{"id":136,"date":"2017-03-25T10:26:44","date_gmt":"2017-03-25T10:26:44","guid":{"rendered":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=136"},"modified":"2017-03-25T10:28:21","modified_gmt":"2017-03-25T10:28:21","slug":"nordsee-radtour-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=136","title":{"rendered":"Nordsee Radtour Teil 1"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zwei H\u00f6llenhunde auf dem Weg nach und von Westerstede.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Vor-Fahrt<\/strong><\/p>\n<p>St\u00e4hlern sind R\u00f6sser, Muskeln und Nerven. Bereit f\u00fcr das Abenteuer &#8222;Durch die gr\u00fcne H\u00f6lle des Nordens.&#8220; Alles ist dem Zufall \u00fcberlassen. Ehern steht nur der blo\u00dfe Wille, den unwiderstehlichen Launen der Natur zu trotzen. Der Wildnis der rauhen K\u00fcste, mit ihren tosenden St\u00fcrmen, den unaufhaltsamen Gezeiten und entgegen den \u00fcberraschend heranbrausenden Horden mobiler Rentner, die sich durch R\u00fcckenwind und Elektroenergie fremdbeschleunigt r\u00fccksichtslos und vorfahrtslos trauen, diesem Wagnis die kahle Stirn zu bieten.<\/p>\n<p>Da sind wir ganz andere Kerle! Schorschi, der sagenumwobene Fahrensmann, ich, sein Betreuer, und Falk, der Navigator. Falk, der sich nie irrt. Ganz im Gegensatz zu seinem Pendant, dem Sagenumwaberten. Gut, dass der Betreuer mit starker, erfahrener Hand und klarem Kopf die absolut unn\u00f6tigsten Irrwege zu vermeiden wei\u00df. Leider nicht generell zu verhindern. Was nutzt es, wenn alle Elegance den Pedaleur letztlich ins unwegsame Niemansland navigiert und das gro\u00dfe Jammern und Klagen die Flut zur\u00fcck ins Meer treibt. Ohne jeglichen Ereignissen vor den ersten kraftvollen Tritten in die Pedale, dem ersten beherzten Rochieren der 27 G\u00e4nge vorgreifen zu wollen, werfen wir noch einen pr\u00fcfenden Blick \u00fcber Sicherheit und Vollst\u00e4ndigkeit von Material und Ausstattung. Sie muss uns im Ernstfall hilfreich bei dieser Expedition ins Ungewisse Gesundheit und Unversehrtheit von Laib und Seele erhalten.<\/p>\n<p>Nach monatelanger, peinlich genauer Planung und detaillierter, bis zur letzten Speiche, Vorbereitung, konnten wir uns schlie\u00dflich auf die erste, dann auf die zweite Juliwoche einigen. Mehrfach wurden sowohl digitale Terminizer, als auch konventionelle Sparkassenkalender im Querformat konsultiert, um in ihnen eine deckungsgleiche freie L\u00fccke zu identifizieren. Wie sich sp\u00e4ter herauskristallisieren wird, sollte sich dies als die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung der stressgeplagten Privatiers erweisen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Eine seinen adonisgleichen K\u00f6rper weiter in anbetungsw\u00fcrdiger Form hielt, zupfte der Andere nervt\u00f6tend an unterproportionierten Saiteninstrumenten herum, und schlang unz\u00e4hlige Kugeln aus Milch- und Fruchteis in sich hinein. Falk hingegen datete up. Erfahrungsgem\u00e4\u00df wird der Chronist noch w\u00e4hrend der Tour auf diese Problematik mehrfach eingehen. M\u00fcssen.