{"id":313,"date":"2017-10-22T11:42:35","date_gmt":"2017-10-22T09:42:35","guid":{"rendered":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=313"},"modified":"2017-10-22T11:42:41","modified_gmt":"2017-10-22T09:42:41","slug":"rund-um-den-kaiserstuhl","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=313","title":{"rendered":"Rund um den Kaiserstuhl."},"content":{"rendered":"<p>Dreihundertundvierundsechzig Meter hoch ist der aus roten Ziegeln gemauerte Schornstein eines Kohlekraftwerkes in Slowenien! Warum sage ich euch das? Ganz einfach, ich musste mir es auch anh\u00f6ren. Geteiltes Leid ist nun mal halbes Leid! Doch lasst mich von vorn beginnen.<\/p>\n<p>Es war alles gerichtet f\u00fcr die erste gemeinsame Radtour als Rentner-Ehepaar. Zwei Tage Kaiserstuhl: Zum, Drumherum und zur\u00fcck. Ordentlich wie ich nun mal bin, stand ein letzter technischer Check auf der To Do Liste. Die Satteltaschen waren gepackt, Kartenmaterial griffbereit, vollgetankt und Kette ge\u00f6lt, Lichtlein leuchten lassen (Obwohl keine Nachtetappe geplant war. Aber man wei\u00df ja nie!), Probeklingeln und Luft aufpumpen. Das Schicksal nahm seinen Lauf, als das Ventil am Damenrad vorn die Luft nicht mehr halten konnte. Unter Aussto\u00dfen von Verw\u00fcnschungen, die nicht kinderzimmertauglich waren und auf eine nachl\u00e4ssige Erziehung schlie\u00dfen lie\u00dfen, schob ich das Rad zum ortsans\u00e4ssigen Fahrradladen. In der Hoffnung passendes Schlauchwerk erwerben zu k\u00f6nnen. Der Besitzer, ein ausgewiesener Zweiradgeselle, eine Seele von Mensch, aber eben auch der Erfinder der Slowmotion. Da h\u00e4tte ich aber gro\u00dfes Gl\u00fcck, dass ich ihn antr\u00e4fe, er sei gestern erst aus Slowenien zur\u00fcckgekommen. Und eigentlich physisch und psychisch noch nicht in der Verfassung seinem Handwerk nachzugehen. Als quasi Nachbar, und durch die Kenntnis unseres Reiseplanes bot er augenblicklich seine handwerklichen F\u00e4higkeiten an. Das Damenrad und ich arbeiteten uns schon mal in die Werkstatt vor. Ein schier unglaubliches Arsenal an Schrauben und Muttern, Bremsz\u00fcgen und Lampen, verrosteten Pedalen und Gep\u00e4cktr\u00e4gern, Felgen mit Achtern und Ketten, Ketten, Ketten und noch einmal Ketten. Ich fasste sofort gro\u00dfes Vertrauen in den Zweiradgesellen meiner Wahl. Nach Sichtung des Malheurs begann er mit einem ausf\u00fchrlichen Reisebericht aus Slowenien. Wohin, warum, wie lange, Fahrtzeit, Freundlichkeit der Eingeborenen, H\u00f6hen von Schornsteinen eines Kohlekraftwerkes etc.. Nur ein fl\u00fcchtiger Blick auf die Uhr spornte ihn an, sich im Laden, der eine Ewigkeit von der Werkstatt entfernt, vorne an der Hauptstra\u00dfe lag, um sich nach einem passenden Schlauch mit intaktem Ventil umzuschauen. Nach der gl\u00fccklichen R\u00fcckkehr genehmigte er sich erst einmal eine wohlverdiente Beruhigungszigarette, eher er sich intensiv dem Vorderrad widmete. Flugs war der Reifen von der Felge, der defekte Schlauch entfernt, des \u00dcbels Kern ausf\u00fchrlich begutachtet und unter Kopfsch\u00fctteln in eine Kiste geworfen, in der haufenweise defekte Schl\u00e4uche ein schlauchunw\u00fcrdiges Dasein