{"id":130,"date":"2017-03-25T10:05:16","date_gmt":"2017-03-25T10:05:16","guid":{"rendered":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=130"},"modified":"2017-03-25T10:05:47","modified_gmt":"2017-03-25T10:05:47","slug":"le-tour-de-france","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/armins-nach-richten.de\/?p=130","title":{"rendered":"Le Tour de France"},"content":{"rendered":"<p>Le Tour de France: 12.05.2015<\/p>\n<p>Geplante Abfahrt wie immer &#8211; 09:30 Uhr Start mit dem Auto. Die Vorfreude w\u00e4hrte nicht lange: Vollsperrung der A5 zwischen Appenweier und Achern &#8211; der Stau allerdings machte sich bereits kurz nach Offenburg breit. Er bremste auch die Euphorie. Prompt hatte ich auch schon Schorschi am Ohr. Aufgeregt wie immer. Meine voraussichtliche Ankunftszeit sorgt nicht zwingend f\u00fcr Entspannung. Da ich mich jedoch auch im Auto auf eine \u00fcberdurchschnittliche fahrerische Qualit\u00e4t verlassen kann, erreichte ich Schorschi rascher, als vom Navi prophezeit. Man kann sich eben auf nichts mehr verlassen. Au\u00dfer nat\u00fcrlich auf mich selbst. Von Schorschi sah ich zun\u00e4chst nur den Po aus der Garage ragen. Der Kopf war tief in einem Regal verschwunden, unterhalb der Polinie. Was er suchte bleibt nach wie vor im Verborgenen. F\u00fcr diesen Bericht aber auch in keinster Weise relevant.<\/p>\n<p>Nach der Besichtigung und Bewunderung seiner neuen Errungenschaft st\u00fcrmten wir elanvoll los. Der Tag versprach schw\u00fcl und hei\u00df zu werden. Mit einer geh\u00f6rigen Portion R\u00fcckenwind ging es flugs an die Eroberung des sogenannten befreundeten Nachbarstaates.<\/p>\n<p>Kaum hatten wir Vater Rhein zur H\u00e4lfte \u00fcberquert, \u00e4nderte sich schlagartig alles. Aus dem Fahrrad wurde Velo, wohl, weil es sich aus den Wortfetzen Ve-Ventile sowie Lo- von Losfahren zusammensetzt. Wer mag sich in die Gedanken dieser Gallier versetzen? Au\u00dferdem wird aus Weckle = Baguette, aus Ortenaux = Bordeaux, und aus Schorschi = Djorsch, respektive Charlie. Die Betonung liegt auf dem &#8222;I&#8220;. Aber ich komme vom Thema ab.<\/p>\n<p>Die erste Baustelle zwang uns bereits zu ersten undurchsichtigen Zickzackkursen. Mitten durchs Gebiet der Damen, die nicht nur fehlerfrei franz\u00f6sisch zu sprechen verm\u00f6gen. Mich qu\u00e4lte der Gedanke, warum man ausgerechnet von horizontalem Gewerbe spricht, da sie doch zun\u00e4chst ihre Dienste vertikal, also aufrecht stehend offerieren. Wie dem auch sei, mit ein paar freundlichen Worten und der Vertr\u00f6stung auf das nahende Wochenende radelten wir unvollrichtet weiter in Richtung La Wanzenau.<\/p>\n<p>Teilweise machte sich gr\u00f6\u00dfte Bewunderung \u00fcber die gnadenlose Ortskenntnis von Schorschi in mir breit, wie warmer Gl\u00fchwein an einem frostigen Winterabend. Da sich die Temperaturen allerdings anschickten die 30\u00b0C Marke locker zu nehmen, kam die Abk\u00fchlung schneller, als ersehnt. Erste ratlose Blicke schweiften \u00fcber Flora und Fauna der Hoheitsgebiete unserer Erbfeinde. Meine vorsichtige Frage nach seinem Falk wurde mit dem Hinweis auf die fehlende europ\u00e4ische Software nur abweichend beantwortet. Was das Vertrauen in das geographische Wissen des