<\/p>\n<p>Der Unzuverl\u00e4ssigkeit, Umst\u00e4ndlichkeit und Unzul\u00e4nglichkeit der Deutschen Bundesbahn ist es anzukreiden, dass uns die Reise ins Unbekannte nicht ins Sauerland, an die Quelle der Ruhr, f\u00fchrte, sondern in die gr\u00fcne H\u00f6lle des Nordens. Die zu erwartenden H\u00f6henmeter scheinen durchaus \u00fcberwindbar &#8211; auch f\u00fcr Schorschi. Au\u00dferdem k\u00f6nnen wir das gesamte Terrain jederzeit einsehen, bis zur Erdkr\u00fcmmung. Quasi beim Fr\u00fchst\u00fcck bereits den Biergarten zum D\u00e4mmerschoppen ausmachen. Die Bestellung werden wir jedoch bis zur letzten Sekunde herausz\u00f6gern, um bei der Trinktemperatur nicht den ersehnten Erfrischungsgrad leichtfertig aufs Spiel zu setzen.<\/p>\n<p>M\u00f6ge der Gott der Radler ein Einsehen haben, und getrennte Schlafst\u00e4tten f\u00fcr uns bereithalten. Schorschi sei es verg\u00f6nnt mit Falk ein Zimmer zu teilen. Ihm f\u00e4llt ja auch die Aufgabe zu, sich und Falk mit der jeweils n\u00e4chsten Etappe vertraut zu machen. Dazu ist eine gewisse k\u00f6rperliche N\u00e4he sicher nicht hinderlich.<\/p>\n<p>Sollte sich unseren Fahrk\u00fcnsten und unserer Zielsicherheit, nicht ganz unerwartet, eine Gruppe junger, h\u00fcbscher Damenfahrradabenteurerinnen anvertrauen, werden wir selbstverst\u00e4ndlich ritterlich unsere Windschatten anbieten. F\u00fcr weiterreichende synchrone Verkehrsveranstaltungen m\u00f6chte ich an dieser Stelle keine verl\u00e4sslichen Prognose abgeben. Dass das Schicksal eine unerwartete Alternative f\u00fcr uns bereithalten w\u00fcrde, wird noch im weiteren Verlauf des Berichtes Erw\u00e4hnung finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ab-Fahrt<\/strong><\/p>\n<p>Das Blaulicht der Rettungswagen taucht die blassen Gesichter der Fans im Morgengrauen in bizarre Farbnuancen. Von Schrei- und Weinkr\u00e4mpfen ekstatisch vibrierende K\u00f6rper in den ersten drei Reihen der jubelnden Zuschauerinnenmassen bilden das Spalier zum Ortsausgang in Eckartsweier. Die Martinsh\u00f6rner versuchen verzweifelt sich gegen die tosende, kreischende Menge durchzusetzen, um die komat\u00f6sen Damen zur\u00fcck in die Wirklichkeit zu holen. Alle stellen sich nur die eine Frage: Werden wir die Unerschrockenen je wiedersehen? Papiertaschent\u00fccher* und Deutschlandfahnen waren nach offiziellem Bekanntwerden des Wagnisses in Bruchteilen von Stunden in der gesamten Region und den umliegenden Gauen, bis auf ein paar unansehnliche, zerfledderte Exemplare, ausverkauft.<\/p>\n<p>*besonders die der Marke &#8222;Tempo&#8220;, um damit der rasanten Geschwindigkeit der Akteure so hautnah wie irgend m\u00f6glich verbunden zu sein.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlich rechtliche, sowie un\u00f6ffentlich unrechtliche Funk- und Fernsehsender haben ihre Programme unterbrochen, oder mindestens eine aktuelle Unterzeile \u00fcber den Bildschirm getickert, um live dabeisein zu k\u00f6nnen. Synchronsprecher sorgten f\u00fcr zeitnahe Live-\u00dcbertragungen in unz\u00e4hlige L\u00e4nder auf f\u00fcnf Kontinenten. In Frankreich verharrte die Tour de France vor Ehrfurcht. Synchronsprecherinnen wurden vorausschauend erst gar nicht nominiert, da ihnen serienweise die Stimmen versagen w\u00fcrden, was jede Direkt\u00fcbertragung zum Scheitern verurteilen w\u00fcrde, ehe ein einziges Kettenglied sich in den Zahnkranz krallt. \u00dcbersch\u00e4umende Emotionen w\u00e4ren am \u00c4ther fehl am Platz.