fristeten. Staub wirbelte auf. Nachdem die Sicht wieder frei war, folgte der fachgerechte Einbau des neuen Reifens. In wenigen Minuten war auch der Kompressor hochgefahren. Unter Schnaufen und St\u00f6hnen, aber mit dem erforderlichen Druck wurde der Pneu unerwartet schnell in Fahrbereitschaft versetzt. Irgendwie hielt das Ergebnis dem pr\u00fcfenden Blick des munteren Gesellen jedoch nicht stand. Bis zu drei Mal wiederholte sich die Prozedur, so dass ich allein vom Zuschauen eine Zweirad-Gesellenpr\u00fcfung mit Summa Cum Laude h\u00e4tte abschlie\u00dfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mit Entsetzen nahm der Reparateur die por\u00f6sen Stellen des Mantels wahr. Seine Ehre als erfahrener Handwerker lie\u00df es nicht zu, uns mit einem por\u00f6sen Mantel zur Kaiserstuhlumrundung zu entlassen. Es war Gottes F\u00fcgung, dass er ein passendes Exemplar im Laden aus einem Regal aus der Jahrhundertwende kramte. Nach einer obligatorischen Beruhigungszigarette waren der por\u00f6se Mantel entsorgt, der neue montiert, die Luft eingeschnauft und der Pr\u00fcfblick abgeschlossen. Mir blieb verborgen, was ihn zu einem erneuten Anlauf des gesamten Montagevorganges bewegte. Auch dann noch, als sich der Vorgang mehrere Male wiederholte. Ich beschloss nicht nach dem Grund zu fragen, da die gutgemeinten Erkl\u00e4rungen das j\u00e4he Ende unseres Planes bedeutet h\u00e4tten. Irgendwie und irgendwann war das Werk vollbracht. Nur noch rasch das Vorderrad noch einmal ausbauen, die Profilrichtung entsprach nicht der Fahrtrichtung. Oder so. Als absoluter Fachmann f\u00fcr Zweiradtechnik und gemauerten Ziegelschornsteinen von slowenischen Kohlekraftwerken trat ich schlie\u00dflich den Heimweg an. Ich w\u00e4re mittlerweile um eine ganze Schachtel Beruhigungszigaretten froh gewesen. Der Nichtraucher in mir siegte allerdings.<\/p>\n<p>Meine Radelpartnerin und Ehefrau erwartete mich sehns\u00fcchtig, abfahrbereit auf dem Hof. Die Satteltaschen waren im Handumdrehen angebracht. Es konnte losgehen. Es ist m\u00fc\u00dfig zu erw\u00e4hnen, dass mir die Rolle als Sherpa zufiel. Entgegen der Fliessrichtung des Rheins radelten wir, bei strahlendem Sonnenschein gen Kaiserstuhl. Ich hatte ausreichend Zeit von dem Werkstattaufenthalt zu berichten und die H\u00f6he des gemauerten Ziegelschornsteins eines slowenischen Kohlekraftwerkes exakt verbal zu beschreiben.<\/p>\n<p>Nach ein paar unwesentlichen Umwegen steuerten wir schlie\u00dflich unser erstes Etappenziel an: Die Eisbude in K\u00f6nigschaffhausen. Die K\u00f6stlichkeiten der geadelten Eismanufaktur vers\u00fc\u00dften uns den warmen Herbsttag zus\u00e4tzlich. Unweit der Eisbude begaben wir uns auf den Kaiserstuhlradrundweg. Obwohl es ein normaler Werktag war, nutzten offensichtlich diverse Artgenossen den goldenen Herbsttag, um ebenfalls diese Tour zu genie\u00dfen. Wie Albert Einstein dereinst die Formel (e=mc\u00b2) entwickelte, kann ich die Rechte f\u00fcr das folgende Forschungs-Ergebnis anmelden (&gt;60=e+). Mit unseren durch pure Muskelkraft angetriebenen Velos bildeten wir eine geduldete Minderheit. Quasi Relikte aus einer vorgeschichtlichen, akkulosen \u00c4ra. Im Schatten eines knorrigen Apfelbaumes genehmigten wir uns ein paar liebevoll gerichtete Schnittchen. Zweites Etappenziel war Breisach. Mit dem Gl\u00fcck des T\u00fcchtigen ergatterten wir im Nu einen freien Platz im Caf\u00e9 Ihringer. Die beiden jungen M\u00e4dchen st\u00f6rten uns nicht. Sie hatten wichtige Probleme zu kl\u00e4ren, etwa welche Schuhe zu dem neuen Kleidchen passen w\u00fcrden. Die sauer gespritzten Biere zischten erquicklich und die Sonne hatte bereits an Strahlkraft eingeb\u00fc\u00dft, neigte sich langsam in Richtung Horizont. Ohne Eile genossen wir die letzten Strahlen, bevor wir uns aufmachten die letzten sechs Kilometer zum Hotel in Angriff zu nehmen.<\/p>\n<p>Frisch geduscht und mit der R\u00fcckkehr des Tatendranges eroberten wir die City von Ihringen. Die Suche nach einem guten Lokal entpuppte sich als nicht ganz so leicht. Montage wurden auch am Kaiserstuhl gerne als Ruhetage genutzt. Wir landeten schlie\u00dflich in einem Weinlokal (welch Zufall in Ihringen!). Mit einem knackigen Salat, Hechtkl\u00f6\u00dfchen, Zander auf der Haut gebraten und auf Weinsauerkraut gebettet, dazu ein ordentlicher Riesling vers\u00f6hnte uns mit den Erinnerungen an gemauerte Ziegelschornsteine von slowenischen Kohlekraftwerke. Der hochwohlverdiente Erholungsschlaf war nur von kurzer Dauer. Unser Zimmer lag zur Stra\u00dfenseite. Es erinnerte uns leidvoll daran, dass es ja auch noch eine arbeitende Schicht der Bev\u00f6lkerung gibt. Das Fr\u00fchst\u00fccksbuffett war im Internet korrekt beschrieben: Reichhaltig.<\/p>\n<p>Der zweite Teil der Route war eindeutig der sch\u00f6nere. Und so radelten wir zufrieden und gem\u00fctlich gen Riegel, und von da wieder in Richtung gelobtes Land. Ohne besondere Vorkommnisse erreichten wir wieder Haus und Hof. Nun stand uns nur noch ein Opfergang bevor: Die Reparatur des Damenrades musste noch beglichen werden, da ich ohne Geldbeutel die Tatkraft und den Schlauch mit intaktem Ventil des Zweiradgesellen heimsuchte. An eine derartige Erweiterung der Dienstleistung hatte ich in meinen k\u00fchnsten Visionen nicht tr\u00e4umen wollen. Besagter vertraute auf unsere Redlichkeit und stundete uns den Betrag bis zu unserer R\u00fcckkehr. Da ich die Geschichten um den gemauerten Ziegelschornstein eines slowenischen Kohlekraftwerkes schon live erlebt hatte, lie\u00df ich g\u00f6nnend und ganz Kavalier alter Schule meiner Frau den Vortritt, um die offene Rechnung zu begleichen. Leider fand sich offensichtlich keine Zeit f\u00fcr einen ausf\u00fchrlichen Erlebnisbericht. Sonst waren es zwei wundervolle Tage. Eine Neuauflage zur Kirsch- bzw. Apfelbl\u00fcte wurde schon mal angedacht. Kommt Zeit, kommt Rad.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dreihundertundvierundsechzig Meter hoch ist der aus roten Ziegeln gemauerte Schornstein eines Kohlekraftwerkes in Slowenien! Warum sage ich euch das? Ganz einfach, ich musste mir es auch anh\u00f6ren. Geteiltes Leid ist nun mal halbes Leid! Doch lasst mich von vorn beginnen. Es war alles gerichtet f\u00fcr die erste gemeinsame Radtour als Rentner-Ehepaar. 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