{"id":301,"date":"2017-10-02T17:30:32","date_gmt":"2017-10-02T15:30:32","guid":{"rendered":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=301"},"modified":"2017-10-02T17:30:39","modified_gmt":"2017-10-02T15:30:39","slug":"block-b","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=301","title":{"rendered":"Block &#8222;B&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Die Anreise zum Treffpunkt verlief ohne Zwischenf\u00e4lle oder Staus. Doch beim Anblick des Buses schwante mir Ungemach: Busunternehmer Schnurr hatte sein vor Jahren ausgemustertes Modell an den Start gebracht. L\u00e4ngst gel\u00f6schte Paradigmen erwachten und l\u00f6sten ein spektakul\u00e4res Kopfkino aus. Zu Zeiten harter k\u00f6rperlicher und geistiger Arbeit, charterte mein Ex-Arbeitgeber gerne dieses Unget\u00fcm, um seine tragenden S\u00e4ulen zu einem teambildenden Wochenende zu chauffieren. Im technischen Museum haben sie die kostenlose Ausstellung des pr\u00e4historischen Busses abgelehnt, weil Objekte aus der Jungsteinzeit \u00a0nicht ins Portfolio passen. Ob zum Beispiel die Gardinen noch zu w\u00e4rmenden Strickstr\u00fcmpfen reanimiert werden k\u00f6nnen wird die Zukunft zeigen.<\/p>\n<p>Wider aller Bef\u00fcrchtungen brachte uns der Herr \u00fcber das Doppelschaltgetriebe sicher durch alle Verkehrshindernisse in sensationeller Zeit ans Ziel. Auf dem Busparkplatz angekommen, dr\u00e4ngelten die Sportbegeisterten flugs aus dem Gef\u00e4hrt, um sich mit einem atemberaubenden Nikotinschub f\u00fcr die n\u00e4chste Trockenperiode in der Arena zu dopen. Dort selbst warteten die obligatorische Stadionwurst und ein halb abgestandenes Bier im Plastikbecher auf die zusammengew\u00fcrfelte Reisegruppe. Das Entgelt f\u00fcr Ticket und Busgenuss wurde bereits im Bus eingezogen. Die f\u00e4lschungssicheren Tickets, Dank kreativer Hologramme, verhie\u00dfen uns Block \u201eB\u201c, Reihe 6 und die Pl\u00e4tze11 und 12. Auf dem Weg zum reservierten Sitzplatz mussten wir mehrere Personenkontrollen \u00fcber uns ergehen lassen. Leider streng aufgeteilt nach M\u00e4nnlein und Weiblein. Mit einem beruhigenden, sicheren Gef\u00fchl betraten wir die Sportst\u00e4tte, wo bereits ged\u00e4mpfte Aufgeregtheit herrschte.<\/p>\n<p>Die verbliebene Wartezeit bis zum Anpfiff vertrieben wir uns mit fachkundigen Gespr\u00e4chen und einer Kategorisierung der unterschiedlichsten Fantypen aus Nah und Fern. Die Meisten waren \u00e4u\u00dferlich kaum zu unterscheiden &#8211; lediglich die Farbe der Trikots respektive Schals gab uns Aufkl\u00e4rung \u00fcber deren Herkunft. Aus der Arena klangen schon lange vor dem Anpfiff dumpfe Trommelrhythmen. Man groovte sich ein f\u00fcr die bedingungslose Unterst\u00fctzung der geliebten Mannschaft. Schon vor dem ersten taktischen Angriff machte sich unser Tinnitus bemerkbar. Es sollte allerdings erst die Piano-Version sein, die uns f\u00fcr den Rest der Spielzeit erwartete! Block \u201eB\u201c ist in den meisten Stadien und Arenen der Block, der den heimischen Fans vorbehalten ist. Das Schwenken von Fahnen, und Abrollen von \u00fcberdimensionalen Bettlaken, bedruckt in den Farben des Vereins, mit Schm\u00e4htexten oder heroischen Versen, brach \u00fcber uns herein. Eine Steigerung der Phonzahl schien geradezu unm\u00f6glich \u2013 wir sollten eines Besseren belehrt werden. Die Vorstellung der einzelnen Helden artete zur wahren Hysterie aus, und beim Absingen des Badner Liedes glaubte ich vereinzelt ein paar Tr\u00e4nchen bei den augenscheinlich beinharten Trommlern, Fahnenschwenkern und Betttuchabrollern zu ersp\u00e4hen.