00fcndung: \u201eSchorschi allein Zuhaus\u201c k\u00f6derte mich der Gute ein paar sonnige Tage am Lago zu genie\u00dfen. Der entleerte Koffer vom Comer See und S\u00fcdtirol stand noch griffbereit im Flur \u2013 wenn das kein Zeichen war. Das Freifragen verlief erfolgreich und so konnte es schon nach wenigen Tagen erneut Richtung Italien gehen. Das Dach des neuen Roadsters war ebenfalls noch ge\u00f6ffnet, der Kofferraum nahm die beschr\u00e4nkte Garderobe raumgreifend auf, festes Schuhwerk sollte nicht fehlen und das Konto von den Gef\u00e4hrdeten f\u00fcr Altersarmut war durch die Rentenanstalt p\u00fcnktlich wieder gef\u00fcllt worden. Voller Vorfreude und mit vollem Tank erfolgte der Start.<\/p>\n<p>Gabi und J\u00fcrgen campten mit Luca und Lilli am Lago. Der Camper lag f\u00f6rmlich am Wegesrand und in meinem Kopfkino spielte der Film:\u00a0 So sehen Verdatterte aus, wenn unerwarteter Besuch kommt. Der Film riss augenblicklich, als ich die Frontlinie am Lago erschlich \u2013 die Heimzusuchenden waren nebst beiden Vierbeinern ausgeflogen. Offensichtlich Gassi gehen. Da die Heimkehr unabsehbar war musste ich auf den verdatterten Blick verzichten und unverrichteter Dinge, ohne Genugtuung des geplanten \u00dcberraschungsmomentes, weiter entlang am Ufer des Lago crusen.<\/p>\n<p>Hinter Verbania rechts ab bis Mergozzo, wo die Ampel an der Seepromenade wie gewohnt auf Rot stand. Bis zur Gr\u00fcnphase das Postkartenpanorama wirken lassen und flugs in die enge Gasse abbiegen, die nach Bracchio hinauf\u00a0 f\u00fchrt. Die letzten Meter \u00e4hnelten eher einem unbefestigten Feldweg, der in deutschen Landen ausschlie\u00dflich zum \u201eLandwirtschaftlichen Verkehr\u201c freigegeben w\u00e4re. Bei Giggi ein letzter Schlenker und unter dem Gepiepse aller Abstandssensoren ins Domi-Ziel. Alles ohne Navi! Nach der ewig roten Ampel folgte das zweite Hervorsehbare: Schorschi. Offensichtlich hatte der Dorffunk irgendwie das Eintreffen des Ersehnten bereits prognostiziert, denn er erwartete mich aufgeregt am Hoftor. Die ersten Kommentare und Bl\u00f6deleien verhie\u00dfen ein paar entspannte, lustige Tage. Die wenigen Habseligkeiten waren im Nu verstaut, das Bett in wenigen Minuten frisch bezogen. Hier zahlte sich der Drill beim BGS in den 70er Jahren nachhaltig aus. Gelernt ist halt gelernt!<\/p>\n<p>Von der Terrasse aus war es mir verg\u00f6nnt den Besuchten bei der Gartenarbeit zu bewundern. Nicht nur mit dem gr\u00fcnen Daumen, sondern gleich mit allen zehn gr\u00fcnen Fingern ausgestattet, fingerte er gekonnt unerlaubt eingeschlichene Unkr\u00e4uter und Gr\u00e4ser aus der Kolchose. Beh\u00e4nd wurde loses, welkes Blattwerk zusammengefegt. Selbst Zuschauer mit fahlen, farblosen Daumen erkannten auf Anhieb welch nat\u00fcrliche Begabung hier am Werk war. In mir keimte die Idee auf, die Geschicke des Bewunderten in einer Enzyklop\u00e4die: \u201eEr, sein Daumen und die ganze Herrlichkeit der Flora\u201c zusammenzufassen und zu verlegen. Ganze Generationen von Heim- und Mondscheing\u00e4rtnern w\u00fcrden von dem bl\u00fchenden Nachschlagewerk partizipieren. Ersch\u00f6pft aber gl\u00fccklich und zufrieden sank der Gr\u00fcnd\u00e4umling im Terrassensessel nieder. Er genoss die Lobpreisungen sichtlich, ehe er