Planers leicht ersch\u00fctterte. Sicher wollte er mich mit dem Hinweis auf das nat\u00fcrlich mitgef\u00fchrte analoge Kartenmaterial in Sicherheit wiegen. Zweifel blieben. Mit Recht, Schuld waren keinesfalls die fehlenden europ\u00e4ischen Seiten, sondern ausschlie\u00dflich die bekannte Vergesslichkeit Schorschis. Da mir jedoch klar war, dass auf der einen Seite nur Vater Rhein unserer Tour eine nat\u00fcrliche Begrenzung bilden konnte, und auf der gegen\u00fcberliegenden Seite die Vogesen, nach vorn Paris und entgegengesetzt Basel, kehrte ein wenig Sicherheit zur\u00fcck bei der Wahl der m\u00f6glichen Varianten der Route.<\/p>\n<p>Die Bl\u00fctenpracht in den Auw\u00e4ldern spendeten zwar allerlei Schatten, ermunterten jedoch die Nasenschleimh\u00e4ute zu Juckreizen und Ausfl\u00fcssen. Landauf, landab werden ganze Bev\u00f6lkerungsschichten von allergischen Reaktionen geplagt. Unabh\u00e4ngig von Geschlecht und gesellschaftlichem Stand. Es gibt hier doch eine Gerechtigkeit, auch wenn Besagte ihre Nasen dar\u00fcber r\u00fcmpfen. M\u00fcssen. Mit abnehmender Distanz zum Stadtzentrum sorgte der Wechsel von Pollen zu Bollen f\u00fcr weitere allergische Erektionen. Eine erneute Geisel unserer, von kurzen, aber heftigen Irrfahrten, geschundenen K\u00f6rper. Wir lechzten nach geistiger und k\u00f6rperlicher Reanimation. Die Wahl der vielversprechendsten Herberge viel auf einen schattigen Innenhof, in denen einer gewissen Beinfreiheit zum Entree zu geh\u00f6ren schien. Was, neben der k\u00fchlen Azoischere den nachhaltigen Erfolg unserer ersehnten Reanimation garantierte.<\/p>\n<p>Nur ungern brachen wir wieder auf. Die Zeit lief uns davon &#8211; ich hatte Gattin, geliebter, versprochen, beim Packen der Koffer bei Zeiten zur Hand zu gehen. Die Gedanken hingen noch lange an dem schattig lauschigen Pl\u00e4tzchen der Kurzweil, als wir uns den Weg kurzatmig durch die hei\u00dfen, schw\u00fclen H\u00e4userschluchten bahnten. Ohne unser Ziel aus den Augen zu verlieren k\u00e4mpften wir uns wieder auf deutschen Mutterboden zur\u00fcck. Die Sonne stand im Zenit, der aufbrausende Wind brachte weder die ersehnte K\u00fchlung noch sorgte er f\u00fcr den erhofften Schub. Ganz im Gegenteil &#8211; der Wind blies uns f\u00f6hnig kr\u00e4ftig ins Gesicht! Wie gesagt, es war alles andere als ein k\u00fchlender kalter Wind von vorn! Warum wir auf all unseren Touren ausgerechnet auf dem R\u00fcckweg generell gegen den Wind von vorn abstrampeln m\u00fcssen bleibt ein Geheimnis der Natur und Meteorologen. Ob Kachelmann hier zu nachvollziehbarer Aufkl\u00e4rung h\u00e4tte beitragen k\u00f6nnen, wei\u00df nur er selbst &#8211; h\u00f6chstens noch die gnadenlose Alice Schw\u00e4tzer, die hinter jedem m\u00e4nnlich benannten Tief einen potentiellen Macho vermutet. M\u00f6gen uns die wirren Verschw\u00f6rungstheorien der Steuerhinterzieherin verschonen, und der Patron der Radler beim n\u00e4chsten Mal gesonnen sein. Man d\u00fcrfte uns dann ruhig Veloioten nennen. Oder so \u00e4hnlich. Bon soir!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Le Tour de France: 12.05.2015 Geplante Abfahrt wie immer &#8211; 09:30 Uhr Start mit dem Auto. 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