<\/p>\n<p>Nachdem mittlerweile mehr Druckerschw\u00e4rze auf dem Papier ist, als Gummiabrieb auf dem ostfriesischen Asphalt, geht es jetzt besser los.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Cool-Tour<\/strong><\/p>\n<p>Trotz der \u00e4u\u00dferst eleganten Haltung auf dem Velo, Schorschis Aerodynamik ist noch zu optimieren. Die Knie sollten in leichter X-Stellung nach innen zur Querstange weisen. Diese ist in der Regel parallel zur Fahrbahn angeordnet. Sie unterscheidet, auf den ersten fl\u00fcchtigen Blick, das Herrenrad von einem Damenrad. Die Stange kann jedoch auch alternativ steigend oder fallend f\u00fcr Stabilit\u00e4t sorgen, was eine Differenzierung schwieriger, aber nicht unm\u00f6glich macht.<\/p>\n<p>Aerodynamisch m\u00f6chte ich von der Stange zur\u00fcck zu den Knien kommen. Durch die keilf\u00f6rmige Stellung nach innen wird der Fahrtwind au\u00dfen an den Schenkeln herum geleitet. Physikalisch ergibt sich daraus eine Verwirbelung des Luftstromes im Bereich der Kniekehlen, was sowohl einen zus\u00e4tzlichen Schub bewirkt, als auch eine leichte K\u00fchlung derselben. Der verbleibende Teil des Luftstromes gleitet entlang des Oberschenkels in Richtung Hosensaum, zieht um das Ges\u00e4\u00df herum bis zur Spaltung des Sitzorgans. Da kalte Luft bekanntlich nach unten f\u00e4llt, bahnt sie sich dort den einzig m\u00f6glichen Weg hinab zur Oberfl\u00e4che des Sattels, um dem Pedaleur selbst in dieser unzug\u00e4nglichen Region eine angenehme klimatische Wohltat zu bescheren. Unter Umst\u00e4nden, je nach Konfiguration des Sattels, profitieren noch weitere, naheliegende erogene Zonen des m\u00e4nnlichen K\u00f6rpers von der Umschmeichelung des erfrischenden Fahrtwindes. Daran muss Schorschi allerdings noch feilen, um den vollen Genuss der selbsterfahrenen Klimatisierung auskosten zu k\u00f6nnen. Wir arbeiten daran.<\/p>\n<p>Im Nachhinein wird es sich als professionell erweisen, vorfrankierte DIN A 4 Umschl\u00e4ge mitgef\u00fchrt zu haben, um die beanspruchte Herrenunterbekleidung zur\u00fcck zu senden. Gewichts- und Geruchsentlastung werden die logische Konsequenz sein.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich und dennoch unerwartet suchte uns die erste Panne bereits auf dem Weg zum Auto in Eckartsweier heim. Der Halter des Tr\u00e4gers an Schorschis linker Packtasche versagte seinen Dienst. Die vordere untere Ecke sackte, von der Erdanziehung beschleunigt, auf den Boden. Mit zittrigen H\u00e4nden und dem passenden Kreuzlochschl\u00fcssel konnte der Schaden kurzfristig behoben werden. Es konnte also tats\u00e4chlich losgehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Trans-Fair<\/strong><\/p>\n<p>Nach knapp mehr als zwei Stunden erreichten wir die Nordsee. Allen Navigationen zum Trotz, deren digitale Damen gut sechs Stunden in Aussicht gestellt hatten. Bezeichnenderweise lag die Nordsee inmitten des Siegerlandes! Man war ganz offensichtlich auf unser Erscheinen bestens vorbereitet. Ein erstes Fotoshooting man\u00f6verierte uns in eine recht un\u00fcbersichtliche Situation. Die junge Dame, die uns Minuten zuvor noch den Kaffee Crema offerierte, zeigte ihr wahres Gesicht. Als resolute Verfechterin der Wirtschafts-Spionageabwehr verbot sie uns jede Ablichtung der fischreichen Gefielde. Mit wogender Springflutoberweite herrschte sie uns an, alle diesbez\u00fcglichen digitalen Zelluloids zu l\u00f6schen. Wir versicherten unwahrheitsgem\u00e4ss.