seinen Revuek\u00f6rper in einen ansehnlichen Zustand duschte. Die Planungen f\u00fcr den Abend konnte in Angriff genommen werden. Mir d\u00e4mmerte, dass es ein angenehmer werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Zwischen Garten-, Feldarbeit und Labsal fand noch der angek\u00fcndigte Fototermin statt. Im Jahre 2004 retteten Schorschi und ich zwei h\u00fcbsche Italienerinnen aus h\u00f6chster Seenot und unter Einsatz unseres Lebens. Nach 14 Jahren waren auch sie etwas in die Jahre gekommen, hatten es allerdings durchgesetzt, dass wir f\u00fcr diese Heldentat die Ehrenb\u00fcrgerschaft der Stadt Stresa erhielten, incl. der gro\u00dfen Ehrenplakette des nautischen Vereins zur Rettung schiffbr\u00fcchiger Nixen. Das gemeine Volk und die Honoratioren der Gemeinde jubelten uns zu. F\u00fcr uns war es eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit Leben zu retten.<\/p>\n<p>Mit der D\u00e4mmerung stellte sich auch der Appetit ein. Wir einigten uns auf ein Lokal hoch oben am gegen\u00fcberliegenden Gebirgszug.\u00a0 Zur Sicherheit reservierten wir zwei Pl\u00e4tze. Mit den Spezialit\u00e4ten Pils vom Fass und Kastanien-Gnocchi vorweg sowie Steak im Dialog mit frischem Marktgem\u00fcse, begleitet von einem k\u00fchlen Glas Wein philosophierten wir \u00fcber das Leben im allgemeinen und speziellen, \u00fcber die Heldentaten vergangener Epochen, mit den ganzen Huldigungen, sowie die floralen H\u00f6hepunkte des Tages. Auf der Fahrt zur\u00fcck machten wir noch einen geplanten Stopp an der legend\u00e4ren Eisbude unseres Vertrauens. Auch hier wartete eine johlende Menge Eingeborener, die einen Blick auf die heldenhaften Retter erhaschen wollten. Mit Berta, einem ausgezeichneten Grappa, und voller Ehrfurcht \u00fcber das nahende Naturschauspiel diverser Gewitter beendeten wir den anstrengenden Tag.<\/p>\n<p>Lautes Geklapper in der K\u00fcche weckte mich und die Lebensgeister. Die Gewitter hatten sich noch nicht restlos verzogen und verw\u00e4sserten unsere Pl\u00e4ne zusehends. Spontan wie es unser Naturell ist, entschieden wir uns f\u00fcr Shoppen in Verbania. Die begehrte Beute in Form einer hellbeigen Hose konnte nicht erlegt werden. Stattdessen erstand der Heimgesuchte zwei Scheren und zwei Fr\u00fchst\u00fccksmesserchen. Scharf wie Rettich. Ach ja, und einen G\u00fcrtel aus Leder mit gl\u00e4nzenden Nieten besetzt. Sie, die Nieten standen im krassen Gegenteil zu den Heldentaten und anderen Begabungen. Nur der Glanz offerierte Parallelen.<\/p>\n<p>Der Meister pers\u00f6nlich schwang in der K\u00fcche den Kochl\u00f6ffel. Spaghetti al Arrabiata stand auf dem Speisenplan. Der Gru\u00df aus der K\u00fcche bestand aus Salat und Burrata. Die Flasche Rotwein sollte schon entsorgt werden, da nach dem \u00d6ffnen weder D\u00fcfte nach reifen Beeren oder Leder unsere Sinne bet\u00f6rte, sondern eher Essig und Alt\u00f6l. Allerdings wandelten sich die Aromen nach ein paar Minuten des Durchatmens im Glas und wir vernichteten den \u201eGuten\u201c bevor er es sich noch einmal anders \u00fcberlegen konnte. Um Kraft f\u00fcr den folgenden Tag zu sammeln beschlossen wir bei Zeiten ins Bett zu gehen. Zuvor statteten wir jedoch dem besten, weil einzigen Restaurant im \u00d6rtchen einen kurzen Besuch