<\/p>\n<p>Anpfiff! Wieder brandete ohrenbet\u00e4ubender L\u00e4rm auf, der keinen Ausweg aus der geschlossenen Halle fand und deshalb von Trib\u00fcne zu Trib\u00fcne echote. Kaum hatte der Gegner das Objekt der Begierde, herrscht Totenstille im Oval. Vereinzelt jubelten ein paar weitgereiste Muschelschubser, was wie Balsam in unseren Ohren wirkte. Jedes erzielte Tor lie\u00df den Sportdom erneut in seinen Grundfesten ersch\u00fcttern. Zeitstrafen der Gegner wurden von H\u00e4me begleitet, und in den Auszeiten wurden flugs die \u00fcberdimensionalen Bettt\u00fccher wieder \u00fcber alle K\u00f6pfe von Block \u201eB\u201c gezogen. Was sollte man auch sonst machen? Es gab nichts zu bejubeln oder zu beschweigen. Der Trainer rief seine Sieben zur Disziplin und ordnete n\u00e4chste, erfolgversprechendere Spielz\u00fcge an. Stakkatom\u00e4\u00dfig begannen die Trommler wieder die Phonzahl auf den erforderlichen Pegel zu bringen. So ging das Spielchen hin und her, bis es letztendlich 30 : 28 stand, und die Schiedsrichter mit einem besonders langen Pfiff das Gipfeltreffen beendete. Die Helden hopsten im Kreis, lagen sich in den Armen und die Trommler und Fahnenschwenker holten noch einmal alles aus sich heraus. Zu meiner gro\u00dfen \u00dcberraschung wurde das \u00fcberdimensionale Betttuch nicht mehr \u00fcber die erregten K\u00f6pfe gerollt.<\/p>\n<p>Bevor ich \u00fcber die Heimreise in unserem historischen Gef\u00e4hrt berichte, m\u00f6chte ich noch auf eine \u00e4u\u00dferst angenehme Sitte am Rande des Spielfeldes zu sprechen kommen: \u00dcber die WM! Genauer gesagt \u00fcber die Wisch-M\u00e4dels. Ausgestattet mit Wischmop und einer reklamationsfreien Figur lauerte je eine in den vier Ecken, bis ihnen die Schiris das Zeichen zum raschen Aufwischen der achtlos fallengelassenen Schwei\u00dftropfen zwischen Wurfkreis und Neunmeter-Linie gaben. Geschickt (in doppeltem Sinne!) kamen sie ihrer Aufgabe nach, was so manche erfahrene Hausfrau vor Neid erblassen lie\u00df, denn ihnen ist eher selten eine derartige Anteilnahme und rauschender Applaus gewiss.<\/p>\n<p>Die Raucher waren wieder die Ersten im Freien. Im Bus entschied man(n) sich den Bierbestand bis zum totalen Aus zu reduzieren. Aus diesem Grund gelang es auch den Ger\u00e4uschpegel auf der Heimreise ann\u00e4hernd auf dem Niveau wie im Stadion zu halten. Leider flachte im Gegenzug aber auch das Niveau der Gespr\u00e4che umgekehrt proportional ab. Sei\u00b4s drum. Der Sieg war unser.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Anreise zum Treffpunkt verlief ohne Zwischenf\u00e4lle oder Staus. Doch beim Anblick des Buses schwante mir Ungemach: Busunternehmer Schnurr hatte sein vor Jahren ausgemustertes Modell an den Start gebracht. 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