<\/p>\n<p>Der anschlie\u00dfende Besuch des Abortes, unterhalb der Nordsee, bescherte uns \u00fcberraschend neue Ein- und Ausblicke. Wir lichteten sie schamlos ab, ohne von der vollbusigen H\u00fcterin der Krabben und Matjesbr\u00f6tchen daran gehindert zu werden. Ohne weitere nennenswerte Peinlichkeiten ging es weiter gen Norden, Westerstede entgegen.<\/p>\n<p>Nach dem vollzogenen Fahrerwechsel lie\u00df es sich nicht vermeiden, dass Schorschi zur Mundharmonika griff, und ihr erste zarte T\u00f6ne entlockte. Nach einigen, schwer zu ertragenden, nicht enden wollenden Minuten war es durchaus m\u00f6glich, eine Art Melodie herauszuh\u00f6ren. Es reichte jedoch nur bis zum &#8222;Schneewalzer&#8220;, was unserer Situation in keinster Weise angemessen war. Selbsterkenntnis erl\u00f6ste Falk und mich.<\/p>\n<p>Schorschi war digitalm\u00e4ssig voll equipt. Tablett, Handy, Kamera, Tacho, Auto- und Velo-Navi names Falk. Wer wen im Griff hatte, stellte sich schon nach den ersten wirklichen Bew\u00e4hrungsproben heraus. Aus der immensen Zahl der Wettervorhersagen w\u00e4hlte er gezielt diejenige, die zwar tollsten Sonnenschein versprach, aber letztlich zu ergiebigen Niederschl\u00e4gen neigte. Die Kamera stellte den Lichtbildner vor schwierige Aufgaben. Der Tacho versagte am letzten Tag komplett seinen Dienst und Falk f\u00fchrte uns schon fast peinigend in unerforschte Gefielde. Darauf komme ich im Laufe der Berichterstellung noch detailliert zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Um so \u00fcberraschender f\u00fcr alle war der Gewinn der Silbermedaille beim Rumtapsen im Einzugsgebiet Ammerland. In der Kategorie &#8222;Einfingertapsen&#8220; Altersklasse \u00dc 60 konnte ihm nur die Tippgemeinschaft Lotto \/ Toto \/ Trallala den verdienten Sieg streitig machen. Bei dreimaligem Gewinn eines der drei vorderen Platzierungen w\u00e4re Schorschi berechtigt gewesen an den Ausscheidungswettk\u00e4mpfen zur Norddeutschen Meisterschaft teilzunehmen, und damit die einmalige Chance auf die Landesehrenurkunde auf B\u00fctten mit Pr\u00e4gung und Goldschnitt. In der Spezialkategorie &#8222;Koordination Treten, Lenken und Rumtapsen&#8220; konnte Schorschi mit beachtlichem Vorsprung die Wertung f\u00fcr sich entscheiden, verfehlte allerdings den seit 13 Monaten bestehenden Ammerl\u00e4nder Rekord. Wenn auch nur knapp.<\/p>\n<p>Wir erreichten das Hotel auf Anhieb im Direktflug und lernten noch auf dem Parkplatz drei Viertel der Familie Bohlje kennen. Inklusive Max, dem Hotelhofhund, der dem gleichen Figaro wie Schorschi zu vertrauen schien. Eltern, plus zwei minderintelligente S\u00f6hne mit Gardema\u00df. Und eben Max. Ach ja, Oma lebte nebenan, nebst Garage, wo wir nach gesch\u00e4tzten 300 m unsere Rennmaschinen vor der \u00d6ffentlichkeit und den neidischen Blicken verbergen konnten.