ab. F\u00fcr ansprechende Unterhaltung sorgte die heimische Band. Sie probte im Nebenraum. Zun\u00e4chst schien es als ob zwei Bands gleichzeitig probten und jede eine eigene Weise interpretierte. Emilio erschien auf der Bildfl\u00e4che und kl\u00e4rte uns fachm\u00e4nnisch auf, dass im Nebenraum eine Band probte und im Kellergew\u00f6lbe eine zweite Band alles gab. Da die T\u00f6ne jeweils in eine Ohrmuschel links sowie rechts vom Kopf drangen, und die Darbietungen mitten im Kopf aufeinanderprallten, entfachten sie dieses unnachahmliche Notenfeuerwerk, was wir irrt\u00fcmlich als Unmusikalit\u00e4t anprangerten. Nach einem Glas Roten war dann Schlu\u00dframbo.<\/p>\n<p>Der neue Tag bescherte uns neues Gl\u00fcck. Das Wetter zeigte sich von seiner italienisch besten Seite. Leichtes Gew\u00f6lk aber trocken. Der Wanderung stand nichts mehr im Wege. Da es nicht nur hoch hinaus, sondern auch hoch her ging, viel die Wahl der Kleidung auf mit J\u00e4ckchen. Es sollte sich bew\u00e4hren, denn in der H\u00f6he der Alpen pfiff der leichte Wind ein k\u00fchles L\u00fcftchen. Wir erwanderten eine Hochebene wie sie sonst nur in Brosch\u00fcren der Touristikverf\u00fchrer zu bewundern ist. Hier wurde sie leibhaftig. An den Rundkurs f\u00fcgte sich nahtlos der steinerne Aufstieg in h\u00f6here Regionen an. Die M\u00fchen sollten belohnt werden. Eine weitere Hochebene erfreute uns mit sch\u00f6nen Aussichten in Bild und Mahl. Vom Vesperteller aus Plastik schmachtete uns die ganze Vielfalt der Eigenherstellung an. K\u00e4se, Speck in der drei Variationen, Salami und Brot. Dazu ein Gl\u00e4schen Wei\u00dfwein, und der Tag war gerettet. F\u00fcr den Abstieg w\u00e4hlten wir eine k\u00fcrzere Route. Noch voll der biologischen K\u00f6stlichkeiten wollten wir auf ein Abendmahl verzichten. Der Vorsatz reichte allerdings nur bis nach dem Duschen. Per Pedes gings nach Mergozzo, mitten ins Postkarten-Idyll. Eine Pizza der besonders feinen Art und ein Gl\u00e4schen Frisante rundeten einen ereignisreichen Tag ab. Um das Gewissen zu beruhigen schlenderten wir noch durch die Gassen des malerischen \u00d6rtchens zur Kirche St. Elisabetha. Hier tobte das legend\u00e4re Kirchenfest zu Ehren der Besungenen. Ohne Chor\u00e4le aber mit Popmusik, die bis an die Grenze zum absoluten Tinnitus aufgedreht war. Der DJ, ein in die Jahre gekommener ergrauter Sp\u00e4tsechziger, pl\u00e4rrte auch noch zu den Evergreens ins Mikro, sodass die heilige Elisabetha ohne uns weiterfeiern musste. Ich verga\u00df zu erw\u00e4hnen, dass die altehrw\u00fcrdigen G\u00e4sschen mit bunten, wild flackernden LED Lichterketten geschm\u00fcckt waren, die sicher das vergangene Weihnachtsfest zu einem Hort der Besinnung verzaubert hatten.<\/p>\n<p>So schnell geht es \u2013 die Tage der Heimsuchung waren beendet und es ging zur\u00fcck, heim ins Reich. Der fr\u00fche Aufbruch \u00fcber den herrlichen Simplon machte sich bezahlt, da die Schar der R\u00fcckreiser erst Stunden sp\u00e4ter die Stra\u00dfen und P\u00e4sse verstopfte. La Lago go! Auf ein baldiges Neues!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles begann mit einem Telefonanruf. Die ausl\u00e4ndische Vorwahl entpuppte sich als italienische. 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