<\/p>\n<p>Nicht unerw\u00e4hnt sollen die drei M\u00e4dels aus M\u00fcnster bleiben, die den K\u00fchler ihres Golfs als Taubengrill zweckentfremdet hatten. Der materielle Schaden am Golf war \u00fcbersichtlich. Die Taube war leider nicht zum Verzehr geeignet.<\/p>\n<p>Als Schorschi und der Chronist sich hemmungslos einem Fischbuffet hingaben, mussten wir mit ansehen, wie die gegen\u00fcberliegende Eisbude den Feierabend einleitete. Die Schwei\u00dfperlen auf Schorschis Stirn wuchsen im Durchmesser beachtlich an.<\/p>\n<p>Der Wetterr\u00fcckblick: 17 &#8211; 21*C \/ leichter Nielselregen \/ m\u00e4\u00dfiger Wind<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Jung-Fern-Fahrt <\/strong><\/p>\n<p>Montag 13. Juli 2015<\/p>\n<p>Bevor sich am Montag das Peloton um 08:45 Uhr in Bewegung setzte, wurden wir zur Dopingprobe gebeten. Gott sei Dank gab es Beh\u00e4ltnisse mit reichlich Fassungsverm\u00f6gen, um dem Labor ausreichend Material f\u00fcr alle notwendigen Tests zur Verf\u00fcgung stellen zu k\u00f6nnen. Das Resultat: \u00e4u\u00dferst positiv. Beruhigt konnte das Abenteuer Fahrt aufnehmen.<\/p>\n<p>In Portsloge wurde die Tete de la Tour offensichtlich sp\u00e4ter erwartet. Wir hatten bereits in der Eisbude Platz genommen, als die sichtlich aufgeregten Damen des Ortes noch immer nach uns Ausschau hielten. Sie trugen Plakate auf denen zu lesen war: &#8222;Lieber Sex im Sattel, als ein Achter im Rad&#8220;. Oder, &#8222;Schorschi ich will kein Kind von dir.&#8220; Oder, &#8222;Armin f\u00fcr Deutschland&#8220;. Falk wurde weniger mit Huldigungen bedacht. Lastete man ihm die 45 min\u00fctigen Irrfahrt in und um Westerstede schon nach der ersten Entgleisung an?<\/p>\n<p>Etliche Kilometer weiter, im Hochmoor, wo die Stecher, auch genannt Torfk\u00f6ppe, die feuchten Relikte aus weit zur\u00fcckliegenden Zeiten, stachen, verrichtete Schorschi unbek\u00fcmmert seine Notdurft. Sie wurde augenblicklich von den Formationen der Erdgeschichte aufgesogen.<\/p>\n<p>N\u00e4chster Stopp: Bad Zwischenahn. Es begann zu regnen. Die Frage, wer seine Packtaschen sperrangelweit offen im Regen stehen lie\u00df, brauche ich ja wohl nicht zu stellen! Doch damit nicht genug. Seine digitale Kamera k\u00fcndigte ihm den Gehorsam auf. Der Monitor blieb finster schwarz. Selbst sein preisgekr\u00f6ntes Rumtapsen auf allen m\u00f6glichen und unm\u00f6glichen Tasten blieb ohne nennenswerte Resultate. Nach ca. 26 Minuten und 43 Sekunden entdeckte Schorschi einen Bedienungsknopf mit der Aufschrift: Display. Wie auf ein Wunder gab das schwarze Loch des Bildschirms seine Geheimnisse preis.<\/p>\n<p>Das Tief machte seinem Namen alle Ehre. Der Rest der Jung-Fern-Fahrt fand im Feuchten statt &#8211; auch, wenn wir den Versuch nicht ungenutzt verstreichen lassen wollten, dem Regengott in der \u00fcberdachten Bushaltestelle eine Chance zu geben. Vergebens. Auch die digitale Wahl eines freundlicheren Wetterdienstes f\u00fchrte nicht zu dem gew\u00fcnschten Hoch. Wir umzingelten den Zwischenahner See und schlugen durchn\u00e4sst aber gl\u00fccklich den Weg zu unseren minderbegabten* Hotelbesitzers\u00f6hnen ein.<\/p>\n<p>*an dieser Stelle sei erw\u00e4hnt, dass die erarbeiteten Zeugnisse und Abschl\u00fcsse selbstkritisch als nicht besonders herausragend eingestuft wurden. Zu den ehemaligen Kameraden allerdings als erheblich eintr\u00e4glicher.<\/p>\n<p>Der Gesamtlagebericht:<\/p>\n<p>Temperatur bis 20*C \/ leichte Briese \/ Dauerregen ab 14:00 Uhr<\/p>\n<p>Etappe 64,1 km \/ effektive Fahrzeit 3 Std. 59 Min.<\/p>\n<p>Durchschnittliche Geschwindigkeit 16,03 km\/Std.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ruhe-Tag<\/strong><\/p>\n<p>Dienstag 14.Juli 2015<\/p>\n<p>Was die Tour de France kann, k\u00f6nnen wir schon lange. Den str\u00f6menden Regen ignorierend, entschieden wir uns f\u00fcr eine Reise entlang des 8. Breitengrades. Doch auch hier erwarteten uns tropische Regenw\u00e4lder und arktisches \u00d6dland. Der Reiseleiterin zu Folge dauert ein normaler Turn um den Globus 2.30 Std. Bei besonders Interessierten sogar bis zu 4 Std. Schorschi schaffte es in sage und schreibe 1.45 Std. Ein Rekord f\u00fcr die Ewigkeit!<\/p>\n<p>Nachdem wir alle Klimazonen gemeistert hatten kam die Stunde des Ice-Mans. Bremerhaven bot in dieser Richtung nicht wirklich Geniessenswertes. Aber wir opferten uns dennoch. Zun\u00e4chst st\u00fcrmten wir zu Fu\u00df in Richtung Fischereihafen, wo wir uns schmackhaftere Labung erhofften. Wer jedoch den harten Sattel der Rennmaschinen gewohnt ist, der setzt seine Priorit\u00e4ten bei der Fortbewegung nicht auf seine Gehwerkzeuge. So war es auch nicht verwunderlich, dass der Weg zum Auto, der entscheidend k\u00fcrzer war, den Vorzug erhielt. Am Fischereihafen angekommen lobten wir uns f\u00fcr diesen weisen Entschluss.<\/p>\n<p>Da der geliehene Fleece der Gattin seiner Figur nicht wirklich schmeichelte, enterten wir Hein M\u00fccks Shop, der als Spezialist f\u00fcr die Gr\u00f6\u00dfen XXL bis 14XL die Auswahl f\u00fcr den Verg\u00f6tterten auf wenige Exemplare beschr\u00e4nkt. Als erfolgreicher Imageberater gab ich schlie\u00dflich den entscheidenden Impuls f\u00fcr die Investition. Schwarzbrot, Matjes und ein Glas Wein linderten alsbald die Strapazen der Shoppingtour.<\/p>\n<p>Der Heimweg verlief in tiefsinnigen Gespr\u00e4chen. Die Zeit flog dahin. Inzwischen war der Anblick der zahllosen Baumschulen zur Routine geworden. Der Beruf des Baumschullehrers schien neben Eiskugelformern, sowie Hotel- und Koiteichbesitzern eine h\u00e4ufig und gern gew\u00e4hlte Erwerbsquelle zu sein. Jedoch hielten sich die Stufen des Erfolgs in \u00fcbersichtlichen Grenzen. Baumschuldirektoren, Ober-Eiskugelformer sowie graduierte Hotel- und Koiteichbesitzer waren rar.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck bei unseren D\u00f6spaddeln tauschten wir an der Hotelbar noch ein paar Freundlichkeiten aus, und Befragten die Wetterfr\u00f6sche nach den Prognosen des kommenden Tages. Wir waren schlie\u00dflich nicht zum Vergn\u00fcgen hier!<\/p>\n<p>&#8222;Haben sie euch Zuhause eigentlich rausgeworfen?&#8220; Die Frage des j\u00fcngeren und kleineren (!) D\u00f6spaddels kam pl\u00f6tzlich und dennoch unerwartet. Ausgerechnet wir, die Ausb\u00fcnde an Herzlichkeit und Einf\u00fchlsamkeit hatten offensichtlich den Hotel- und Koiteichbesitzer bis an die Grenze der psychischen Belastbarkeit katapultiert. Wir verweigerten jegliche weitere Aussagen und f\u00fchrten das Gerede mit allerlei Banalit\u00e4ten fort.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Abendmahl lockte uns die Frittenbude, die nur ein paar Gedankenspr\u00fcnge entfernt lag, mit klassischer Currywurst. Sie harmonierte perfekt mit dem Matjesbr\u00f6tchen vom Fischereihafen. Noch Stunden sp\u00e4ter durften wir die kulinarischen Geschmacksnoten vollmundig genie\u00dfen. Norddeutsche und Schalker Klassiker bilden eine virtuose, V\u00f6lker verbindende Gourmet-Allianz Haxen z.B. verschm\u00e4ht der Norddeutsche ebenso, wie Herrn Seedoofer, obwohl doch der Name ansich eine gewisse Affinit\u00e4t zur heimischen K\u00fcsten-Landschaft birgt. Aufgrund der ersichtlichen Erdkr\u00fcmmung ist den Eingeborenen eine gewisse Weitsicht bereits in die Wiege gelegt worden. Hingegen bringt in bayerischen Bierzelten der Genuss von gr\u00f6\u00dferen Mengen Wei\u00dfbier nicht automatisch einen messbaren Zuwachs an Weisheit, wie Horst es j\u00fcngst in vielen seiner Verk\u00fcndungen beeindruckend unter Beweis gestellt hat. Um die Maut sieht es mau aus, und da das Betreuungsgeld f\u00fcr Kinder j\u00e4mmerlich gescheitert ist, sollte es sinnvoll f\u00fcr die Betreuung bayrischer Politkasper verwendet werden. Oder ist die Idee zu abgefahren?<\/p>\n<p>Auf dem Fu\u00dfweg zur Frittenbude standen wir unvermittelt vor einem Automaten, der diverse Regensch\u00fctze f\u00fcr den Genitalbereich offerierte. Obwohl man farbige \u00dcberzieher unter den Hosen selten zu Gesicht bekommt, kann Man(n) sie in verschiedenen Farben w\u00e4hlen. Quasi passend zu den baumwollenen Doppelripps mit seitlichem Eingriff. Warum es sie auch in aromatischen Geschmacksnoten gibt, ist mir ebenso verborgen geblieben, wie die Regensch\u00fctze selbst vor den Augen der \u00d6ffentlichkeit. Die Aromen bewegten sich lediglich im Bereich von beerigen Fr\u00fcchten? Ich habe mich f\u00fcr Erdbeer und die Farbe Schwarz entschieden. Erdbeer, weil ich die anderen Fr\u00fcchtchen noch weniger mag, und Schwarz, weil sie perfekt zu meinen Doppelripps passt. Eine Nachfrage bei der Currywurstfachverk\u00e4uferin, bez\u00fcglich Farben und Geschm\u00e4cker wurde ohne klare Aussage, nur mit Kopfsch\u00fctteln erwidert. Dem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, wusste sie allerdings Genaueres, wollte es aber offensichtlich ausschlie\u00dflich im intimen Umfeld verraten. So blieb uns Ahnungslosen der unbefriedigte Heimweg mit der Gewissheit, f\u00fcr alle Eventualit\u00e4ten pr\u00e4pariert zu sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei H\u00f6llenhunde auf dem Weg nach und von Westerstede. \u00a0 Vor-Fahrt St\u00e4hlern sind R\u00f6sser, Muskeln und Nerven. Bereit f\u00fcr das Abenteuer &#8222;Durch die gr\u00fcne H\u00f6lle des Nordens.&#8220; Alles ist dem Zufall \u00fcberlassen. Ehern steht nur der blo\u00dfe Wille, den unwiderstehlichen Launen der Natur zu trotzen. 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